"Für mich ist es bis heute eine Herausforderung"

Weihbischof Theising: Bin nicht der absolute Zölibats-Verteidiger

Aktualisiert am 18.05.2022  –  Lesedauer: 

Cloppenburg ‐ Welche Priester braucht die Kirche? Diese Frage wird nicht nur beim Synodalen Weg diskutiert. Bei einer Podiumsdiskussion hat der Münsteraner Weihbischof Wilfried Theising sich jetzt offen für Lockerungen beim priesterlichen Zölibat gezeigt.

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Der Münsteraner Weihbischof Wilfried Theising kann sich Lockerungen beim Zölibat vorstellen. Er sei "nicht der absolute Verteidiger des Zölibats", sagte der Bischöfliche Offizial des Offizialatsbezirks Oldenburg laut einem Bericht des Internetportals "Kirche+Leben" (Dienstag) bei einer Podiumsdiskussion in der Katholischen Akademie Stapelfeld. "Für mich ist es bis heute eine Herausforderung zu akzeptieren, nicht in einer Beziehung zu leben und vor allem: keine Nachkommen zu haben", bekannte Theising demnach. Gleichzeitig verwahre er sich gegen den Vorwurf, mit dem Zölibat sei "alles Schlechte in die Kirche gekommen".

Angesichts der vielen Singles und Unverheirateten sei dieser Verzicht womöglich "gar nicht so unmodern", so der Weihbischof. Er fragte auch, ob es nicht beides geben könnte, zölibatär lebende und verheiratete Priester. Dass beim Synodalen Weg von Grund auf gefragt werde, ob es Priester brauche, halte er für sinnvoll. "Ich glaube nicht, dass wir am Ende sagen: Wir brauchen keine Priester. Aber die Diskussion darüber kann dazu beitragen, Pries­tersein besser zu verstehen", so Theising, der selbst Mitglied im Priesterforum des Synodalen Wegs ist.

"Ich hatte riesigen Bammel und mächtig Respekt"

Aus seiner Zeit als junger Diakon berichtete Theising, dass viele Dinge erwartet worden wären, die er noch gar nicht konnte. "Predigen zum Beispiel: Was kann ich als 25-Jähriger den Leuten sagen? Ich hatte riesigen Bammel und mächtig Respekt vor dem hohen Anspruch", sagte Theising.

Die Münsteraner Theologin Margret Nemann betonte bei der Podiumsdiskussion, dass sie gerade bei jungen Priestern und Kandidaten eine Tendenz wahrnehme, an alten, klerikalen Rollenbildern festzuhalten. "Diese Haltung der Abschottung ist für eine Kirche, die innerkirchlich und nach außen auf Dialog setzt, sehr gefährlich", warnte sie. Das Standesbewusstsein sei nicht überwunden. Die Kirche betone zurecht die Eucharistie als Quelle und Höhepunkt, es gebe allerdings kaum noch Menschen, die dieser Feier vorstehen könnten. "Wir müssen uns vom rein männlichen und zölibatären Zugangsweg zum Priestertum verabschieden", so die Theologin. (cbr)