Ein neues Leben als "Menschenfischer"
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Nach seiner Taufe, für die Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes dem Täufer gezogen war, seiner Zeit allein in der Wüste und der Verhaftung Johannes des Täufers, kehrt Jesus zu Beginn des heutigen Evangeliums nach Galiläa zurück. Allerdings nicht nach Hause, nach Nazareth zu seiner Familie, sondern er beginnt sein Leben in einem neuen Ort und zieht nach Kapharnaum. Für den Evangelisten Matthäus erfüllt sich damit eine weitere Prophezeiung aus dem Buch Jesaja, welche Jesus damit als Messias, als den Retter, auf den das Volk Israel und die Lesenden seines Evangeliums gewartet haben, identifiziert. Für Jesus steht ein Neubeginn an: Ein neuer Lebensort, bewusst getrennt von seiner Heimatstadt Nazareth. Ein neuer Lebensabschnitt, alleine in einer neuen Stadt, ohne Freunde, Familie und Bekannte. Eine neue Ausrichtung für sein Leben: Getauft von Johannes, die eigenen Erfahrungen, Gefühle, Sehnsüchte und Pläne in der Wüste geprüft und um Sinn gerungen.
Nicht nur für Jesus wird ein Neuanfang erzählt, sondern auch für die vier Menschen, die er bei einer seiner Wanderungen am See von Genezareth in seine Nachfolge ruft. Für Simon, Andreas, Jakobus und Johannes beginnt ganz plötzlich etwas völlig Neues. Matthäus erzählt die Entscheidung der Vier, Jesus nachzufolgen, nicht als Entscheidungsprozess – mit Pro und Contra Argumenten, mit Abwägen, Rückversicherung, Verabschiedung, Vorbereitungen, etc. – aus, sondern als spontane Sofortentscheidung. "Sogleich" (V22), "sofort" (V22) beginnt für die Vier ein vollkommen neues Leben. Ähnlich wie Jesus verlassen sie ihren bisherigen Lebensort, verlassen Bekannte, Freunde und Familie und richten ihr Leben radikal aus nach der Botschaft Jesu. Er selbst beschreibt das neue Leben der Jünger als "Menschenfischer"(V19).
Auch wir stehen an einem Neubeginn. Zugegeben, nicht automatisch an einem so existenziellen Neubeginn wie Jesus und seine ersten Jünger. Aber mit dem Beginn eines neuen Jahres wir ein Neuanfang auch außerhalb des Kalenders assoziiert. Vielleicht gehören Sie zu denen, die begeistert Neujahrsvorsätze fassen, oder aber zu denen, die entschieden keine Vorsätze notieren. Vermutlich kennen Sie alle so oder so die latente Erwartungshaltung, dass sich mit einem neuen Kalenderjahr auch etwas in unserem ganz persönlichen Leben verändert, dass die Chance zum Guten hin, zu dem, was wir uns für unser eigenes Leben und für die ganze Welt wünschen, sich greifbarer anfühlt. Jetzt, Ende Januar, ist von dieser Aufbruchstimmung, von guten Vorsätzen und Hoffnung auf positive Veränderungen oft nicht mehr allzu viel spürbar. Ich lade Sie ein, sich heute vom Evangelium in einen Neuanfang rufen zu lassen. Unabhängig vom Jahreswechsel, passend für Ihre persönliche Situation. Nicht als abzuarbeitende Checkliste von guten Vorsätzen, sondern als Frage danach, auf welchen Ruf ich in diesem neuen Jahr eigentlich hören möchte.
Aus dem Evangelium nach Matthäus (Mt 4, 12–23)
Als Jesus hörte, dass Johannes ausgeliefert worden war, kehrte er nach Galiläa zurück. Er verließ Nazaret, um in Kafárnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sébulon und Náftali.
Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesája gesagt worden ist: Das Land Sébulon und das Land Náftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordan, das heidnische Galiläa:
Die Autorin
Schwester Jakoba Zöll ist Olper Franziskanerin. Sie arbeitet an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte und schreibt an ihrer Promotion.
Ausgelegt!
Als Vorbereitung auf die Sonntagsmesse oder als anschließender Impuls: Unser Format "Ausgelegt!" versorgt Sie mit dem jeweiligen Evangelium und Denkanstößen von ausgewählten Theologen.
