Entscheidend, um Synodalität "auf Dauer stellen" zu können

Stetter-Karp betont Bedeutung von angestrebtem Synodalen Rat

Aktualisiert am 25.04.2022  –  Lesedauer: 
Stetter-Karp betont Bedeutung von angestrebtem Synodalen Rat
Bild: © KNA/Dieter Mayr

Berlin ‐ Im Oktober hatte sich der Synodale Weg für die Einrichtung eines dauerhaften Synodalen Rats ausgesprochen. Jetzt hat ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp das Anliegen bekräftigt. Zugleich äußerte sie sich zu den möglichen Kompetenzen des Gremiums.

  • Teilen:

Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, hat die Bedeutung der vom Synodalen Weg angestrebten Einrichtung eines Synodalen Rats bekräftigt. Es sei "extrem wichtig", die Arbeit des derzeit laufenden Reformprozesses der katholischen Kirche in Deutschland verstetigen zu können, sagte Stetter-Karp in einem am Montag veröffentlichten Interview der "Herder Korrespondenz" (Mai-Ausgabe). Es gebe bei den Beratungen des Synodalen Wegs "kaum ein anderes Einzelthema, das diese Relevanz entfalten kann, weil hier grundständig eine neue Schiene aufgebaut würde". Zwar seien in den Details noch viele Fragen offen, die beraten werden müssten. "Aber es wäre ein entscheidender Schritt, wenn wir das, was wir an Synodalität begonnen haben, auf Dauer stellen könnten. Wir wollen als Laien zusammen mit den Bischöfen die katholische Kirche in Deutschland verantworten. Umgekehrt sollte dasselbe gelten", so die ZdK-Präsidentin.

Die Funktionsfähigkeit eines Synodalen Rats sei vor allem eine Frage der Repräsentativität. "Wie groß muss das Gremium sein, um wirklich entscheiden zu können, und nicht nur einen Raum zur Diskussion zu eröffnen? Auf der anderen Seite steht die Frage: Wie begrenzt muss es sein, um arbeiten zu können? Das ist immer ein Balanceakt", so Stetter-Karp weiter. Die andere Frage sei, wie sich die bisherigen Organe mit verändern müssten. Dies sei vor allem für die Deutsche Bischofskonferenz mit ihrer Vollversammlung und ihrem Ständigen Rat wichtig. "Aber das betrifft natürlich auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Deshalb ist der Punkt, wie beweglich wir sind, wenn wir hier eine neue Struktur schaffen, auch eine Frage an uns selbst", betonte die ZdK-Präsidentin. Am Ende gehe es darum, welche Themen wie in das Gremium delegiert werden könnten, etwa mit Blick auf den Verband der Diözesen Deutschlands. Letztlich sei es dafür aber noch zu früh.

Welche Kompetenzen würde das ZdK an den Synodalen Rat abgeben?

Auf die Frage, welche Kompetenzen das ZdK an einen Synodalen Weg abzugeben bereit wäre, sagte Stetter Karp: "Das ZdK muss vor allem sehr achtsam sein, die gesellschaftspolitischen Fragen nicht wegzudelegieren. Es ist politisch mit Blick auf die Ampel-Regierung wichtig, dass wir da nicht nachlassen." Dafür brauche es das ZdK. In kirchenpolitischen Fragen müsse man künftig schauen, was die mögliche Existenz eines Synodalrats bedeuten werde. Vielleicht würden dort Themen kollegial so bearbeitet, dass das ZdK zu diesen Punkten nicht eine Vielzahl eigener Statements und Beschlüsse brauche. "Aber das muss sich erst erweisen. Wichtiger als alle diese Einzelthemen ist die Haltung: bereit zu sein, auch etwas aufzugeben", so Stetter-Karp.

Im vergangenen Jahr hatten sich die Delegierten des Synodalen Wegs nach kontroverser Debatte grundsätzlich für die Idee der Einrichtung eines Synodalen Rats ausgesprochen. In dem Gremium sollen Bischöfe und Laien gemeinsam die Umsetzung der Ergebnisse des Synodalen Wegs evaluieren und weiterführende Strategien entwickeln. Auf der Vollversammlung des Synodalen Wegs Anfang Oktober stimmten von 212 Delegierten 138 für die Einrichtung eines Synodalen Rats, 32 Teilnehmer votierten dagegen, 9 enthielten sich. Die Vorlage wurde damals nach der Ersten Lesung zur weiteren Bearbeitung in die zuständige Arbeitsgruppe überwiesen.

Der Synodale Rat soll laut Vorschlag zweimal pro Jahr zusammenkommen und zudem Grundsatzentscheidungen zu Haushaltsfragen treffen, die nicht auf Bistumsebene entschieden werden, sowie zu pastoralen Planungs- und Zukunftsperspektiven von überdiözesaner Bedeutung. In der Debatte im Oktober wurden teils Bedenken deutlich, inwieweit ein solcher Synodaler Rat andere Gremium ablösen könnte. Unklar sind unter anderem noch präzise Kompetenzen. Den Vorsitz sollen sich der Vorsitzende der Bischofskonferenz und ein weiteres vom Rat gewähltes Mitglied teilen.

ZdK-Präsidentin: Beim Synodalen Weg weiterhin sehr hohe Risiken

Mit Blick auf den bisherigen Verlauf des Synodalen Wegs insgesamt äußerte sich Stetter-Karp in dem Interview "durchaus zufrieden". Die Risiken seien aber weiterhin sehr hoch: "Es stehen immense Erwartungen im Raum, und die Gefahr der Frustration ist hoch. Deshalb müssen wir mit großer Achtsamkeit in die Vorbereitung des nächsten Plenums gehen." Umso wichtiger seien die guten Abstimmungsergebnisse für den verabschiedeten Orientierungstext und beim Grundlagentext des Forums "Macht und Gewaltenteilung". "Er ist ein besonders wichtiger Text mit Blick darauf, was in der katholischen Kirche noch nachgeholt werden muss", betonte die ZdK-Präsidentin. Im Blick auf die Frage nach der Öffnung aller sakramentalen Ämter für Frauen müsse allen Beteiligten bewusst sein, dass die Kirche in Deutschland hier nur eingeschränkt etwas ändern könne. "Da müssen wir mit Rom ins Gespräch gehen und wollen das auch unbedingt."

Stetter-Karp kündigte an, den Synodalen Weg auch beim Katholikentag in Stuttgart (25. bis 29. Mai) zum Thema zu machen. Es werde zu allen vier Synodalforen "eine Menge Veranstaltungen" geben. "Wir haben die Schwierigkeit, dass wir trotz einer großen Beteiligung der hoch engagierten Delegierten auf dem Synodalen Weg auch auf Skepsis in den Gemeinden treffen, inwieweit die produzierten Papiere am Ende wirklich weiterhelfen", so die ZdK-Präsidentin. Hier gebe es ernst zu nehmende Fragen der Kommunikation. Der Katholikentag müsse als Chance genutzt werden, um die Themen ins Gespräch zu bringen. (stz)