Konfessionsloser Schauspieler pflegt Spiritualität

Liefers bedauert sinkende Bedeutung der Kirche fürs Miteinander

Aktualisiert am 20.03.2022  –  Lesedauer: 

München ‐ Jan Josef Liefers ist einer der bekanntesten Schauspieler Deutschlands. Er glaubt zwar selbst nicht an Gott, pflegt aber eine eigene Spiritualität. Dennoch bedauert er den zunehmenden Bedeutungsverlust der Kirche.

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Jan Josef Liefers (57), konfessionsloser Schauspieler, hat sich für sein Filmprojekt "Honecker und der Pastor" intensiv mit dem Thema Religion auseinandergesetzt. Vor allem mit dem Christentum habe er sich beschäftigt, "weil es zu unserer Kultur und Geschichte wesentlich gehört", sagte der in der DDR aufgewachsene Liefers der Illustrierten "Bunte". Das sei seine Eintrittskarte ins Gespräch mit dem Sohn des evangelischen Pastors Uwe Holmer gewesen. Holmer hatte im Herbst 1989 Margot und Erich Honecker nach dessen Absetzung in seinem Haus aufgenommen.

Besonders gefallen habe ihm an der Pastorenfamilie der ungezwungene Umgang mit dem Glauben bis hin zum Tischgebet, sagte Liefers. "Ich finde es schön, laut auszusprechen, was man sich wünscht von Gott oder vom Universum. Das nordet unseren inneren Kompass ein und macht es wahrscheinlicher, dass wir unsere Ziele verstehen und erreichen." Weiter meinte der Schauspieler: "Manchmal finde ich es schade, dass die Kirche - nun auch noch durch all die Skandale - immer weniger Relevanz für unser Miteinander hat."

Spiritualität ohne Gottesglauben möglich

Mitunter halte auch er stille Zwiegespräche, verriet Liefers. Dann formuliere er seine Ziele und Hoffnungen. "Das ist keine esoterische Spinnerei, so was machen auch Leistungssportler vor einem wichtigen Wettkampf. Es dient der Erweckung der eigenen mentalen Kräfte." Auch Menschen wie er, die nicht an einen Gott glaubten, entdeckten so etwas wie Spiritualität, erklärte Liefers. "Wir kommen immer wieder an Punkte im Leben, wo wir spüren, dass etwas größer ist als alles, was wir begreifen können." Man könne dies nicht messen, es sei aber trotzdem spürbar.

In einer von Wirtschaftsinteressen und Ängsten dominierten Gesellschaft würden Menschen gern zu Objekten herabgestuft, kritisierte der Schauspieler. Worte wie "Human Resources" würden geprägt und lösten keinen Shitstorm aus. Derartige Entgleisungen führten irgendwann auch zu einem entgleisten Selbstbild. "Ich glaube zwar nicht an Gott, aber an die Kraft von Aufklärung, Menschlichkeit, Vergebung und Liebe. Und bämm, schon zapfe ich selbst im Netz meines Glaubens." (KNA)