Neue "App2Heaven" organisiert das geistliche Leben

Smartphone statt Stundenbuch

Aktualisiert am 05.12.2016  –  Lesedauer: 
Die App2Heaven auf einem Smartphone.
Bild: © katholisch.de
Soziale Medien

Bonn ‐ Gebetszeiten online planen, Bibelverse lesen, Glaubenserfahrungen notieren: Wie ein elektronisches spirituelles Tagebuch funktioniert die App2Heaven. Sie richtet sich an eine besondere Zielgruppe.

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Für Christen, die ihr geistliches Leben im Alltag pflegen wollen, gibt es jetzt ein neues, internetbasiertes Tool: "App2Heaven" heißt ein Angebot für das Smartphone, das kostenlos im App-Store erhältlich ist. Dort können User unter anderem Gebetszeiten planen, Gebetserfahrungen aufschreiben oder sich per Zufallsgenerator ein Zitat aus der Bibel anzeigen lassen: "Die App funktioniert wie ein geistliches Tagebuch", fasst Erfinder Andreas Schmidt zusammen. "Sie schafft dem persönlichen geistlichen Leben einen digitalen Raum."

App für die seelische Gesundheit

Auf die Idee zu dem Projekt ist der Spiritual des Münchener Priesterseminars 2014 gekommen, als er sich die Präsentation des neuen Smartphones von Apple angeschaut hat. "Damals wurde gerade sehr viel über sogenannte Gesundheitsapps diskutiert, die Menschen beim Sport unterstützen oder ihnen sagen, wie ausgewogen ihre Ernährung ist", berichtet er. "Da dachte ich: Warum soll es neben den Anwendungen für die physische Gesundheit nicht auch eine App für die seelische Gesundheit geben?"

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Schmidt erzählt in der geistlichen Gemeinschaft Emmanuel und in seinem Freundeskreis von der Idee - und die kommt gut an. Also macht er sich an die Umsetzung. Bis die App im Sommer dieses Jahres veröffentlicht wird, opfern er und einige begeisterte Mitstreiter einen Großteil ihrer Freizeit. Schmidt gründet einen Verein, der die App als Rechtsträger betreibt, entwickelt das inhaltliche Konzept und bemüht sich um Sponsoren. Doch so eine App-Entwicklung kostet Geld: 30.000 Euro sind es bei der App2Heaven, mehr als zwei Drittel sind inzwischen finanziert. Ein großer Teil kam aus privaten Spenden, aber auch das Freiburger Zentrum für Berufungspastoral und das Päpstliche Werk für Geistliche Berufe der Erzdiözese Köln haben jeweils 5.000 Euro beigesteuert. Schwerpunktmäßig richtet sich die Anwendung an junge Menschen zwischen 15 und 35 Jahren, die schon erste geistliche Erfahrungen gemacht haben und das verstetigen wollen. "Auch Gemeinden könnten die App in ihrer Jugendarbeit einsetzen", ist Schmidt überzeugt.

Gebetsanliegen als Lieblingsfunktion

Eine, die von Anfang an von dem Konzept begeistert war, ist die 33-jährige Theologin Paula Ketteler. Ihre Lieblingsfunktion bei der App2Heaven sind die Gebetsanliegen. "Mich fragen häufig Freunde oder Verwandte, ob ich für sie beten kann - sei es, weil eine Prüfung ansteht oder ein Verwandter im Sterben liegt", erzählt sie. Die App helfe ihr, die Anliegen nicht aus dem Auge zu verlieren. Denn unter dem entsprechenden Menüpunkt kann sie Gebetsanliegen festhalten, mit anderen Usern der App teilen und im Ordner "Gott hat geholfen" ablegen, wenn sich etwas erledigt hat. Bei allen Menüpunkten der App gibt es einführende Informationen, die inhaltlich erläutern, worum es geht.

