Hünermann: Synodalität ist der Kirche nicht fremd
Bild: © KNA
Dogmatiker Peter Hünermann über die Strukturen der Kirche

Hünermann: Synodalität ist der Kirche nicht fremd

Kirche - Synodalität ist für den Papst der "Weg der Kirche im dritten Jahrtausend". Der emeritierte Dogmatiker Peter Hünermann hält das mit Blick auf die Geschichte für den richtigen Ansatz. Ein erster Schritt ist für ihn zum Beispiel die Gründung des K9-Rats.

Vatikanstadt/Bonn - 17.12.2015

Der emeritierte Dogmatiker Peter Hünermann glaubt, dass die Strukturen für die vom Papst geforderte Synodalität der Kirche bereits gegeben sind. Synodalität sei etwas, was der Kirche nicht fremd sei, jedenfalls in der Vergangenheit, sagte er im Gespräch mit Radio Vatikan. Es habe in der Vergangenheit zum Leben der Kirche dazu gehört, "dass man in den Kirchenprovinzen jedes Jahr oder dann alle drei Jahre eine Diözesansynode hatte".

Bei den Synoden seien Pfarrer und entsprechende Autoritäten zusammengekommen, um die großen Fragen zu behandeln und zu regeln, so Hünermann. "Im Grunde gab es damals immer Gremienentscheidungen." Erst in den vergangenen Jahrhunderten habe sich das verändert. Noch im Kirchenrecht von 1917 sei die Verpflichtung verankert gewesen, alle zehn Jahre eine Synode in einer Diözese abzuhalten. "Das wurde aber schon im 19. Jahrhundert kaum mehr praktiziert", sagte der Dogmatiker.

Franziskus hatte während der Bischofssynode im Herbst gesagt, dass die Synodalität der "Weg der Kirche im dritten Jahrtausend" sei. Der Wunsch des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965), die nationalen Bischofskonferenzen stärker an Entscheidungen zu beteiligen, sei jedoch noch nicht voll verwirklicht. "Der Papst steht nicht einsam über der Kirche, sondern in ihr, als Getaufter unter Getauften und im Episkopat als Bischof unter Bischöfen", so Franziskus damals.

K9-Rat als Vorform für ein regelmäßiges Konsistorium

Laut Hünermann habe der Papst die ersten Schritte zur Umsetzung der von ihm geforderten Synodalität bereits eingeleitet. Auf der Ebene des Vatikan sei der sogenannte K9-Rat "eine Vorform für ein regelmäßiges Konsistorium". So einen "Senat der Kirche" habe es in der Vergangenheit lange gegeben, betont der 86-Jährige. Dieser sei früher fast wöchentlich zusammen gekommen und habe etwa über Bischofsernennungen entschieden. Der Papst selber habe nur in Pattsituationen Stellung bezogen. Das sei erst im 18. und 19.Jahrhundert zugunsten einer starken "Papstmonarchie" verändert worden.

Auf nationaler Ebene existierten ebenfalls bereits einige Vorformen von Synodalität, zum Beispiel in den Gemeinderäten oder im Pastoralrat für die Diözesen, erklärte der Theologe. Was dagegen fehle, sei "ein entsprechendes Gremium auf der Ebene der Bischofskonferenzen". In Deutschland habe man das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), das beispielsweise durch sein Präsidium in der Bischofskonferenz vertreten sein könnte. Es brauche jetzt konkrete Formen, in denen sich Synodalität regional und gestuft praktisch realisieren lasse.

Hünermann war anlässlich eines Kongresses in der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom zu Gast. Er ist unter anderem Mit-Herausgeber des Standardwerks "Enchiridion Symbolorum", einer handbuchartigen Sammlung der wichtigsten Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrdokumente. Das Werk ist auch unter dem Namen "Denzinger-Hünermann" bekannt. (bod)