Das haben die Foren des "synodalen Wegs" bisher erarbeitet
Katholisch.de gibt einen Überblick über die Arbeitspapiere

Das haben die Foren des "synodalen Wegs" bisher erarbeitet

Sie sollen den "synodalen Weg" vorbereiten: die vier Foren zu wichtigen Themen der Kirche. Nun haben die Teilnehmer einen Zwischenbericht ihrer Beratungen vorgelegt und Arbeitspapiere veröffentlicht. Katholisch.de hat sie gelesen und gibt einen Einblick in ihren Inhalt.

Von Matthias Altmann, Christoph Paul Hartmann und Roland Müller |  Bonn - 19.09.2019

Der "synodale Weg" soll die Kirche in Deutschland erneuern. Damit das gelingt, haben sich Bischöfe und Laien in den vergangenen Monaten in thematischen Foren getroffen, um mehrere "heiße Eisen" der gegenwärtigen Kirchenkrise aufzuarbeiten. Aus den Beratungen sind vier Arbeitspapiere zu den Themen der Foren entstanden, die nun veröffentlicht wurden.

Forum "Macht, Partizipation und Gewaltenteilung"

Es ist höchste Zeit für eine Erneuerung der Kirche in den Bereichen Macht, Partizipation und Gewaltenteilung – das ist der Grundton des Arbeitspapiers des ersten Forums. Die Verfasser des knapp 20 Seiten umfassenden Berichts wollen "Lehren aus dem Missbrauchsskandal ziehen", der den Ergebnissen der MHG-Studie zufolge auch im klerikalen Missbrauch geistlicher Macht seine Wurzeln hat. Gleichzeitig rufen sie dazu auf, sich bei diesem Thema "neu an der Heiligen Schrift" und am "Primat der Evangelisierung" zu orientieren. Dabei machen sie in der Kirche einen Selbstwiderspruch zwischen Lehre und Handeln aus. Gerade im 19. Jahrhundert hätten sich nach dem Vorbild der Monarchie zahlreiche Vollmachten in einer "sacra potestas" des Weiheamtes angesammelt. Damit habe sich eine Hierarchie etabliert, "in der einseitig die Gläubigen von Priestern als abhängig gesehen werden". Etwas, das in Zeiten der Demokratie nicht mehr vermittelbar sei. Provokant fragen die Autoren deshalb: "Glaubt die Kirche selbst noch, was sie mit dem Evangelium der Hoffnung auf Versöhnung, Liebe und Erlösung predigt?" Die gegenwärtige Krise der Kirche sei existenzgefährdend, wenn keine Konsequenzen gezogen werden.

Deshalb machen die Teilnehmer des Forums sehr konkrete Vorschläge, wie Macht und Gewaltenteilung in der Kirche neu organisiert werden können. Sie verstehen das jedoch bewusst nicht als "Festlegungen". So fordern sie etwa auf Grundlage der "fundamentalen Gleichrangigkeit aller Kirchenmitglieder", dass eine Rahmenordnung erlassen wird, in der die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Dienste in der Kirche, "einschließlich des Bischofsamtes", verbindlich festgelegt ist. Durch den Inhalt soll sichergestellt werden, dass "Leitungsgewalt und Entscheidungsmacht nicht exklusiv an die Weihe" gebunden sind. Ferner regen sie an, etwa die Mitsprache der Gläubigen bei der Verteilung der Kirchensteuer, die Verleihung von Leitungsämtern ausschließlich auf Zeit, die Kontrolle von Führungspersonen auf allen Ebenen durch unabhängige Gremien und den Predigtdienst von Gläubigen in der Heiligen Messe zu beschließen.

Gleichzeitig mahnen die Verfasser, dass schon der "synodale Weg" selbst ein "Schritt des Wandels" zu einem neuen Miteinander von Klerikern und Laien sein muss. Ihn ihm solle sich die Erkenntnis widerspiegeln, dass Macht geteilt und ihre Ausübung gerechtfertigt werden muss. Aber es müsse auch "Prozesssicherheit" geben: Der Entscheidungsspielraum der Gremien des Reformprozesses und der Verbindlichkeitsgrad der Beschlüsse müsse vor Beginn geklärt sein.

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Die Teilnehmer des ersten Forums fordern, dass sich bereits in der Durchführung des "synodalen Wegs" ein gewandeltes Verständnis von Macht in der Kirche zeigt.