Auch die Möglichkeit, die Bibel an einer beliebigen Stelle virtuell aufzuschlagen oder sich per Zufallsgenerator eine bestimmte Stelle anzeigen zu lassen, gefällt Paula Ketteler. Bibelworte, die sie besonders angesprochen haben, kann sie mithilfe der App genauso übersichtlich archivieren wie Momente, die sie als Glaubenserfahrung wahrgenommen hat. "Ich habe so etwas immer in ein Büchlein aufgeschrieben, aber das ist irgendwann voll und außerdem viel unübersichtlicher. Alles, was nur ein paar Seiten weiter vorne steht, ist eigentlich schon verschwunden", erklärt sie. Was aus ihrer Sicht bei der App allerdings noch verbessert werden könnte, sind die technische Kinderkrankheiten. Wenn sie so einen "Bug" entdeckt, leitet sie die Info an Andreas Schmidt weiter, damit die Fehler künftig behoben werden können.

Nach Kettelers Eindruck ist die App2Heaven nicht primär etwas für Leute, die "eh schon heilig sind. Sie richtet sich nicht an Menschen, die mit dem Stundenbuch herumlaufen, sondern an solche, die mit dem Smartphone herumlaufen". Ketteler kennt Jugendliche, die etwa beim Weltjugendtag oder anderen kirchlichen Jugendevents punktuelle Glaubenserfahrungen machten, aber nicht in eine Gemeinde eingebunden sind. Denen falle es dann schwer, ihre Erfahrungen in den Alltag zu übertragen. "Die jungen Menschen kommen nach Hause mit der Freude im Herzen, aber möglicherweise ist da niemand, der diese Freude mit ihnen teilt. Sie müssen sich in ihrem geistlichen Leben sozusagen selbst durchschlagen - und da ist die App eine Hilfe."

Linktipp: Gott digital begegnen

Ein Klick auf "Amen", und das Gebet ist beendet: Viele Seiten im Internet und auch einige Smartphone-Apps bieten Unterstützung beim Beten an. Katholisch.de stellt einige Angebote vor.

Es kommt vor, dass Paula Ketteler die App täglich nutzt, manchmal dauert es aber auch ein paar Tage, bis sie wieder hineinschaut. Neben den Funktionen zu Gebetsanliegen und Bibelworten kann man in der App auch Gebetszeiten in den Tagesablauf einplanen, sich dazu spontane Notizen machen oder Impulse lesen, die Ordensgemeinschaften und geistliche Bewegungen in die App einpflegen. Unter anderem Franziskaner, Karmelitinnen, die Jesuiten und Fokolare beteiligen sich so an dem Projekt. In anderen Menüpunkten werden Taten oder Entscheidungen eingetragen, die aus dem Glauben heraus umgesetzt werden sollen. "Eine solche Entscheidung könnte zum Beispiel sein, zu jemandem, der einen eigentlich nervt, besonders freundlich zu sein", erläutert Schmidt. Außerdem können sich die User auf die nächste Beichte vorbereiten und eine allgemeine Tagesvorschau oder einen Rückblick des geistlichen Lebens gestalten.

Papst Franziskus hat keine Angst vor der digitalen Revolution

Ab und an hört Andreas Schmidt kritische Stimmen, die fragen, ob das geistliche Leben wirklich in das Smartphone gehöre. Dann weist er darauf hin, dass Papst Franziskus selbst einmal sagte, die "Revolution der Kommunikationsmittel" müsse nicht nur als Quelle von Gefahren gesehen werden. In seiner Botschaft zum Welttag der Kommunikationsmittel habe Franziskus bereits 2014 geschrieben, die mediale Revolution sei eine "große und begeisternde Herausforderung, die frische Energien und eine neue Vorstellungskraft verlangt, um den Menschen die Schönheit Gottes zu vermitteln." Und genau dazu wolle die App2Heaven beitragen, sagt Schmidt.

Von Gabriele Höfling