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Benedikt-Film: Mehr Gelassenheit hätte der Kirche gut getan

Die kirchliche Kritik am neuen Dokumentarfilm über Benedikt XVI. fiel teilweise maßlos aus, bemängelt Steffen Zimmermann. Er wünscht sich, dass die Kirche sachlich und mit guten Argumenten auf den Film reagiert hätte.

Von Steffen Zimmermann |  Berlin - 06.11.2019

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Man kennt das von Kindern: Wenn Eltern oder Lehrer gegen irgendetwas ihr Veto einlegen, wird genau diese Sache für die Kleinen erst so richtig spannend. Ähnlich ging es mir und wohl auch vielen anderen, als ich in den vergangenen Tagen die teils vernichtenden Kritiken aus der katholischen Kirche an dem neuen Dokumentarfilm "Verteidiger des Glaubens" las. Hätte ich den Film über den emeritierten Papst Benedikt XVI. aus beruflichen Gründen nicht bereits im Frühjahr gesehen – die offene Ablehnung, die das Werk von Regisseur Christoph Röhl hervorgerufen hat, hätte mich geradezu ins Kino getrieben. Schließlich will man doch wissen, warum die Kirche so gegen den Film schäumt!

Klar, dass konservative Kreise und Benedikt-Fans den Film verdammen, überrascht nicht. Diese beiden, überwiegend deckungsgleichen Gruppen haben kein Interesse an der Aufdeckung von Missständen, wenn diese ihr Idol im Vatikan betreffen. Kritik an Benedikt XVI. ist aus Sicht dieser Leute beinahe schon Häresie. Überraschender war da schon, dass auch die Deutsche Bischofskonferenz mittels einer offiziellen Pressemitteilung ihr negatives Urteil über den Film kundtat.

Natürlich steht es jedem frei, öffentlich eine Filmkritik vorzunehmen. Es muss aber jedem klar sein, dass besonders deftige Kritik – Kurienerzbischof Georg Gänswein etwa nannte den Film, obwohl er selbst darin ausführlich zu Wort kommt, eine "Sauerei" und ein "Debakel" – in der Regel dazu führt, dass Menschen erst recht neugierig auf das "Verbotene" werden.

Ich hätte mir gewünscht, dass die Kirche insgesamt deutlich gelassener auf den Film reagiert hätte. Man muss "Verteidiger des Glaubens" und sein Urteil über Benedikt XVI. nicht gut finden – und in der Tat hat Röhls Werk einige Schwächen, darunter die selektive Auswahl der Interviewpartner und das Unterschlagen entlastender Fakten –, doch die teilweise maßlosen kirchlichen Kritiken sind nicht gerechtfertigt. Regisseur Röhl sieht seinen Film als "Beitrag zu einer konstruktiven Debatte". Es wäre schön, wenn die Kirche sich – zumal im Lichte des verheerenden Missbrauchsskandals – dieser Diskussion sachlich und mit guten Argumenten stellen würde. Beispielhaft kann hier das Angebot einiger Katholische Akademien dienen, die bereits Veranstaltungen mit dem Regisseur und Kirchenvertretern organisiert und damit einen konstruktiven Beitrag zur Debatte geleistet haben.

Von Steffen Zimmermann

Der Autor

Steffen Zimmermann ist Redakteur im Korrespondentenbüro von katholisch.de in Berlin.

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