Standpunkt

Wir brauchen mehr Papstwähler, nicht weniger!

Aktualisiert am 02.09.2022  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Von dem Vorschlag von Kardinal Brandmüller, nur noch römische Kardinäle den Papst wählen zu lassen, hält Gabriele Höfling wenig. Denn so würde nur die Macht der Kurie gestärkt und die Weltkirche nicht repräsentiert. Sie hat einen anderen Vorschlag.

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Nach dem jüngsten Konsistorium hat der emeritierte Kurienkardinal Walter Brandmüller seine schon früher geäußerte Forderung nach einer Reform der Papstwahl bekräftigt. Während dem Anliegen grundsätzlich zuzustimmen ist, wirkt der konkrete Vorschlag Brandmüllers befremdlich: Geht es nach ihm, sollen statt des ganzen Kardinalskollegiums künftig nur noch die in Rom residierenden Kardinäle den Pontifex wählen. Das wäre nur noch ein kleinerer Teil der bisher Wahlberechtigten (aktuell 132). Diese kurienzentrierte Sicht Brandmüllers auf das Konklave ist in mehrerer Hinsicht problematisch.

Zwar ist die Kirche keine Demokratie. Trotzdem macht es Sinn, die Papstwahl wenigstens zu einem gewissen Grad an das Kirchenvolk rückzukoppeln. Das wäre nach dem Vorschlag des Kardinals noch weniger gegeben als bisher. Der Papst ist sozusagen der absolute Monarch der Weltkirche, aber die wäre bei seiner Wahl überhaupt nicht mehr repräsentiert. Während Gläubige überall auf der Welt regelmäßig in Gottesdiensten für den Papst beten, würde der ohnehin sehr ausgesuchte Club seiner Wähler auf wenige römische Verwaltungsleiter reduziert. Damit würde die Rückbindung an die unterschiedlichen Lebensrealitäten auf der Welt fehlen, gleichzeitig wäre die Macht der Kurie gestärkt – und das stünde in einem merkwürdigen Kontrast zu Franziskus‘ Bemühungen um mehr Synodalität und Eigenständigkeit der Weltkirche.

Auch aus theologischer Sicht ist Brandmüllers Vorschlag problematisch. Er begründet seinen Vorstoß damit, dass nicht in Rom residierende Kardinäle "keine Erfahrung mit der Kurie" und so auch der Verwaltung der Weltkirche hätten. In einer Papstwahl soll aber nicht der beste Verwalter des römischen Kurienapparats bestimmt werden, sondern der beste Stellvertreter Christi auf Erden.

Doch in einem Punkt hat Brandmüller – wie gesagt – Recht. Eine Reform täte der Papstwahl gut. Aber die müsste in die entgegengesetzte Richtung weisen: zu mehr Demokratie und nicht weniger. Wie wäre es, den Vorsitzenden der Bischofskonferenzen beim Konklave ein Stimmrecht zu geben? Dann würden gewählte Vertreter nahezu des ganzen weltkirchlichen Bischofskollegiums den Papst wählen. Das wäre ein großer Fortschritt. Wer weiß, vielleicht wird ja auch irgendwann mal das Kirchenvolk in die Papstwahl einbezogen – und dann bitte die Frauen nicht vergessen.

Von Gabriele Höfling

Die Autorin

Gabriele Höfling ist Redakteurin bei der Katholischen Nachrichten-Agentur und bei katholisch.de.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.