Jesus habe keine "Blaupause für die Kirche" vorgelegt

Alt-katholischer Bischof: Frage nach Frauenweihe geschichtlich denken

Aktualisiert am 24.05.2022  –  Lesedauer: 
Matthias Ring im Porträt
Bild: © katholisch.de

Bonn ‐ Für den alt-katholischen Bischof Matthias Ring spricht aus biblischer Sicht nichts gegen die Weihe von Frauen zu Priesterinnen. Er plädiert für eine geschichtsoffene Lesart der Tradition: Jesus habe keine "Blaupause für die Kirche" vorgelegt.

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In der Diskussion um Priesterweihen für Frauen in der römisch-katholischen Kirche hat der alt-katholische Bischof von Deutschland, Matthias Ring, für ein geschichtliches Denken der kirchlichen Traditionen plädiert. Es dürfe nicht so getan werden, "als habe Jesus die Blaupause für die Kirche auf den Tisch gelegt, und da kamen Priesterinnen nicht vor. Priester kamen auch nicht vor", sagte Ring im Interview der "Zeit"-Beilage "Christ und Welt" (Mittwoch). Das Priesteramt habe sich im Laufe der Jahrhunderte erst entwickelt, "und das in einer Kultur, die sich Frauen in Leitungsfunktionen nicht vorstellen konnte."

Auch in der Bibel sehe er nichts, was gegen eine Frauenordination spräche, so Ring weiter. In der alt-katholischen Kirche in Deutschland sei die Priesterweihe für Frauen bereits vor 25 Jahren eingeführt worden, bei den Alt-Katholiken in Polen noch nicht. Die römisch-katholische Kirche habe bei dem Thema hingegen das Problem, dass sie "Pluralität nicht denken" könne, sagte der Bischof. "Themen, die uns Europäer bewegen, bewegen Afrikaner überhaupt nicht. Es müsste möglich sein, zu sagen, in Europa kann es Priester ohne Zölibat geben und Frauen als Priesterinnen." Es müsste weggekommen werden "von der Ewigkeits- und Einheitlichkeitsdoktrin".

Warnung vor "kaltem Schisma" der KirchenaustritteZwar sehe auch er die Gefahr einer weiteren Kirchenspaltung, sollte von Rom aus der Zölibat abgeschafft oder die Frauenweihe ganzheitlich eingeführt werden, erklärte Ring. Doch blieben diese Schritte aus, warnt er vor einem "kalten Schisma" in der Gestalt, dass immer mehr Menschen die römisch-katholische Kirche verließen. "Das ist auch eine Abspaltung, nur scheint sie nicht so dramatisch." Früher habe die alt-katholische Kirche ihre Abspaltung selbst als eine vorübergehende betrachtet, die man aufheben könne, sollten die Beschlüsse der Ersten Vatikanischen Konzils korrigiert werden, sagte Ring zuvor im katholisch.de-Inteview. Inzwischen sei den Alt-Katholiken deutlicher bewusst geworden, dass sie "eine Kirche mit einem eigenen Profil" seien.

Die alt-katholische Kirche in Deutschland entstand in den 1870er Jahren in Abgrenzung zu den Beschlüssen des Ersten Vatikanischen Konzils (1869-1870) zur Unfehlbarkeit und zum Jurisdiktionsprimat des Papstes. Zum deutschen Bistum gehören 60 Pfarrgemeinden. Seit 2009 steht Matthias Ring dem Bistum als 10. Bischof vor. Die Kirchenordnung der alt-katholischen Kirche ist bischöflich-synodal. (mfi/KNA)