Zwanzig-Euro-Scheine für Kirchengebäude
Warum sich das Vermögen der Kirche nur schwer beziffern lässt

Wie reich ist "die Kirche"?

Seit dem Skandal in Limburg erhalten die Finanzberichte der deutschen Diözesen auch in den säkularen Medien eine erhöhte Aufmerksamkeit. Die Frage lautet dann gerne: Wie reich ist "die Kirche" eigentlich? Doch darauf gibt es keine einfache Antwort.

Von Björn Odendahl |  Bonn - 08.10.2015

Nicht verwunderlich also, dass die Medien erneut die entscheidende Frage stellten: Wie reich ist "die Kirche in Deutschland" eigentlich? Eine Antwort haben Sie allerdings nicht geliefert. Aber auch das ist nicht verwunderlich, können doch die Kirchenoberen selbst keine genauen Angaben machen. Denn "die katholische Kirche ist kein Konzern", wie der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer bereits vor gut einem Jahr im Interview mit katholisch.de klarstellte.

Den berühmten "Blick in die Bücher" gibt es in der Form also nicht – das gilt für alle Ebenen der kirchlichen Hierarchie. So betonte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, erst kürzlich, dass es beispielsweise keine "deutschlandweite Immobilienverwaltung der Kirche" gebe. Auch wenn der Kardinal sich in einem anderen Zusammenhang – nämlich mit Blick auf die Unterbringung von Flüchtlingen – äußerte, wird hier deutlich: Die Bischofskonferenz kann nicht für "die Kirche in Deutschland" sprechen. Sie hat keinen Einblick in die Verwaltungsvorgänge und damit auch nicht in die Finanzen der einzelnen Diözesen. Der Grund dafür ist einfach. Die römisch-katholische Kirche ist eine Bischofskirche. Die 27 deutschen Bistümer sind – wie überall auf der Welt – autark und nur dem Papst unterstellt.

Komplexe Strukturen innderhalb der Bistümer

Innerhalb der einzelnen Bistümer sind die Strukturen ebenfalls komplex, da sie über die Jahrhunderte gewachsen sind. Die Folge sind eine große Anzahl einzelner Rechtsträger. So ist der Essener Generalvikar Pfeffer nach eigenen Angaben "nur" für den Haushalt des Bistums, also des Generalvikariats und seiner Einrichtungen, verantwortlich. "Das ist aber nicht die gesamte katholische Kirche im Ruhrbistum", sagt er.

Monsignore Klaus Pfeffer ist Generalvikar des Bistums Essen.

Oft getrennt verwaltet wird zum Beispiel der Bischöfliche Stuhl, dessen Vermögen direkt an das Bischofsamt geknüpft ist. Da das wie im Fall des ehemaligen Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst jedoch zu Konflikten führen kann, sind viele Bistümer im Rahmen einer Transparenzoffensive dazu übergegangen, auch diesen Etat im Jahresabschlussbericht offenzulegen. Das Vermögen der Bischöflichen Stühle schwankt dabei stark. Während das Bistum Essen für 2012 rund 2,2 Millionen Euro angab, waren es in Köln etwa 166 Millionen Euro. Gemessen am Gesamtvermögen der Diözesen machen die Bischöflichen Stühle allerdings nur einen relativ kleinen Teil aus.

Hinzu kommen viele weitere kirchliche Einrichtungen, die neben oder unterhalb der Bistumsebene agieren. Da ist die Caritas als eingetragener Verein mit ihren Alten-, Pflege- und Jugendheimen. Da gibt es katholische Krankenhäuser, Ordensgemeinschaften und die kirchlichen Stiftungen. Und zuletzt sind auch die rund 11.000 Pfarreien allesamt eigenständige Körperschaften des öffentlichen Rechts. Sie verwalten sich, ihr Vermögen und ihre Immobilien ebenfalls selbst. Das schließt auch die meisten Kirchengebäude mit ein.

