Benedikt XVI. liest.
Katholisch.de stellt einige Werke des emeritierten Papstes vor

Benedikts Bücher

Am Samstag erhält Benedikt XVI. zwei Ehrendoktorwürden. Ausgezeichnet wird er unter anderem für sein umfangreiches literarisches Schaffen. Katholisch.de stellt deshalb einige ausgewählte Werke des emeritierten Papstes vor.

Von Björn Odendahl |  Bonn - 03.07.2015

"Einführung in das Christentum" (1968)

Als der damalige Tübinger Dogmatik-Professor Joseph Ratzinger 1968 eine seiner Vorlesungen als Buch veröffentlichte, konnte er noch nicht wissen, dass er fast 40 Jahre später als Benedikt XVI. den Stuhl Petri besteigen würde. Seine "Einführung in das Christentum" gilt jedenfalls bis heute als eines seiner bedeutendsten Werke. Darin versucht er mit Hilfe der Formeln des apostolischen Glaubensbekenntnisses die Grundlagen der christlichen Theologie zu erläutern. Denn schon damals stellte Ratzinger fest: "Die Frage, was eigentlich Inhalt und Sinn des christlichen Glaubens sei, ist heute von einem Nebel der Ungewissheit umgeben, wie kaum irgendwann zuvor in der Geschichte."

In der "Einführung in das Christentum" geht es um das Zueinander von Schrift, Tradition und Kirche, um das Wesen der Liturgie, um das christliche Gottesbild und um die Ekklesiologie, also das Wesen und die heilsgeschichtliche Bedeutung der Kirche. Unter anderem enthält das Buch auch den viel diskutierten Text "Zur Frage nach der Unauflöslichkeit der Ehe", den Ratzinger für die Veröffentlichung in der Gesamtausgabe 2014 eigens überarbeitet hat.

Bild: © KNA

Während des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) war Joseph Ratzinger Berater und Redenschreiber des Kölner Kardinals Josef Frings. Wenige Jahre später veröffentlichte er das Buch "Einführung in das Christentum". Auf diesem Foto ist er mit dem Wiener Kardinal Franz König zu sehen.

"Glaube – Wahrheit – Toleranz" (2003)

Das Verhältnis des Christentums zu den anderen Weltreligionen bestimmt Joseph Ratzinger zwei Jahre vor seiner Wahl zum Papst. Sein Buch "Glaube – Wahrheit – Toleranz" ist so etwas wie die Antwort auf die Kritik an der Erklärung "Dominus Jesus", für die er als Präfekt der Glaubenskongregation maßgeblich verantwortlich war. Das Dokument bekräftigte den Absolutheitsanspruch der Christenheit und der katholischen Kirche gegenüber den anderen Religionen.

Ratzinger appelliert in seinem Buch daran, Andersglaubende zu achten, das eigene Selbstverständnis jedoch nicht allzu vorschnell aufzugeben. Er beschäftigt sich mit auch heute noch hochaktuellen Fragen wie der nach der Verträglichkeit der Kulturen oder des Friedens der Religionen. Zum weltweiten Frieden beizutragen sei für den christlichen Glauben noch einmal insofern eine besondere Aufgabe, "als er von seinem Ursprung und seinem Wesen her den Anspruch erhebt, den einen wahren Gott und den einzigen Retter aller Menschen zu kennen und zu verkünden". Das wertschätzende Miteinander der Religionen, Glaube und Dialog, Freiheit und Toleranz hängen für Ratzinger gleichermaßen an der entscheidenden Frage: "Was ist eigentlich wahr?"

"Jesus von Nazareth" (2007-2012)

Mit "Jesus von Nazareth" widmete sich Benedikt XVI. – wie es der Titel bereits erahnen lässt – dem theologischen Zentrum des christlichen Glaubens. In drei Bänden entfaltet der Papst aus den vier Evangelien eine einzige, von innen her zusammenhängende Botschaft des historischen Jesus und Sohn Gottes. Beides sei untrennbar miteinander verbunden, da die Evangelien die historische Wahrheit über Jesus erst offenlegten, wenn sie ihn als Sohn Gottes zeigten, schreibt der Papst. In einer neuartigen Bibelauslegung verbindet er Elemente der historisch-kritischen Exegese mit christologischen Deutungen der Kirchenväter, ohne dabei jedoch lehramtlich-dogmatisch vorzugehen.

