Bonner Stadtdechant warnt vor verheerenden Konsequenzen eines Konflikts

Picken zu KHKT: Woelki muss Forderungen der NRW-Regierung umsetzen

Aktualisiert am 23.09.2022  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Der Bonner Stadtdechant Wolfgang Picken teilt die Auffassung der NRW-Regierung zur Priesterausbildung an der Kölner Theologie-Hochschule. Komme Kardinal Woelki der Aufforderung der Kultusministerin nicht nach, drohe ein großer Konflikt, warnt er.

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Nach dem Bericht des nordrhein-westfälischen Kultusministeriums zur Priesterausbildung im Erzbistum Köln fordert der Bonner Stadtdechant Wolfgang Picken Kardinal Rainer Maria Woelki auf, die Forderungen der Landesregierung umzusetzen. Der Kardinal müsse jetzt dafür Sorge tragen, dass alle Priesteramtskandidaten, nicht nur die Erstsemester, in der Regel in Bonn studieren, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Stellungnahme Pickens. Anderenfalls riskiere das Erzbistum Köln einen Konflikt zwischen Staat und Kirche, wie es ihn seit dem Zweiten Weltkrieg nicht gegeben habe. Das könnte verheerende Konsequenzen nach sich ziehen, warnte der Bonner Stadtdechant.

NRW-Wissenschaftsministerin Ina Brandes (CDU) hatte kürzlich erklärt, die von Woelki geförderte Kölner Hochschule für Katholische Theologie (KHKT) sei aufgefordert worden, allen nach dem Wintersemester 2019/2020 eingeschriebenen angehenden Priestern einen Wechsel an die Universität Bonn nahezulegen. Ansonsten könne ein Vertragsverletzungsverfahren zum Preußenkonkordat beim Vatikan eingeleitet werden. Woelki hatte zuvor bereits erklärt, dass Priesteramtskandidaten der Erzdiözese zum kommenden Wintersemester ihr Studium in Bonn beginnen. Stadtdechant Picken kritisierte die Errichtung der KHKT bereits mehrfach.

Drängen der Ministerin nachvollziehbar

In der aktuellen Lage zeige sich ein "Kommunikationsdefizit", erklärte Picken. "Man hätte die Planungen zur universitären Priesterausbildung mit der Landesregierung abgleichen und auch mit den Gremien des Erzbistums beraten sollen." Dass die Ministerin auf die Einhaltung des Konkordats drängt, sei nachvollziehbar. Solche Verträge seien für beide Seiten bindend. "Hier kosten sie den Staat enormes Geld." Das Land unterhalte eine theologische Fakultät in Bonn mit rund 12 Millionen Euro Kosten jährlich, damit dort die Priesterausbildung stattfinden könne. "Das wäre finanziell unverantwortlich, wenn die Ausbildung faktisch nach Köln verlagert würde", so Picken. 

Bei der Auslegung des Konkordats teile er die Einschätzung des Ministeriums. Diese werde auch von vielen Kirchen- und Staatsrechtlern, beispielsweise Josef Isensee, vertreten, betonte Picken. "Es bleibt offen, ob und wofür es diese Hochschule braucht und ob das Erzbistum Köln sie sich finanziell leisten kann. Ich für meinen Teil finde wie viele andere die Kölner Hochschule nach Abwägung aller Argumente unnötig."

Der Freiburger Kirchenrechtler Georg Bier hatte in einem Interview mit katholisch.de erklärt, dass er durch die wissenschaftliche Ausbildung von Kölner Priesteramtskandidaten an der KHKT keinen Bruch des Preußenkonkordats sehe. Dennoch seien derartige Hochschulgründungen ein falsches Signal der Kirche an die Politik. "Wenn die Bischöfe darauf bestehen, ihr eigenes Ausbildungssüppchen zu kochen, dann gefährden sie nicht nur den Bestand der Katholisch-Theologischen Fakultäten und begünstigen mittelfristig deren Abschaffung. Sie forcieren damit auch das Verschwinden der Theologie aus dem wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurs", so Bier. (mal)