Forum "Sexualmoral"

Aus dem Arbeitspapier des Forums "Sexualmoral" lässt sich eindeutig herauslesen, wie weit die gegensätzlichen Ansichten der Teilnehmer bei diesem Thema auseinander liegen. Denn an mehreren Stellen wird in Tabellen neben der Meinung der Mehrheit der Teilnehmer auch die Ansicht einer nicht näher spezifizierten Minderheit aufgeführt. So lautet eine von einem Großteil der Autoren akzeptierte Forderung etwa, "die Normen kirchlicher Sexualmoral müssen hinsichtlich des Wertekanons überprüft werden". Die Minderheit möchte jedoch keine Überprüfung, sondern fordert eine für die heutige Zeit plausible Darlegung und Kommunikation.

Das etwas mehr als 20-seitige Arbeitspapier wurde auf Grundlage des Vortrags des Freiburger Moraltheologen Eberhard Schockenhoff verfasst, den er im März bei der Vollversammlung der Deutschen Bischöfe gehalten hat. Es ist nach dem sozialethischen Dreischritt "sehen – urteilen – handeln" aufgebaut: Nach einer Bestandsaufnahme der aktuellen Situation, die nach Meinung der Mehrheit eine "wahrnehmbare Kluft zwischen Lehre der Kirche und Leben der Menschen" ausmacht, folgen theologische "Konturen einer menschengerechten Sexualethik in heutiger Zeit" und Beurteilungen sexueller Handlungen sowie der Homosexualität, die je nach Mehrheits- oder Minderheitsmeinung unterschiedlich ausfallen.

Abschließend werden anhand von zwei Beispielen mögliche Konsequenzen vorgestellt. Zum einen geht es um das Thema sexuelle Selbstbestimmung, bei dem sich die Mehrheit der Teilnehmer für eine kirchliche Sexualmoral aussprechen, die Menschen das Recht zuspricht, "ja zu sagen zu sexuellen Handlungen, die sie wollen" und wählen zu dürfen, "wen sie lieben". Die Gegenmeinung versteht unter Selbstbestimmung im sexuellen Bereich lediglich das "persönliche Recht, Grenzen zu setzen", wie ausgesprochen knapp dargelegt wird. Zu anderen wird als Konsequenz das Thema Partnerschaftssegnungen vorgestellt. Es werden drei Positionen von einer Zustimmung über eine Forderung nach mehr Beratung hin zur Ablehnung präsentiert, die jedoch nicht besprochen und abgestimmt wurden.

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Ein evangelischer Pastor segnet ein gleichgeschlechtliches Paar. Ob es einen solchen Segen auch in der katholischen Kirche geben kann, herrscht in dem Arbeitspapier des Forums "Sexualmoral" keine Einigkeit.

Forum "Priesterliche Lebensform"

Obwohl das Forum "Priesterliche Lebensform" heißt, geht es nicht nur um Kleriker. Denn mit Verweis auf das "Priestertum aller Getauften" will das Gremium zunächst über "ekklesiologische Grundsatzfragen" sprechen, bevor es ins Detail geht. Außerdem soll die priesterliche Lebensform "nicht als Stand, sondern nach den Kriterien der Evangelisierung" behandelt werden. Damit folgt die Runde der Vorgabe aus Rom, nach der die Evangelisierung wichtigster Maßstab aller Überlegungen sein soll.

Zunächst soll es um die Sendung des gesamten Gottesvolks in einer säkularer werdenden Gesellschaft gehen. Das Forum sieht im "synodalen Weg" eine Chance für die Kirche, indem sie nicht mehr nur vorgefertigte Angebote bereithält, sondern sich offen den Menschen zuwendet. So könne die Kirche auch existenziell wachsen. Im Arbeitspapier ist von der Sendung jedes Einzelnen die Rede, wie sie gelebt und erfahren werden kann.

Erst in einem zweiten Schritt geht es dann tatsächlich um Priester, deren Aufgaben und die Ausgestaltung ihres Amts. Hier wird direkt ein zentraler Dissens innerhalb des Forums festgehalten: Nämlich, ob das Priesteramt auch im Hinblick auf Frauen gedacht werden soll. Bei dieser Frage verweist das Arbeitspapier schließlich auf das vierte Forum zum "synodalen Weg", das sich dezidiert mit der Rolle von Frauen in der Kirche beschäftigt.

