Marcel Lefebvre hält eine Rede.
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Vor 30 Jahren weihte Marcel Lefebvre vier Bischöfe für die Piusbrüder

So kam es zum Bruch zwischen Rom und den Piusbrüdern

Was als Ungehorsam begann, führte zur Kirchenspaltung. Vor 30 Jahren weihte Marcel Lefebvre vier Bischöfe für die Piusbrüder. Die Reaktion aus dem Vatikan kam noch am gleichen Tag.

Von Johannes Schidelko (KNA) |  Rom - 30.06.2018

Der Bruch der Traditionalisten um den französischen Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991) mit Rom zählt zu den dunkelsten Kapiteln der nachkonziliaren Kirchengeschichte. Der rebellische Kirchenmann, der das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) mit seinen Neuerungen zu Ökumene, Liturgie und Religionsfreiheit ablehnte, war zunächst auf Distanz, dann auf offene Konfrontation mit dem Vatikan gegangen. Mit der unerlaubten Weihe von vier Bischöfen für seine "Priesterbruderschaft Pius X." überschritt er am 30. Juni 1988 endgültig die Grenze. Noch am gleichen Tag bestätigte der Vatikan die Exkommunikation als Tatstrafe für Lefebvre und seine Neubischöfe. Die Spaltung war besiegelt.

Hektische Verhandlungen und Dementis

Vorausgegangen waren dramatische Wochen mit hektischen Verhandlungen, Kompromissen, Unterschriften und Dementis. Nach einer Serie von Konferenzen hatte sich Kardinal Joseph Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation mit Lefebvre am 5. Mai 1988 auf eine Einigungsplattform verständigt. Darin versprach dieser Treue zur katholischen Kirche und zum Papst, Annahme der Konzilsaussagen über das kirchliche Lehramt, Verzicht auf Polemik und Anerkennung der Liturgiereform. Dafür sollte die Priesterbruderschaft als "Gesellschaft des Apostolischen Lebens" errichtet werden.

Linktipp: Traditionalisten

Lange spielten sie in der öffentlichen Wahrnehmung kaum eine Rolle. Doch als Papst Benedikt XVI. die Messe nach tridentinischem Ritus 2007 wieder erlaubte, fanden auch sie wieder mehr Beachtung: die Traditionalisten. Die bekanntesten unter ihnen sind die Piusbrüder.

Doch über Nacht zog Lefebvre seine Zusage zurück – offenbar auf Druck von Hardlinern in den eigenen Reihen. Und er ging in die Offensive: Für den 30. Juni kündigte er die Weihe von vier eigenen Bischöfen an – mit oder ohne die Zustimmung Roms. Die Bruderschaft brauche eigene Würdenträger, "die uns vor dem Geist des Zweiten Vaticanum und dem Geist von Assisi schützen". Weder Appelle Ratzingers und Papst Johannes Pauls II. noch ein eindringliches Telegramm am Morgen des Weihetages konnten den Rebellenbischof umstimmen. Drei Jahre später starb Lefebvre. Der von ihm geweihte Schweizer Bischof Bernard Fellay folgte als Generaloberer der Priesterbruderschaft. Die Fronten verhärteten sich.

Das Pontifikat von Benedikt XVI. versprach Entspannung. Im Sommer 2005 empfing er Fellay im Vatikan. Zwei Jahre später erleichterte er die Feier der Alten Messe (von 1962), also der außerordentlichen Form des römischen Ritus. Er ging sogar noch weiter auf die Piusbrüder zu und zog im Januar 2009 die Exkommunikation für die von Lefebvre geweihten Bischöfe zurück – und löste damit einen Eklat aus.

Schweste Panne Benedikt XVI.

Denn zu diesen vier Bischöfen gehörte auch der Holocaustleugner Richard Williamson. Zwar verfügte der Vatikan über die betreffenden Informationen; diese gelangten aber nicht an die zuständigen Stellen. So erschien der päpstliche "Akt der Barmherzigkeit" als Absage an die christlich-jüdische Versöhnung, als Abkehr vom Konzil. Benedikt XVI. musste sich für diese wohl schwerste Panne seiner Amtszeit entschuldigen.

Allerdings nutzte der "Theologen-Papst" den Eklat für einen neuen Anlauf zur Einigung. Er stellte die im Vatikan für Traditionalisten zuständige Kommission "Ecclesia Dei" komplett neu auf, ordnete sie der Glaubenskongregation unter und startete eine neue Dialogrunde. Eineinhalb Jahre lang tauschten sich theologische Experten beider Seiten aus. 2011 unterbreitete Rom den Piusbrüdern eine lehrmäßige Präambel – als Grundlage für ihre Eingliederung als Personalprälatur in die katholische Kirche.

Aber die Piusbrüder konnten sich nicht auf ein klares Ja oder Nein einigen. Sie wollten Aussagen des Zweiten Vatikanum nur soweit akzeptieren, als sie früheren Kirchentraditionen entsprächen. Rom lehnte weitere Verhandlungen ab, setzte Fristen, verlangte eine klare Antwort, räumte eine weitere Reflexionsrunde ein und ließ das letzte Ultimatum verstreichen.

Drei Diakone der Piusbruderschaft empfangen in Zaitzkofen das Sakrament der Priesterweihe.
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Drei Diakone der Piusbruderschaft empfangen in Zaitzkofen das Sakrament der Priesterweihe.

Auch unter Papst Franziskus gingen Gespräche mit den Traditionalisten weiter. Er selbst traf mit Fellay zusammen. Während sich in Lehrfragen keine Bewegung abzeichnet, setzt Franziskus pastorale Signale. Er erlaubte gläubigen Katholiken, gültig bei Priestern der Bruderschaft zu beichten. Zudem können Ortsbischöfe den Piusbrüdern Eheschließungen erlauben, die dann auch von der katholischen Kirche als legal anerkannt werden.

Wahl des Generaloberen im Juli

Im Moment freilich stockt der Kontakt mit den Piusbrüdern, vielleicht auch mit Blick auf die für Juli anstehende Wahl des Generaloberen. Denn davon hängt maßgeblich ab, wie sich die Traditionalisten gegenüber Rom positionieren.

Von Johannes Schidelko (KNA)