"Pro concilio" hatte Brief wegen Aussagen zum Synodalen Weg geschrieben

Kardinal Kasper weist Kritik von Reforminitiative zurück

Aktualisiert am 21.10.2022  –  Lesedauer: 

Rom ‐ Eine Reforminitiative hatte Kardinal Walter Kasper für dessen Aussagen zum Synodalen Weg kritisiert. Nun reagiert er darauf: Manche Reformvorschläge halte er für begrüßenswert, andere dagegen "gar für schädliche und tödliche Medizin".

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Kardinal Walter Kasper hat auf den Offenen Brief der Reforminitiative "Pro concilio" reagiert und die Kritik an seinen jüngsten Aussagen zum Synodalen Weg zurückgewiesen. Auch ihm lägen "tiefgreifende Reformen unserer Kirche sehr am Herzen", schreibt Kasper in seiner Antwort an "Pro concilio", die katholisch.de vorliegt. Richtige Reformen zur rechten Zeit begrüße er. "Manche Reformvorschläge des Synodalen Wegs halte ich für vernünftig und für begrüßenswert, andere dagegen angesichts der Probleme bestenfalls für ein Placebo oder gar für schädliche und tödliche Medizin", so der Kardinal. Der ehemalige Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen gehört zu den deutlichen Kritikern des Synodalen Wegs. Bereits häufiger hatte er betont, dass Reformen zwar nötig seien, die Kirche aber nicht beliebig veränderbar sei.

Die im Bistum Rottenburg-Stuttgart beheimatete Initiative "Pro Concilio – Konzil von unten" hatte Kardinal Kasper geschrieben, dass sie dessen "pauschale abwertende Äußerungen" zum Synodalen Weg "mit großer Betroffenheit" zur Kenntnis genommen habe. In einem vergangene Woche anlässlich des 60. Jahrestags der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils veröffentlichten Interview mit der Zeitschrift "Communio" hatte Kasper erklärt, dass die katholische Kirche nur dann Zukunft haben könne, "wenn sie auf dem vom II. Vatikanum eingeschlagenen Weg weitergeht, nicht buchhalterisch, sondern in schöpferischer Treue und in synodaler Weggemeinschaft, im gemeinsamen Hören auf Gottes Wort und im Hören aufeinander". Das sei dem Synodalen Weg aber misslungen: "Er hat bei mir und vielen anderen den Eindruck erweckt, er könne und müsse die Kirche sozusagen neu erfinden und dabei seine eigene Agenda durchdrücken."

Synodalen Weg nicht zu "Superlehramt" machen

"Pro concilio" fragte Kasper unter anderem, wie es sein könne, "dass Sie sich angesichts der beeindruckenden theologischen Sorgfalt, mit der sämtliche Beschlüsse vorbereitet wurden, und der großen Ernsthaftigkeit, mit der in den Konferenzen, Foren und Versammlungen diskutiert wurde, ein solches Urteil erlauben“. Kasper dazu wörtlich: "Ich benötige dazu keinerlei Erlaubnis. Ich habe von der christlichen Freiheit Gebrauch gemacht, die so wie Ihnen auch mir zukommt." Und weiter: "Wenn Sie sich erlauben, sich kritisch gegenüber dem kirchlichen Lehramt zu äußern, dann sollten Sie den Synodalen Weg nicht zu einem Superlehramt machen, bei dem jede Kritik ausgeschlossen ist." Synodale Prozesse lebten von einem konstruktiven kritischen Austausch unterschiedlicher Meinungen. "Wenn Sie einen solchen konstruktiv kritischen Austausch ausschließen, dann ist jeder synodale Weg noch bevor er begonnen hat tot."

Er kenne einige hoch angesehene Theologinnen und Theologen, so Kasper weiter, die dem Urteil der Reforminitiative, dass die Dokumente des Synodalen Wegs sorgfältig vorbereitet und ausgearbeitet worden seien, nicht zustimmen. "Über die Fairness bei den synodalen Beratungen sind mir zudem viele eher kritische Urteile zugegangen, die mich nachdenklich gemacht haben." Er wisse aus langjähriger pastoraler Erfahrung um die aktuelle Situation der Kirche. Beim Lesen des Schreibens von "Pro concilio" habe er den Eindruck, dass es in einer "innerkirchlichen Echokammer" entstanden sei. "Der Stuttgarter Katholikentag und der Michaelsempfang in Berlin sollten doch signalisiert haben: Die Menschen kommen auch deswegen nicht mehr, weil sie sich von einer synodal nur noch um sich selbst rotierenden Kirche nichts mehr erwarten." Bei beiden Veranstaltungen hatten zuletzt weniger hochrangige Vertreter aus Politik und Gesellschaft als in früheren Jahren teilgenommen.

Den Untergang der Kirche fürchte er nicht, betonte Kasper. Der Fels, auf dem die Kirche gebaut ist, sei Jesus Christus. "Das Konzil, das vor 60 Jahren begann, hat auf diesen Felsen gebaut, auf dem allein wir heute weiterbauen können." Er frage sich, ob die Kritiker die Konzilsdokumente wirklich gelesen und studiert hätten oder lieber "auf den Sand von Wanderdünen" bauten. "Wenn ja, dann hat uns Jesus am Schluss der Bergpredigt das Ergebnis unmissverständlich vorausgesagt. Es bleibt dann, wenn der Sturm kommt, ein großer Scherbenhaufen." Diesen fürchte er mehr, so der Kardinal. (mal)