Im Hinblick auf Priester geht es dann um das Verhältnis von Sakramentalität und Macht (wobei man sich auch mit dem zuständigen Forum für Machtfragen austauschen will) sowie um Zugangsvoraussetzungen zum Amt. Hier kommen die "heißen Eisen" ins Spiel: Es geht um den Umgang mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen von Priestern und die Frage "Ist der Zölibat die dem Wesen des Priestertums allein angemessene Lebensform?" Außerdem will die Arbeitsgruppe der Frage nachgehen, wie Amtsfrustration vorgebeugt werden kann.

Wichtig ist dem Forum, dass die Diskussion offen und auf Augenhöhe geführt wird. Beteiligungsmöglichkeiten über soziale Medien und externe Beobachter sind deshalb angedacht. Man legt aber – wiederum eng angelehnt an Äußerungen des Papstes – Wert darauf, dass es nicht wie in einem Parlament um Mehrheitsentscheidungen gehe, sondern um das "wirkliche Hören auf den heiligen Geist".

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Ein Beitrag der Serie "Katholisch für Anfänger". Die Zeichentrickserie erklärt auf einfache und humorvolle Art zentrale Begriffe aus Kirche und Christentum. In dieser Folge geht es um den Begriff Priester und seine Bedeutung im christlichen Glauben.

Forum "Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche"

Das Forum "Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche" betont in seinem 18-seitigen Arbeitspapier die "hohe Dringlichkeit der Thematik". Die Frauenfrage werde in der Öffentlichkeit als "Nagelprobe" dafür betrachtet, wie ernst es die Kirche mit ihrem Reformwillen meint. Um engagierte Frauen nicht zu verlieren, müsse man offen über alle anstehenden Fragen diskutieren – auch die der Weihe. Die "offenkundige Diskrepanz zwischen einer kirchlichen Lehre und der weithin uniformen Lehre der wissenschaftlichen Theologie" in diesem Bereich sei dabei ein "Skandalon". Hier fordert das Arbeitspapier, den Grad der Verbindlichkeit der entsprechenden Lehrschreiben zu untersuchen, deren Argumente erneut zu prüfen und diese danach zu beurteilen, wie nachvollziehbar sie sind.

In der Arbeitsgruppe besteht Einigkeit darüber, dass die Möglichkeiten von Frauen zur gleichberechtigten Partizipation am kirchlichen Leben erweitert werden müssen. In Anbetracht der rechtlichen Gleichstellung von Frauen und Männern in vielen Staaten der Wert entspreche die Stellung der Frau in der katholischen Kirche "nicht den gesellschaftlichen Erwartungen an die gerechte Teilnahme an Leitungsdiensten". Dass das ordinierte Amt nur auf Männer beschränkt ist, werde als Widerspruch zur schöpfungstheologisch begründeten Gleichheit der Würde von Mann und Frau, wie sie auch von kirchlicher Seite immer wieder betont wird, wahrgenommen.

Die Frage nach der Teilhabe von Frauen an Diensten und Ämtern der Kirche hängt laut dem Frauen-Forum eng mit der Evangelisierung zusammen. Die Kirche könne das Evangelium nicht glaubwürdig verkünden, wenn sie "die Hälfte der Menschheit" von der amtlichen Verkündigung ausschließe.

Ungeachtet der Frage nach dem Weiheamt für Frauen bietet das Kirchenrecht allerdings bereits Möglichkeiten, Frauen an der Kirchenleitung zu beteiligen – etwa, wie in einigen deutschen Bistümern bereits praktiziert – als Leiterinnen von Gemeinden. Diese Möglichkeiten sollen bekannter gemacht und gefördert werden, befindet das Papier. Positiv äußert sich die Arbeitsgruppe zum Diakonat der Frau. Die Existenz von Frauen sei belegt, deren Handeln als das einer Diakonin bezeichnet worden sei – diese seien sogar gesegnet und beauftragt worden. Die Mitglieder des Frauen-Forums stellen fest, dass die Erwartungen an die Kirche im Hinblick auf ihr diakonisches Handeln hoch seien. Eine Beauftragung von Diakoninnen könnte ein Weg dazu sein, diesen Dienst zu stärken. Unklar ist, ob ein Diakonat der Frau am sakramentalen Amt teilhaben könne.

In seinem Schlussvotum spricht sich das Arbeitspapier des Forums "Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche" dafür aus, dass man bei den anstehenden Fragen "Kreativität und Ideenreichtum" walten lassen solle. "Alternative Wege zu jenen, die in den bisherigen Formen des ordinierten Amtes gefunden worden sind, können bedacht werden", heißt es.

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Von Matthias Altmann, Christoph Paul Hartmann und Roland Müller