Standpunkt

Die Kirchensteuer ist besser als ihr Ruf

Aktualisiert am 19.08.2022  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Die hohe Summe der PR-Beratung für Kardinal Woelki wirft ein ungünstiges Licht auf den Umgang der katholischen Kirche mit Geld, meint Christof Haverkamp. Dennoch glaubt er: Das System der deutschen Kirchensteuer hat sich bewährt.

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820.000 Euro, so das Erzbistum Köln, sind für die Kommunikationsberatung des in eine Vertrauenskrise geratenen Kardinals Rainer Maria Woelki gezahlt worden. Eine erstaunlich hohe Summe, die zwar nicht aus Kirchensteuermitteln geflossen ist, aber zu zwei Fragen führt: Wie sorgfältig geht die Kirche mit ihrem Geld um – und wer kontrolliert die Ausgaben? Werden staatliche Gelder verschwendet, informieren darüber der Bundesrechnungshof, die Landesrechnungshöfe oder der Bund der Steuerzahler. Vergleichbares fehlt leider in der Kirche, und fragwürdige Ausgaben wie im Erzbistum Köln verpassen der Kirchensteuer einen schlechten Ruf. Darunter leiden auch die übrigen deutschen Bistümer.

Daher verwundert es nicht, dass 67 Prozent der Bundesbürger in einer Umfrage die Abschaffung der Kirchensteuer befürwortet haben. Doch so schlecht ist sie nicht. Sparsam und verantwortungsvoll eingesetzt, leisten die Mittel gute Dienste, die der ganzen Gesellschaft zu Gute kommen. Manche atheistischen Gegner der Kirchensteuer, die ihre Abschaffung oder das Ende des staatlichen Einzugs fordern, äußern sich meinungsstark, doch nicht immer faktengesättigt. So wissen nur wenige, dass sich der Staat den Einzug der Kirchensteuer als Dienstleistung bezahlen lässt, was dazu führt, dass die staatliche Finanzverwaltung zumindest ein wenig refinanziert wird. Dieses Modell bietet für Staat und Kirche Vorteile.

Längst nicht alle deutschen Bistümer sind reich, aber reich an Aufgaben. Dank der Kirchensteuer können Caritas und Kirchengemeinden schnelle, unbürokratische Hilfe für Flüchtlinge und Obdachlose leisten. Die Seelsorge und Kulturleistungen werden so finanziert und zu Einrichtungen wie Beratungsstellen, Schulen, Kindertagesstätten oder der Bahnhofsmission leisten die Kirchen einen ansehnlichen Anteil. Regelmäßige Einnahmen bieten dafür Planungssicherheit. Das wäre bei Spenden nicht gegeben, die überdies bei  Großsponsoren zu Abhängigkeit führen könnten. Kurz: Das System der Kirchensteuer hat sich bewährt. Die Kontrolle kann allerdings verbessert werden, und die Transparenz bei den Ausgaben ebenso.

Von Christof Haverkamp

Der Autor

Christof Haverkamp ist Pressesprecher und Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der katholischen Kirche in Bremen und Senderbeauftragter der katholischen Kirche bei Radio Bremen.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.