DBK und EKD rufen zum stärkeren Einsatz für die Armen auf

Gemeinsamer Kirchen-Appell an G7-Gipfel

Aktualisiert am 04.06.2015  –  Lesedauer: 
Der Münchner Kardinal Reinhard Marx und der bayerische evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm.
Bild: © KNA
Politik

Bonn/Hannover ‐ Die Kirchen in Deutschland rufen die Teilnehmer des G7-Gipfels auf, "zuerst an die Auswirkungen auf die Armen" zu denken. Nur dann könne das Treffen "zur Förderung der weltweiten Gerechtigkeit beitragen", betonten Kardinal Reinhard Marx und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm gemeinsam.

  • Teilen:

Sie endet mit den Worten: "In diesem Sinne laden wir alle Christen in Deutschland zum Gebet für ein Gelingen des G7-Gipfels ein."

Eine wichtige Perspektive müsse die Förderung der globalen Gerechtigkeit sein, betonten die Kirchen weiter. Denn "noch immer befinden sich 90 Prozent des Weltvermögens in den Händen von nur zehn Prozent der reichsten Nationen und die ungleiche Verteilung von Lebenschancen hat sich in vielen Ländern verschärft". Deshalb erwarten die Kirchen "eine klare Zusage, den Welthandel und die Wertschöpfungsketten gerechter zu gestalten".

"Nationale Eigeninteressen zugunsten des globalen Gemeinwohls zurückstellen"

Die Regierungschefs der sieben führenden Industrienationen treffen sich am Sonntag und Montag auf Schloss Elmau bei Garmisch-Partenkirchen. Beobachter erwarten von der Begegnung Vorgaben der Industrienationen für die Verabschiedung der Nachhaltigen Entwicklungsziele bei der UN-Vollversammlung im September in New York und für die Klimakonferenz im Dezember in Paris.

Bei all diesen Themen, so die Kirchen, sollten die Staats- und Regierungschefs "zugunsten des globalen Gemeinwohls bereit sein, nationale Eigeninteressen zurückzustellen, vor allem auch, was die Öffnung der Märkte für die Produkte der armen Länder betrifft". Darüber hinaus sei es wichtig, dass die G7-Staaten "verbindlich erklären, ihre Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit bis 2020 auf 0,7 Prozent des eigenen Bruttonationaleinkommens anzuheben". Oft genug sei dieser Beitrag schon versprochen, das Versprechen dann aber nicht eingehalten worden.

Zum Nachlesen

Die Erklärung der Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz zum G7-Gipfel 2015 in Deutschland können Sie im Wortlaut hier nachlesen.

Bei der UN-Klimakonferenz müsse es gelingen, eine Nachfolgeregelung für das Kyoto-Protokoll zu vereinbaren, "das konkrete Verpflichtungen zur Emissionsminderung sowie Mechanismen vorsieht, die arme Menschen und Entwicklungsländer bei der Anpassung an die negativen Auswirkungen des Klimawandels unterstützen".

Kirchen und Misereor pochen auf Einhaltung der Nachhaltigkeitsziele

Weiter rufen die Kirchen die G7-Staaten auf, "engagiert auf eine Begrenzung der Erderwärmung auf maximal 2 Grad Celsius hinzuwirken". Denn es seien oft die Ärmsten, die sich nicht vor den Folgen des Klimawandels schützen könnten: "Die Sorge um die Lebensbedingungen auf unserem Planeten muss eine Priorität insbesondere für die Mächtigen und Wohlhabenden dieser Welt bilden."

Das katholische Hilfswerk Misereor erhofft sich vom G7-Gipfel ein deutliches Bekenntnis der Industrienationen zu den Entwicklungszielen nach 2015. Die G7-Staaten sollten sich zu den 17 Nachhaltigkeitszielen verpflichten, ohne einzelne aufzuweichen, forderte Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel im Interview mit der KNA. Dabei sei Freiwilligkeit keine Lösung. "Wir brauchen Verbindlichkeit" bekräftigte Spiegel. Ein solches Signal wäre wichtig für die diesjährigen UN-Konferenz.

Spiegel will Förderung der ökologischen Landwirtschaft

Er hoffe auf klare Signale für einen konsequenten Ausstieg aus der fossilen Energie, sagte Spiegel. Ebenso sollten die Industrieländer ihre finanzielle Unterstützung und ihre Förderung der ökologischen Landwirtschaft und lokaler Kleinbauern ausweiten. Zugleich müssten die Länder Druck auf die nationalen Regierung ausüben. Das sei auch beim Aufbau der Gesundheitssysteme in Ländern wie Liberia oder Sierra Leone wichtig. Schnelle Notfallteams von außen griffen aus seiner Erfahrung zu kurz, sagte Spiegel. "Wir müssen auf örtliche Strukturen setzen und diese weiterentwicklen und stärken."

Mit dem geplanten Alternativgipfel an diesem Donnerstag wollen Misereor und andere Nichtregierungsorganisationen ihre Forderungen noch einmal öffentlich machen. "Und an der ein oder anderen Fragestellung einbringen, welche tiefgreifenden Verhaltensänderungen wir brauchen", sagte Spiegel. An den Demonstrationen rund um den Gipfel beteilige sich Misereor nicht. (luk/KNA)

"Von Elmau muss ein klares Signal ausgehen"

Am Sonntag beginnt der G7-Gipfel - nach dem Willen der deutschen Regierung der erste Meilenstein im "Entwicklungsjahr 2015". Bundesminister Gerd Müller hat viele Erwartung an die Konferenz - und erhofft sich einen stärkeren Blick auf die Rolle der Religionen in der Entwicklungshilfe.