Mit seiner Trilogie tritt Benedikt aber auch den zahlreichen mehr oder weniger wissenschaftlichen Büchern der Gegenwart über den "historischen Jesus" entgegen. "Ich bin überzeugt und hoffe, auch die Leser können sehen, dass diese Gestalt viel logischer und auch historisch betrachtet viel verständlicher ist als die Rekonstruktionen, mit denen wir in den letzten Jahrzehnten konfrontiert wurden", schreibt er. Und er glaubt, "dass gerade dieser Jesus - der der Evangelien - eine historisch sinnvolle und stimmige Figur ist".

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In seiner Zeit als Präfekt der Glaubenskongregation gab Kardinal Joseph Ratzinger auch drei berühmte Interviews, die der breiteren Öffentlichkeit Teile seiner Theologie vermitteln sollten.

Gesprächsbände (1985-2010)

In seiner Zeit als Präfekt der Glaubenskongregation gab Kardinal Joseph Ratzinger auch drei berühmte Interviews, die der breiteren Öffentlichkeit Teile seiner Theologie vermitteln sollten. "Zur Lage des Glaubens" – so der Titel des ersten Interviewbands – äußerte sich Ratzinger 1985 im Gespräch mit dem italienischen Journalisten Vittorio Messori. Darin ging es um Themen wie die Ökumene, um Ursachen der Glaubenskrise und die Rolle der Frau in der Kirche. Kritisch beurteilte die Öffentlichkeit seine Betrachtungen des Zweiten Vatikanischen Konzils. "Es ist unbestreitbar, dass die letzten zwanzig Jahre für die katholische Kirche äußerst negativ verlaufen sind", resümiert er und fügt an, dass die Entwicklungen sogar "in eklatantem Widerspruch zu den Erwartungen aller" stünden.

Knapp zehn Jahre später sprach der damalige Präfekt mit dem Bochumer Journalisten Peter Seewald, der – zu dieser Zeit vom Glauben abgefallen – später zur katholischen Kirche zurückkehrte. Das aus dem Interview entstandene Buch "Salz der Erde" (1996) deckt ein noch breiteres Themenfeld ab als der erste Band und beschäftigt sich auch mit der Biographie Ratzingers sowie dem Zustand der Welt kurz vor dem Jahrhundertwechsel. Dabei umgeht Ratzinger auch die Streitthemen wie den Zölibat oder die katholische Sexualmoral nicht. "So offen und auskunftsfreudig hat sich noch kein hohes Mitglied der Kurie gezeigt", resümiert gar der "Spiegel".

In "Gott und die Welt" (2000), dem zweiten Gespräch mit Peter Seewald, erörtert Ratzinger gut 30 Jahre nach der "Einführung in das Christentum" wieder die Grundlagen des christlichen Glaubens. Diesmal jedoch weniger aus Sicht des Theologieprofessors, als viel mehr für ein breiteres Publikum bestimmt. War Jesus katholisch? Wer hat die Kirche gegründet und was ist ihr ursprünglicher Auftrag? Auf diese und viele Fragen mehr versucht der damalige Präfekt der Glaubenskongregation einfache, aber keine vereinfachenden Antworten zu geben. Sein Wunsch wird dabei schon in der Einleitung deutlich: "Es muß sozusagen wieder eine Neugierde nach dem Christentum entstehen, der Wunsch wirklich zu erkennen, was da eigentlich ist."

Schließlich traf sich Seewald noch ein drittes Mal mit Joseph Ratzinger, der mittlerweile Benedikt XVI. hieß. Der neue Band "Licht der Welt"dokumentiert ein Gespräch vom Sommer 2010. Fünf Jahre nach der Wahl zum Papst und unter dem Eindruck des schockierenden Missbrauchsskandals spricht Benedikt erneut über die Kirche in der Krise, die Piusbrüder, den Protestantismus, von dem er sich enttäuscht zeigt, über die Gesellschaft und den Glauben. Auch hier ist er wieder weniger der Akademiker als vielmehr der Prediger, der mit Blick auf die Auferweckung Jesu fragt: "Warum sollte Christus nicht auferstehen können?" Der Papst beklagt, dass sich die Gesellschaft nur noch um das Hier und Jetzt dreht, um das "Drangsal des Alltags". Stattdessen müsse man "neue Worte und Weisen finden, um den Menschen den Durchbruch durch die Schallmauer der Endlichkeit zu ermöglichen".

Die drei Enzykliken von Papst Benedikt XVI.

Papst Benedikt XVI. (2005-2013) hat in seinem knapp achtjährigen Pontifikat drei große Lehrschreiben, sogenannte Enzykliken, verfasst. Katholisch.de zeichnet deren Inhalte (Liebe - Hoffnung - Wahrheit) nach und fasst das Echo darauf zusammen.

Von Björn Odendahl