Standpunkt

Der Synodale Weg ist bereits ein Erfolg – und wird dennoch enttäuschen

Aktualisiert am 08.09.2022  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Der Synodale Weg befindet sich auf der Zielgeraden – denn heute beginnt die vorletzte Synodalversammlung. Roland Müller ist bereits jetzt davon überzeugt, dass der Reformprozess ein Erfolg ist. Enttäuschungen seien dennoch vorprogrammiert.

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Heute beginnt die vierte Plenarversammlung des Synodalen Wegs in Frankfurt. Der Reformprozess der Kirche in Deutschland biegt damit auf die Zielgerade ein, denn das Treffen der 230 Delegierten ist das letzte vor der fünften Synodalversammlung, die am Ende des Synodalen Wegs stehen wird. Auch wenn noch viel Arbeit, lange Diskussionen und zahlreiche Abstimmungen vor den Synodalen liegen, ist schon jetzt klar: der Synodale Weg ist ein Erfolg.

Dabei kommt es nicht auf die konkreten Beschlüsse der Beratungen an, denn der Erfolg des Reformprojekts besteht vor allem darin, dass sich Vertreter der unterschiedlichen Lager in der Kirche an einen Tisch gesetzt haben: Bewahrer und Reformer, Bischöfe und Laien, Männer und Frauen. Das ist angesichts des teilweise aggressiven Umgangs miteinander, der inzwischen auch in der Kirche Einzug gehalten hat, mehr als bemerkenswert. So spricht etwa der Vatikan-Experte Marco Politi von einem "schwelenden Untergrund-Bürgerkrieg" in der Kirche. Und auch ein Blick auf andere Ortskirchen wie etwa in den USA zeigt: Dort sind die verschiedenen kirchlichen Gruppen derart weit voneinander entfernt, dass ein Projekt wie der Synodale Weg wohl nicht möglich gewesen wäre.

Erste konkrete Früchte des Synodalen Wegs zeigen sich derweil in Paderborn: Dort können 14 Laien nun dabei mitwirken, einen neuen Erzbischof zu bestellen. Zwar ist noch nicht sicher, ob sie auch an der eigentlichen Wahl durch das Domkapitel mitwirken können, doch das Erzbistum hat sich um eine Genehmigung dafür im Vatikan bemüht. Daran lässt sich aber auch ablesen, warum der Synodale Weg für viele Gläubige eine echte Enttäuschung sein wird: Große und lange erhoffte Veränderungen wie die Frauenweihe oder die Aufhebung des verbindlichen Zölibats der Priester wird der Reformprozess nicht auf Anhieb bringen. Zwar war er auch nie darauf ausgelegt, aber dennoch hatte sich diese Erwartung der Veränderung mit Blick auf den Synodalen Weg aufgebaut.

Bleibt die Hoffnung, dass der Geist der Synodalität, der bei den Versammlungen und in den Foren des Synodalen Wegs zu spüren war und ist, in der Zukunft zu tiefgreifenden Veränderungen führt – so wie sie schon ganz persönlich bei Bischof Helmut Dieser angeklungen sind, der seine Haltung zur Homosexualität geändert hat. Oder in Synodalforen, in denen die Teilnehmer trotz ihrer konträren Ansichten ein wertschätzendes Gesprächsklima vorgefunden haben. Dieses Zueinanderfinden über die ideologischen Gräben innerhalb der Kirche hinweg kann bislang wohl als größter Erfolg des Synodalen Wegs gelten.

Von Roland Müller

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.