Diese Aufgaben könnten Diakoninnen übernehmen
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Theologe Menke über seine Arbeit in der Kommission zum Diakonat der Frau

Diese Aufgaben könnten Diakoninnen übernehmen

Karl-Heinz Menke ist Mitglied der vatikanischen Kommission zum Diakonat der Frau. Jetzt äußert er sich zu möglichen künftigen Aufgaben für Frauen in der Kirche und zu ihrer Zulassung zum Weihesakrament.

Berlin - 05.08.2016

Menke ist das einzige deutsche Mitglied der von Papst Franziskus gegründeten Studienkommission zum Diakonat der Frau. Die Kommission soll die Aufgabenfelder von Diakoninnen in der frühen Kirche untersuchen. Eine mögliche Zulassung von Frauen zum Weihesakrament soll laut Menke dagegen nicht Thema der Beratungen sein.

Das Sakrament der Weihe gliedert sich in der katholischen Kirche in drei Stufen: die Weihe zum Diakon, die Weihe zum Priester und die Weihe zum Bischof. Da die einzelnen Stufen zusammen als ein Sakrament gelten, ist eine Zulassung von Frauen zur Diakonenweihe nicht möglich. Denn, so Menke: Wenn es in der Kirche nur ein einziges Weihesakrament gebe, "würde die Zulassung der Frau zum sakramentalen, durch Weihe übertragenen Diakonat ihre Zulassung auch zur Priester- und Bischofsweihe bedeuten".

Wiedereinführung von "Diakonissen"?

Mit Blick auf den Auftrag der Kommission äußerte Menke stattdessen die Vermutung, dass der Papst prüfen lassen wolle, "ob die Wiedereinführung einer mit dem Titel 'Diakonisse' verbundenen Beauftragung der Mission der Kirche und nicht zuletzt auch der stärkeren Einbindung von Frauen dienen könnte".

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Bereits die Ankündigung hatte für reichlich Gesprächsstoff gesorgt: Jetzt hat Papst Franziskus eine Studienkommission zum Diakonat der Frau gegründet. Am Dienstag gab der Vatikan die Mitglieder bekannt.

Menke brachte in dem Interview auch eine mögliche künftige Erhebung von Frauen in den Kardinalsstand ins Gespräch. Wenn der Papst wolle, könne er das Kardinalat und damit verbunden das Recht zur Papstwahl nicht mehr nur Empfängern des Weihesakraments, sondern auch Frauen übertragen. "Der Papst könnte bestimmen, dass alle Ämter in der Kirchenverwaltung und in Gremien unterhalb von Bischof und Generalvikar paritätisch mit Frauen besetzt werden müssen", so Menke weiter.

Gegen zu starke Fixierung auf Ämter und Hierarchien

Der Theologe wandte sich mit Blick auf die Rolle von Frauen in der Kirche jedoch gegen eine zu starke Fixierung auf Ämter und Hierarchien. Es könne nicht darum gehen, "alles, was in der Kirche getan wird, zu verbeamten oder zu klerikalisieren". Zudem müsse man beachten, dass der berechtigten Forderung nach mehr Partizipation von Frauen in der Kirche durch eine bloße Einweisung in ausschließlich dienende Funktionen kaum oder gar nicht entsprochen werde. "Frauen, die als Diakonissen bezeichnet aber den Diakonen nicht gleichgestellt wären, würden sich wohl eher diskriminiert als aufgewertet fühlen", so Menke wörtlich.

Die Rolle der Diakoninnen in der Urkirche bezeichnete der emeritierte Theologieprofessor "als ein äußerst komplexes, geografisch und zeitlich sehr verschieden ausgeprägtes Phänomen". Die historischen Quellen bezeugten jedoch eindeutig: "Eine Diakonisse hatte nirgendwo und niemals Anteil am durch die Ordination übertragenen Amt." Durchgehend bezeugt sei ihr ausdrücklicher Ausschluss von jeglichem liturgischen Altardienst, von der öffentlichen Ausübung des Verkündigungsdienstes und von der feierlichen Taufspendung. Stattdessen hätten Diakoninnen in der Alten Kirche karitative und administrative Dienste verrichtet. (stz)