"Ich bin da jetzt vor allem als Bote gefragt"

Woelki will Forderungen nach Reform der Kirche nach Rom tragen

Aktualisiert am 02.05.2022  –  Lesedauer: 

Köln ‐ Katholiken aus dem Erzbistum Köln wollen radikale Reformen der Kirche – dass er nicht mit allem übereinstimme, sei "kein großes Geheimnis", sagte jetzt Kardinal Rainer Maria Woelki. Doch er möchte die Forderungen eins zu eins nach Rom tragen.

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Katholiken im Erzbistum Köln votieren in einer vom Papst angestoßenen Befragung für radikale Reformen in ihrer Kirche. Erzbischof Rainer Maria Woelki lehnte es am Montag vor Journalisten in Köln ab, sich inhaltlich dazu zu äußern. Vielmehr wolle er garantieren, dass die Forderungen eins zu eins weitergegeben werden. "Ich bin da jetzt vor allem als Bote gefragt."

In der Online-Umfrage für die von Papst Franziskus ausgerufene Weltsynode zur Zukunft der Kirche im Oktober 2023 fordert ein Großteil der Teilnehmenden eine demokratische Mitbestimmung der Gläubigen, etwa bei Bischofswahlen. Ämter sollten unabhängig von Geschlecht und sexueller Orientierung besetzt werden. Der Zölibat für Amtsträger solle freiwillig und nicht verpflichtend sein. Homosexuelle Paare müssten sich in der Kirche trauen lassen können und geschiedene Katholiken wieder heiraten dürfen. An der Umfrage "Sag's dem Papst" hatten sich im Februar und März insgesamt 1.728 Personen beteiligt – davon rund 140 in Vertretung einer Gruppe.

Woelki ging auf die Forderungen nicht ein und sagte nur, dass er nicht mit allem übereinstimme. "Das ist kein großes Geheimnis", so der Kardinal. Anliegen des Papstes sei eine offene und angstfreie Rückmeldung des Gottesvolkes. Positiv sei die Auswertung der Umfrage durch eine externe Agentur. Letztlich sei Rom der Ort, an dem über unterschiedliche Auffassungen diskutiert werden müsse.

Erste Pressekonferenz nach Auszeit

Woelki äußerte sich erstmals nach seiner am Aschermittwoch beendeten mehrmonatigen Auszeit wieder in einer Pressekonferenz. Dabei räumte er ein, dass sich in der Umfrage Stimmen fänden, die die Wiederaufnahme seines Dienstes kritisch sähen. Näher ging der Erzbischof darauf nicht ein. Er hatte dem Papst wegen der Querelen um die Missbrauchsaufarbeitung seinen Rücktritt angeboten; eine Entscheidung darüber steht noch aus.

Am Wochenende hatten Woelkis oberstes Beratungsgremium, der Diözesanpastoralrat, und ein Querschnitt von Menschen aus der Erzdiözese im Erzbischöflichen Berufskolleg Köln (EBK) über die Umfrage beraten. Dabei hatten laut Medienberichten drei Kölner Studierende gegen den Kardinal protestiert – anstelle der EBK-Schülervertretung, der dies von der Schulleitung verboten worden sei. Woelki versicherte, davon nichts gewusst zu haben. Er habe aber mit den Studierenden gesprochen.

Der Papst hatte im Oktober einen synodalen Prozess eröffnet, einen mehrstufigen Dialog. Die Ergebnisse der Kölner Umfrage fließen in eine Zusammenfassung der Antworten aus den bundesweit 27 Diözesen ein. Dann folgt ein Prozess auf Kontinentalebene, der in eine Bischofsversammlung 2023 in Rom münden soll. Parallel läuft in Deutschland auch ein von den deutschen Bischöfen und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) ins Leben gerufener Reformprozess, der Synodale Weg. Daran beteiligen sich rund 220 Delegierte. (KNA)