Vorwürfe richten sich gegen die Vertretungen in Kenia und Nigeria

Missio wirft deutschen Botschaften Diskriminierung von Afrikanern vor

Aktualisiert am 19.09.2022  –  Lesedauer: 

Aachen/Berlin ‐ Verweigern deutsche Botschaften jungen Afrikanern absichtlich Visa für Deutschland? Diesen Vorwurf hat jetzt das katholische Hilfswerk missio Aachen erhoben – und schildert konkrete Vorfälle aus Kenia und Nigeria.

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Das katholische Hilfswerk missio Aachen wirft den deutschen Botschaften in Kenia und Nigeria vor, junge Afrikanerinnen und Afrikaner bei der Visavergabe für kirchliche Jugendaustauschprojekte zu diskriminieren. "Wir haben kirchlich engagierte junge Menschen aus diesen Ländern nach Deutschland eingeladen. Während Visa für Ältere erteilt werden, trifft es immer die jungen Leute. Ihnen wird, weil sie jung sind, pauschal eine fehlende Rückkehrbereitschaft unterstellt", sagte missio-Präsident Dirk Bingener am Montag in Aachen.

Die Vorgehensweise der Botschaften variiere, erläuterte der Geistliche: "Mal gibt es erst gar keinen Termin bei der Botschaft, die Echtheit der Dokumente wird angezweifelt, man verlangt immer weitere Dokumente oder der Ermessensspielraum des jeweiligen Botschaftsmitarbeiters wird angeführt." Im Ergebnis bekämen die Betroffenen nie ein Visa, obwohl alle notwendigen Garantien aus Deutschland vorlägen. "Diese Schikanen, diese diskriminierende Praxis aufgrund des Lebensalters muss endlich aufhören", forderte Bingener. Das Auswärtige Amt und an seiner Spitze Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) seien hier in der Pflicht.

Junge Ehrenamtliche von kenianischem missio-Partner betroffen

Laut missio waren von der Praxis der Botschaften im vergangenen Jahr Jugendliche aus einem missio-Partnerprojekt in Nigeria betroffen, in diesem Jahr treffe es junge Menschen des kenianischen missio-Partners YOUNIB, der katholische Jugendsozialarbeit in den Armenvierteln von Nairobi betreibe. Die in dem Projekt engagierten Ehrenamtlichen sollten nach Angaben des Hilfswerks zum bevorstehenden "Monat der Weltmission" nach Deutschland kommen und mit Mitgliedern der missio-Jugendinitiative #strongbymissio über soziale Gerechtigkeit, Jugendsozialarbeit, demokratische Bildungsarbeit und ihren Glauben ins Gespräch kommen.

Bild: ©KNA/Julia Steinbrecht

"Diese Schikanen, diese diskriminierende Praxis aufgrund des Lebensalters muss endlich aufhören", fordert missio-Präsident Dirk Bingener.

"Ich bin zutiefst traurig und untröstlich. Monatelang haben wir die Begegnung vorbereitet. Wir haben alle Anforderungen des Visaprozesses erfüllt. Trotzdem wurden sie abgelehnt, das ist eine große Ungerechtigkeit", zitierte missio am Montag die 22-jährige Gloria Munyiva Wambua. Und weiter: "Wir wollen ein starkes, modernes Kenia aufbauen. Wir wollen bei uns Zusammenarbeit, Heilung, Vergebung und Hoffnung fördern, damit sich alle für das Gemeinwohl einsetzen. Deshalb wäre die Erfahrung des Jugendaustausches mit Deutschland für unsere jungen Menschen aus den Slums in Nairobi so wichtig. Wir wollten in Deutschland voneinander lernen und unsere Erfahrungen teilen."

Betroffene: Die Verweigerung der Visa tut mir im Herzen richtig weh

Junge Afrikanerinnen und Afrikaner litten bis heute unter den kolonialen Schrecken der Vergangenheit. "In einer Zeit, in der die Begegnung mit anderen Kulturen beispielsweise in Deutschland diese Wunde heilen könnte, hat die Ablehnung der Visa diese Wunde aber bei mir verschlimmert und sie ist neu aufgebrochen", so Wambua weiter. Sie könne nicht verstehen, dass junge Menschen aus Deutschland in diesem Jahr problemlos Nairobi besuchen könnten, Reisen in die andere Richtung aber nicht möglich sein. "Diese Verweigerung der Visa tut mir im Herzen richtig weh. Vielleicht aber ändern die deutschen Behörden doch noch ihre Vorgehensweise", sagte die 22-Jährige.

missio betonte, dass man die "jetzt mehrmals gemachte Erfahrung mit deutschen Botschaften im Globalen Süden" mit anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen in Deutschland teile. Selbst nach dem Regierungswechsel im vergangenen Jahr habe sich an der Praxis der Botschaften offenbar nichts geändert – auch wenn in der Vergangenheit von Bündnis 90/Die Grünen genau diese Praxis kritisiert worden sei. "Angesichts der Notwendigkeit des Austauschs in dieser unfriedvollen Zeit können wir es uns schlicht nicht mehr leisten, die internationale Begegnung junger Menschen, die sich für eine bessere Welt einsetzen, staatlich zu verhindern", betonte missio-Präsident Bingener. (stz)