Beirats-Sprecher: Wäre ein starkes Zeichen

Missbrauchsbetroffene für "Bußreise" des Papstes nach Deutschland

Aktualisiert am 28.07.2022  –  Lesedauer: 

Köln ‐ Für Papst Franziskus ist sein Kanada-Besuch eine "Bußreise". Eine solche wünschen sich Missbrauchsbetroffene auch in Deutschland, betont Sprecher Johannes Norpoth – und äußert dabei Unverständnis für das Vatikan-Schreiben zum Synodalen Weg.

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Mit Blick auf den Kanada-Besuch von Papst Franziskus spricht sich ein Vertreter von Missbrauchsbetroffenen für eine ähnliche "Bußreise" des Kirchenoberhaupts nach Deutschland aus. Solch eine Visite wäre ein "sehr deutliches und starkes Zeichen", sagte der Sprecher des Betroffenenbeirats bei der Deutschen Bischofskonferenz, Johannes Norpoth, dem Kölner Online-Portal domradio.de am Donnerstag. "In Deutschland würde er auf Betroffene treffen, die sich sehr intensiv um wirklich transparente Aufarbeitung, aber auch um Lösungen der systemischen Probleme kümmern möchten und wollen und auch dafür seine Unterstützung benötigen", so der Sprecher.

Norpoth äußerte Unverständnis darüber, dass einerseits der Papst Gewaltopfer der Kirche in Kanada um Vergebung bittet und andererseits aus dem Vatikan eine Mitteilung zum Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland – dem Synodalen Weg – kommt, die als "Basta" verstanden werden könne. Der Synodale Weg behandele die systemischen Ursachen von sexualisierter Gewalt, erklärte Norpoth.

Vatikan-Schreiben warnt vor Alleingängen

Vergangene Woche hatte der Vatikan in einer Erklärung die Katholiken in Deutschland vor Alleingängen bei Kirchenreformen gewarnt. Darin hieß es, der Synodale Weg sei "nicht befugt, die Bischöfe und die Gläubigen zur Annahme neuer Formen der Leitung und neuer Ausrichtungen der Lehre und der Moral zu verpflichten".

Franziskus hatte während seiner Kanada-Reise dortige Indigene um Entschuldigung für das Unrecht an staatlich errichteten und von Kirchen betriebenen Internaten gebeten. In den Einrichtungen sollten Kinder indigener Familien zur Kultur der europäischen Einwanderer umerzogen werden. Viele der Mädchen und Jungen starben an den Folgen von Vernachlässigung, Misshandlung, Missbrauch und Krankheiten. (KNA)