Ausländische Priester erhielten Zuflucht bei früherem Adveniat-Geschäftsführer

Bericht: Auslandsbischof Stehle nahm Missbrauchstäter in Bistum auf

Aktualisiert am 14.06.2022  –  Lesedauer: 
Bericht: Auslandsbischof Stehle nahm Missbrauchstäter in Bistum auf
Bild: © KNA

München/Madrid ‐ Hat der frühere Adveniat-Geschäftsführer Emil Stehle Missbrauchspriester gedeckt? Zur Klärung dieser Frage läuft derzeit eine Untersuchung. Nun wurde bekannt, dass er wohl auch als Bischof in Ecuador Täter unterstützte.

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Der frühere Adveniat-Geschäftsführer und Bischof Emil Stehle (1926-2017) soll Missbrauchstäter in seinem Bistum in Ecuador aufgenommen haben. So habe Stehle etwa im Jahr 1990 einen Priester aus dem spanischen Erzbistum Barcelona, gegen den schwere Missbrauchsvorwürfe erhoben wurden, in seiner Diözese Santo Domingo de los Colorados in Ecuador arbeiten lassen und ihn später zu seinem Privatsekretär ernannt. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Recherche des ARD-Politikmagazins "report München" und der spanischen Tageszeitung "El País", die am Dienstagabend als Fernsehbeitrag ausgestrahlt wird und zuvor bereits als Text auf der Nachrichtenseite "tagesschau.de" veröffentlicht wurde. In einem weiteren Fall soll Stehle einen Priester des Erzbistums Cali in Kolumbien in seiner Diözese aufgenommen haben.

Derzeit läuft eine unabhängige Untersuchung zur Zeit Stehles als Adveniat-Geschäftsführer (1977-1988) und Leiter der "Fidei Donum"-Stelle der Deutschen Bischofskonferenz (1972-1984). Der spätere Bischof soll in dieser Funktion Priestern, die in Deutschland mutmaßlich Missbrauch begangen hatten, die Flucht in Länder Lateinamerikas ermöglicht haben. Auf Anfrage von katholisch.de sagte ein Sprecher von Adveniat, dass die Fälle der ausländischen Priester nicht in der Untersuchung vorkommen. Für die Studie würden die Informationen zu den deutschen Fidei-Donum-Priestern ausgewertet. Zumal sei Stehle nach seiner Zeit als Leiter der "Fidei Donum"-Stelle Bischof von Santo Domingo gewesen.

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Die Arbeitsstelle "Fidei Donum" (Geschenk des Glaubens) war für die Koordination der Auslandseinsätze der aus deutschen Bistümern nach Lateinamerika entsandten Geistlichen zuständig. Der lateinische Name bezieht sich auf eine Missionsenzyklika von Papst Pius XII. aus dem Jahr 1957, in der er dazu aufrief, Priester nach Afrika, Asien und Südamerika zu entsenden, um den dortigen Priestermangel zu beheben. Adveniat kündigte im Mai an, dass die Ergebnisse der Untersuchung noch in diesem Jahr veröffentlicht werden. Anschließend würden die Bistümer informiert, denen die betreffenden Priester angehörten, da sich dort die Personalakten befinden würden.

Im vergangenen Jahr waren zudem Missbrauchsvorwürfe gegen Stehle selbst bekanntgeworden. Nach der Vorstellung der Missbrauchsstudie des Bistums Hildesheim hatte sich eine Betroffene bei der Obfrau der verantwortlichen Expertengruppe gemeldet. Bis Februar meldeten sich weitere Betroffene, sodass von fünf Leuten Hinweise auf Missbrauchstaten durch den späteren Bischof vorliegen. Stehle wurde 1926 in Mülhausen im heutigen Baden-Württemberg geboren und 1951 im Erzbistum Freiburg zum Priester geweiht. Er war zunächst in Freiburg und später als Auslandsseelsorger in Kolumbien tätig. Neben seinen Funktionen als Leiter der "Fidei Donum"-Stelle und Adveniat-Geschäftsführer wirkte Stehle ab 1983 parallel als Weihbischof im Erzbistum Quito in Ecuador.

1987 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Bischof der ecuadorianischen Diözese Santo Domingo de los Colorados. Mit Eintritt in den Ruhestand 2002 zog sich Stehle in sein Heimatbistum Freiburg zurück, wo er 2017 nach langer Krankheit starb. Er trug drei Ehrendoktor-Titel, erhielt das Bundesverdienstkreuz und wurde wegen seiner Vermittlung im Bürgerkrieg in El Salvador für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. (rom)