Kirchensteuern machen den größten Teil der Bistumshaushalte aus

Dass gerade die "deutsche Kirche" nicht arm ist, steht dennoch außer Frage. Das hat sie vor allem dem Kirchensteuersystem zu verdanken, das in dieser Form weltweit einmalig ist. Die Kirchensteuern machen den größten Teil der Bistumshaushalte in Deutschland aus, gefolgt von Erträgen aus Immobilien, Grundstücken und Wertpapieren. Außerdem erhält die Kirche Staatsleistungen – auch Dotationen genannt –, die die einzelnen Bundesländer als Ausgleich für die Enteignungen im 18. und 19. Jahrhundert entrichten. Zu unterscheiden sind diese Zahlungen von staatlichen Subventionen, die die Kirche für das Erbringen von Leistungen erhält – zum Beispiel in Pflegeeinrichtungen oder Kindertagesstätten.

Den Einnahmen und dem tatsächlichen Vermögen der Diözesen stehen aber auch zahlreiche Ausgaben gegenüber. So gab das Erzbistum Paderborn in der vergangenen Woche an, jeden einzelnen Tag etwas eine Million Euro für die Arbeit in den Kirchengemeinden sowie für die Caritas, Schulen, Kindertagesstätten oder Bildungshäuser auszugeben. Darüber hinaus fallen Personalkosten, Abschreibungen, Instandhaltungskosten oder das Aufstocken von Notfall-Fonds an. Die aktuelle Flüchtlingskrise ist zum Beispiel so ein Notfall, für den die Erzdiözese 3,5 Millionen Euro bereithält.

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Ein Beitrag der Serie "Katholisch für Anfänger". Die Zeichentrickserie erklärt auf einfache und humorvolle Art zentrale Begriffe aus Kirche und Christentum. In dieser Folge geht es um die Kirchenfinanzierung.

Das Vermögen der Diözesen liegt aber auch nicht einfach auf der Bank und wartet nur darauf, ausgegeben zu werden. So sind in Paderborn 2,6 der vier Milliarden Euro zweckgebundene Rücklagen, die nicht zur freien Verfügung stehen. Nur so können die Pensionsansprüche von Priestern, Lehrpersonal und anderen Mitarbeitern der Kirche garantiert werden. Und auch wenn der Erzdiözese die rund 3.000 Kirchengebäude auf ihrem Gebiet nicht gehören – für deren Instandhaltung kommt sie dennoch auf. Auch dafür braucht es Rückstellungen.

Nicht immer materielle Werte

Es ist ein weiterer Aspekt, der es schwer macht, den "Reichtum" der Kirche wirklich zu beziffern. Viele Besitztümer der Kirche haben eher einen ideellen denn einen wirklich materiellen Wert: Reliquien, Kunstwerke oder Bücher würden im Verkauf nicht zwangsläufig viel Geld einbringen, verursachen in Pflege und Instandhaltung hohe Kosten. Das trifft beispielsweise auch auf den Kölner Dom zu. Wer würde das unter Denkmalschutz gestellte Wahrzeichen kaufen? Und zu welchem Zweck? Deshalb wird der Dom selbst mit einem symbolischen Wert von nur einem Euro geführt. Nach Angaben des Erzbistums Köln wirft er nämlich keine Erträge ab und verursacht im Gegenzug jährliche Kosten von rund 12 Millionen Euro.

Dass das Erzbistum Paderborn, aber auch andere (Erz)Diözesen nicht ihr gesamtes Vermögen spenden können und wollen, wie es gerne einmal gefordert wird, liegt also in der Natur der Sache. Auch wenn eine immense "Einmalzahlung" für wohltätige Zwecke verführerisch klingt, würde sich die Kirche damit ihrer Handlungsspielräume berauben. Auch mit Blick darauf, in Zukunft weiterhin Gutes tun zu können.

Themenseite: Debatte um Kirchenfinanzen

Spätestens seit dem Skandal um den Bau am Limburger Domberg sind Kirchenfinanzen ein häufiges Thema. Mit einer Transparenzoffensive haben die Bistümer auf die Kritik reagiert. Lesen Sie hier die wichtigsten Informationen zur Debatte.

Von Björn Odendahl