Reformgruppen sehen Schaden für Marke "Kirche" durch Bischöfe

Australiens Plenarkonzil endet mit Kompromiss bei Frauen-Frage

Aktualisiert am 09.07.2022  –  Lesedauer: 

Sydney ‐ Die Kirche in Australien hat sich mit einem Plenarkonzil auf den Weg zu Reformen begeben. Nun ist die Versammlung mit einem Kompromiss bei der Frage nach Diakoninnen zu Ende gegangen – nachdem die Bischöfe zuvor einen Beschluss verhindert hatten.

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Mit einem Kompromiss über die Rolle von Frauen in der Kirche ist die zweite und letzte Runde des 5. Plenarkonzils der katholischen Kirche Australiens zu Ende gegangen. "Ich würde es nicht einen Kompromiss nennen. Ich würde sagen, die Bischöfe haben ihre Position überdacht", sagte John Warhurst, Vorsitzender der Reformgruppe "Concerned Catholics" und Teilnehmer der Kirchenversammlung, am Samstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Sydney.

Am Mittwoch hatten die Bischöfe mehrheitlich einen Antrag für eine stärkere Einbeziehung von Frauen und die Zulassung von Frauen zum Diakonat überstimmt. Die weiblichen Delegierten zeigten sich schockiert und organisierten einen Protest. Das Votum der Bischöfe machte weltweit Schlagzeilen. "Das war und ist ein schwerer Schaden für die Marke "Kirche", so Warhurst.

Am Freitag stimmten die Bischöfe einem überarbeiteten Papier zu. Darin heißt es, sollte der Vatikan den Weg für Diakonninen frei machen, dann sollten die australischen Bischöfe die bestmögliche Umsetzung prüfen. "Das Ergebnis ist noch keine starke Unterstützung für weibliche Diakone und spiegelt nicht die Ansicht vieler australischer Katholiken wider, dass sich ihre Bischöfe im Vatikan aktiv dafür einsetzen sollten, die Rolle der Frau zu fördern", sagte Warhurst.

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Als Gremium zur Umsetzung der Beschlüsse des Plenarkonzils soll neben der Bischofskonferenz ein "Nationaler synodaler runder Tisch" geschaffen werden. Weder sei aber die genaue Rolle dieses Gremiums "klar definiert" noch ein Zeitplan zur Schaffung des runden Tisches vereinbart worden, beklagt Warhurst. "Ein Erzbischof hat heute schon angeregt, die Umsetzung sollte besser der Bischofskonferenz und ihren Kommissionen überlassen werden als dem neuen Gremium, dem sie selbst gerade zugestimmt haben", berichtet der Reformkatholik.

Insgesamt haben die Bischöfe nach seinen Worten im Plenarkonzil "deutlich gezeigt, wie groß die Kluft zwischen ihr und der gesellschaftlichen Realität ist". Neben dem Frauenthema habe sie keine klaren Worte zum Umgang mit LGBTIQA+ gefunden, nichts zum Thema wiederverheiratete Geschieden oder zu den Finanzen der Kirche gesagt. Das sei vor allem auch vor dem Hintergrund der kurz vor dem Plenarkonzil veröffentlichten Daten der Volkszählungen über den anhaltenden Niedergang der Kirchen verwunderlich.

Unzufrieden zeigte sich Warhurst auch über einen Mangel an Transparenz in der von den Bischöfen dominierten Versammlung. Als ein Beispiel nannte er den Umgang mit dem Frauenthema. "Das Fehlen einer individuellen oder kollektiven Erklärung der nicht identifizierten Bischöfe, die sich anfänglich gegen eine Änderung ausgesprochen hatten, unterstreicht die Notwendigkeit von mehr Transparenz."

Die Traditionalisten und Reformer seien sich einig, dass sich die australische Kirche vor allem wegen des Umgangs mit Frauen und durch den Missbrauchsskandal in der Krise befinde, so Warhurst. Es gebe aber keine Einigkeit über Lösungswege. Die Auswirkungen des Plenarkonzils würden sich erst in einigen Jahren zeigen, so der Reformkatholik: "Der Erfolg hängt davon ab, wie die in der Versammlung zu spürende neue Energie in den Gemeinden kommuniziert wird." (KNA)