Bistum Münster hat wegen Missbrauchsstudie Gruft vorübergehend gesperrt

Nach Gutachten: Bischofsgräber im Kölner Dom weiter einsehbar

Aktualisiert am 22.06.2022  –  Lesedauer: 

Köln ‐ Das Bistum Münster hat nach Veröffentlichung seiner Missbrauchsstudie die Bischofsgruft im Sankt-Paulus-Dom vorübergehend gesperrt. Warum das Erzbistum Köln nicht den gleichen Weg geht, erklärt Dompropst Guido Assmann.

  • Teilen:

Der Kölner Dom wird dem Vorbild des Münsteraner Doms nicht folgen, wo nach dem Bekanntwerden von Missbrauchsvertuschung der Zugang zu Bischofsgräbern gesperrt ist. "Das Domkapitel vertritt die Meinung, dass sich Geschichte nicht verändern lässt, indem man ihre Spuren beseitigt – also zum Beispiel Verstorbene umbettet oder den Zugang zu Gräbern einschränkt", erklärte der Kölner Dompropst Guido Assmann am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Vielmehr müssen wir uns der Vergangenheit stellen, um aus ihr für die Zukunft zu lernen."

Einige der im Kölner Dom bestatteten Bischöfe hätten sich zu Lebzeiten sehr verdient gemacht, aber auch Fehler und Unrecht begangen, so Assmann. Das Domkapitel habe sich schon in der Vergangenheit gegen bauliche Veränderungen an anderen Orten, jedoch für eine Aufarbeitung historischer Zusammenhänge ausgesprochen. Auch an der Krypta des Domes werde es keine Schließungen oder Veränderungen geben. Die eigentliche Grablege der Erzbischöfe sei ohnehin nicht öffentlich zugängig und die Gräber seien schlicht gehalten, sodass sie "keine Heroisierung der dort Bestatteten fördern", sagte der Dompropst.

Wie der Bischöfe gedenken?

Das Bistum Münster hat nach der Veröffentlichung einer Missbrauchsstudie die Bischofsgruft im Sankt-Paulus-Dom vorübergehend gesperrt. Gemeinsam mit Betroffenen soll nun ein Weg erarbeitet werden, wie der dort beigesetzten Bischöfe Michael Keller (Amtszeit: 1947-1961), Heinrich Tenhumberg (1969-1979) und Reinhard Lettmann (1980-2008) künftig gedacht werden kann. Forschende der Universität Münster werfen ihnen Fehler im Umgang mit Missbrauchstätern unter den Geistlichen sowie eine "klerikale Vertuschungsgeschichte" vor. Die Münsteraner Missbrauchsstudie belastet alle Diözesanbischöfe seit 1945. Erst in der Amtszeit Felix Genns (ab 2009) sei es zu einem Umdenken im Umgang mit sexualisierter Gewalt gekommen, heißt es. Insgesamt wurden 196 Geistliche beschuldigt, davon 183 Priester, ein Diakon und zwölf Ordensbrüder. Die Studie konnte 610 Betroffene ermitteln. Die Forscher vermuten aber ein Dunkelfeld, das acht- bis zehnmal höher liegt.

Im Kölner Dom sind unter anderen Kardinal Joseph Höffner (Amtszeit: 1969-1987) und Kardinal Joachim Meisner (1989-2014) beigesetzt, denen ein juristisches Aufarbeitungsgutachten ebenfalls Fehler im Umgang mit Missbrauch vorhält. Ihre Grablege schließt an die Krypta, einem Raum unter dem Domchor, an. Die Gruft ist durch ein Gitter einsehbar, aber nicht direkt zugänglich. (tmg/KNA)