Neues Schulfach bundesweit eine Premiere

135 Änderungswünsche für neuen Religionsunterricht in Niedersachsen

Veröffentlicht am 24.04.2026 um 12:44 Uhr – Lesedauer: 

Osnabrück ‐ Neuer Unterricht, viele Einwände: Zum gemeinsamen Religionsunterricht von katholischer und evangelischer Kirche in Niedersachsen – eine bundesweite Premiere – sind rund 135 Änderungsvorschläge eingegangen.

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Vor dem Start des neuen gemeinsamen Religionsunterrichts von katholischer und evangelischer Kirche in Niedersachsen sind zahlreiche Änderungswünsche an den Entwürfen der Lehrpläne eingegangen. Bis Ende März seien im Rahmen eines Anhörungsverfahrens rund 30 Stellungnahmen mit insgesamt etwa 135 Änderungs-, Streichungs- oder Erweiterungsvorschlägen eingereicht worden, teilte das zuständige Kultusministerium in Hannover am Freitag auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mit. Zuerst hatte die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtet.

Die Beiträge stammen demnach von Lehrerverbänden, Vereinen, Institutionen und Einzelpersonen. Der Umfang liege im Rahmen vergleichbarer Verfahren zu Kerncurricula anderer Fächer. Die Hinweise reichten von formalen Korrekturen über theologische Fragen bis hin zu religionskundlichen Anmerkungen sowie grundsätzlichen Überlegungen zur Ausrichtung des Faches, etwa mit Blick auf andere Religionen.

Es geht auch um die Rolle Jesu Christi

Auch Fragen zur Rolle von Jesus im Lehrplan spielen eine Rolle: Sieben Stellungnahmen griffen diese ausdrücklich oder implizit auf. Eine zu geringe Nennung Jesu Christi im Lehrplan sei hingegen nicht moniert worden, hieß es. Einzelne Stimmen hatten laut einem früheren Bericht der "Neuen Osnabrücker Zeitung" bemängelt, Jesus Christus komme in den Entwürfen zu kurz. Kirchen und Kultusministerium hatten dies zurückgewiesen.

Der neue "Christliche Religionsunterricht" (CRU) soll zum Schuljahr 2026/27 eingeführt werden und gilt als bundesweite Premiere. Erstmals verantworten evangelische und katholische Kirche den Unterricht gemeinsam auf Grundlage gemeinsamer Lehrpläne. Das Modell knüpft an die bisherige konfessionelle Kooperation an, geht aber darüber hinaus.

Zwei Schüler zeigen im Religionsunterricht auf
Bild: ©KNA/Harald Oppitz (Symbolbild)

Wie hat sich der neue Christliche Religionsunterricht etabliert? Welche Auswirkungen hat er auf Unterricht und Fachverständnis? Diese und andere Fragen wollen Forscherinnen und Forscher beim neuen Religionsunterricht in Niedersachsen beobachten.

Wie ebenfalls am Freitag bekannt wurde, wird die Einführung wissenschaftlich begleitet. Forscher der Universität Osnabrück und der Universität Göttingen wollen in den ersten beiden Jahren untersuchen, wie sich das neue Fach im Schulalltag etabliert und welche Auswirkungen es auf Unterricht und Fachverständnis hat.

"Mit dem CRU betreten wir tatsächlich Neuland", erklärte Religionspädagoge Jan Woppowa, der die Studie gemeinsam mit weiteren Wissenschaftlern leitet. Das Forschungsteam begleitet dafür verschiedene Schulen und führt Interviews mit Lehrern sowie weiteren Beteiligten. Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.

Lehrpläne werden derzeit überarbeitet

Die eingegangenen Stellungnahmen werden derzeit gemeinsam von Vertretern der Kirchen und des Ministeriums ausgewertet. Nach der Überarbeitung sollen die Lehrpläne in den nächsten Wochen gemeinsam beschlossen und dem Landtag vorgelegt werden.

Die Einführung des neuen Religionsunterrichts war ursprünglich früher geplant, wurde jedoch um ein Jahr verschoben. Hintergrund sind unter anderem Abstimmungen über die Lehrpläne. Der Religionsunterricht wird in Deutschland von Staat und Kirchen gemeinsam verantwortet. (KNA)

24.04.2026, 18.30 Uhr: Meldung komplett überarbeitet.