Beschimpfungen "unjesuanisch und unchristlich"

Erfurter Dekan verteidigt Julia Knop gegen "kath.net"-Polemik

Aktualisiert am 14.09.2022  –  Lesedauer: 

Erfurt ‐ Nach einem Interview wurde Julia Knop auf einem umstrittenen Linzer Privatportal übel beschimpft. Der Dekan ihrer Erfurter Fakultät will das nicht so stehen lassen: Er nimmt seine Kollegin in Schutz und weist die Anwürfe deutlich zurück.

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Der Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät Erfurt, Jörg Seiler, weist die Beschimpfungen des Portals "kath.net" gegen die Dogmatikerin Julia Knop als "vollständig unjesuanisch und auch ganz und gar unchristlich" zurück. Der Kirchenhistoriker reagierte am Mittwoch auf eine durch den Chefredakteur des Portals, Roland Noé, publizierte Polemik gegen die Erfurter Professorin aufgrund ihrer Positionen zum Synodalen Weg. Noé hatte Knop unter anderem als "No-Name-Dogmatikerin" bezeichnet und von "peinlichem Gender-Geplappere" geschrieben.

Die rhetorische Frage, ob es "noch wirrer" gehe, wies Seiler zurück: "Mit einer solchen Unterstellung wird jedoch nur das sichtbar, dass man selbst nicht bereit, willens oder ausgewiesen ist, auf irgendein Argument qualifiziert einzugehen." Derartige Angriffe auf Persönlichkeit, Persönlichkeitsrechte und Personen mögen zwar nicht rechtlich sanktionierbar sein, sie offenbarten aber "eine sittliche und geistliche Rohheit".

Die Aufforderung, eine "Sekte" zu gründen, dokumentiere, "wie wenig Ambiguitätstoleranz sich in Teilen der katholischen Kirche breit gemacht hat, denen weder Kollegin Knop noch andere jemals anraten, nicht mehr Teil dieser Kirche sein zu sollen". Wer unautorisiert auf diese Weise "exkommuniziere", erkenne "nicht die Weite, Tiefe und Reichhaltigkeit einer Kirche, die dem Willen ihres Gründers nach und gemäß ihrer Offenbarungstexte durchaus vielstimmig sein soll und muss (und nicht nur: kann)", so der Kirchenhistoriker weiter.

Diffamierungen demaskieren

Seiler bekräftigte, dass eine Diskussion über Positionen selbstverständlich sei und auch entschieden und heftig geführt werde. "Hier positioniert sich Kollegin Knop zurecht und mit demselben Anspruch auf Gehör und diskursiver Anerkennung wie es etwa auch Bischöfe tun oder wie es jeder und jede Einzelne tun könnte, der und die eine Überzeugung hat, die sich zu Wort meldet", ergänzte der Dekan. Diffamierung und Sarkasmus seien fehl am Platz. Diffamierungen würden Unsicherheit, Hass und Zorn demaskieren. "Es gibt, auch jenseits von Kirche und Theologie, einen Umgang miteinander, der respektvoll zu sein hat. Jemandem etwas zutiefst Eigenes abzusprechen (etwa Katholizität und Kirchlichkeit), ist – ganz und gar schlicht gesagt – nicht in Ordnung! Hier sage ich eindeutig und entschieden: Stopp!", betonte der Kirchenhistoriker.

Knop hatte am Montag in einem Interview mit dem von Noé als "Los-von-Rom"-Radio bezeichneten Kölner "Domradio" das Scheitern des Grundsatzpapiers zur Sexualethik bei der vierten Synodalversammlung des Synodalen Wegs bedauert. Die Ablehnung bezeichnete sie darin als machtpolitisches Problem: "Die Verhinderer, die notorischen Neinsager, wollten mal zeigen, wo der Hammer hängt und welche Macht sie haben." Der Schockeffekt sei aber lehrreich gewesen: "Sehr deutlich wurde, dass die sogenannten Lai:innen die Bischöfe fordern, dass sie sagen: Damit kommt ihr nicht davon, ihr müsst euch mindestens erklären." Es gehe nicht an, dass Texte nicht gelesen werden und am Ende einfach nur ein Nein stehe, so die Dogmatikerin, die auch Mitglied der Synodalversammlung und des Synodalforums "Macht und Gewaltenteilung in der Kirche" ist.

Das 1999 gegründete Portal erscheint in Linz. Es arbeitet nicht im Auftrag der Österreichischen Bischofskonferenz oder anderer kirchlichen Stellen, sondern wird privat finanziert. Immer wieder kommt es durch seine Redaktionslinie in die Kritik. So führte etwa 2018 ein Gastbeitrag des emeritierten Salzburger Weihbischofs Andreas Laun, in dem die Segnung für homosexuelle Paare mit einer Segnung für Konzentrationslager, Bordelle oder die Mafia verglichen wurde, zu deutlichen Distanzierungen des Wiener Kardinals Christoph Schönborn und des Salzburger Erzbischofs Franz Lackner. Bereits 2015 hatte sich der Passauer Bischof Stefan Oster kritisch zu "kath.net" geäußert. Er tue sich schwer mit der seiner Ansicht nach "zunehmend tendenziösen Berichterstattung". Dadurch werde die Polarisierung von Bischöfen, Priestern, Theologen "in klar identifizierbare Lager vorangetrieben". Die Redaktion tue "zu wenig, um wirklich auch differenzierte Positionen hören und verstehen zu wollen". In der Beurteilung der Glaubensüberzeugungen anderer sei vieles "weniger klar als es kath.net und seine Autoren nach meiner Wahrnehmung allzu häufig unterstellen", so der Bischof weiter. (fxn)