Schachfigur
Standpunkt

Der "synodale Weg" oder: den Pudding an die Wand nageln

Zum "synodalen Weg" hört Werner Kleine vor allem Aussagen, die gut klingen, sich aber auf nichts festlegen. Doch die Zeit des "Vielleicht" ist aus Kleines Sicht vorbei. Der "synodale Weg" müsse eine echte Entscheidung über die Zukunft der Kirche bringen.

Von Werner Kleine |  Bonn - 29.11.2019

Werner Kleine ist Pastoralreferent im Erzbistum Köln und Initiator der Katholischen Citykirche Wuppertal.

"Willst Du mit mir gehen? – ja/nein/vielleicht" – wer kennt sie nicht aus jungen Jahren, diese mit meist noch krakeliger Kinderhandschrift geschriebenen Zettelchen, mit denen man an der Grenze zur Pubertät im Erwachen zarter Liebesbande der oder dem Angebeteten erste unbeholfene Avancen machte.

Ja – Nein – Vielleicht – das kindliche Spiel mit hohen Erwartungen spielen gegenwärtig auch all jene, die ihre Hoffnungen auf den ausgelobten "synodalen Weg" setzen. Da ist zum einen das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZDK). Dessen stellvertretende Vorsitzende, Claudia Lücking-Michel, stellt am 22.11.2019 in einem Interview für den Deutschlandfunk fest, man brauche keine Beschäftigungstherapie. Der "synodale Weg" entstehe beim Gehen: "Es ist nichts, was im Kirchenrecht schon vorgesehen ist, aber hoffentlich eine Form, in der Laien und Bischöfe und Kleriker annähernd auf Augenhöhe gemeinsam die Zukunft der Kirche gestalten und hoffentlich ergebnis- und zielorientiert." Das ist weder ja noch nein, sondern ein sehr hoffnungsfrohes "Vielleicht".

Ein "Vielleicht" ganz anderer Art formulierte der Berliner Erzbischof Heiner Koch in der am 15.11.2019 ausgestrahlten ZDF-Sendung "Aspekte". Auf die Frage des Moderators, ob er nicht glaube, dass Frauen in der Kirche diskriminiert werden, antwortet er mit jener speziellen Form von Empathie, die ein Verstehen suggeriert, das aber bitte keine Konsequenzen haben soll: "Ich werde mich dafür einsetzen, dass dieses Thema behandelt wird. Ich werde nicht mit festen Vorstellungen da reingehen. (...) Ich weiß um die Verletzung von Frauen, die ich nicht beiseiteschieben will. Also gehe ich in das Gespräch mit den Frauen, wie ich das bei Maria 2.0 in Berlin getan habe." Ansonsten müsse man miteinander lernen, solle sich aber nicht festlegen. Vielleicht (!) werde man neue Erkenntnisse bekommen. Das ist ein geradezu eschatologisches "Vielleicht", das parusieverzögert auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verweist. Da kann man leichter einen Pudding an die Wand nageln. Soll so der von Erzbischof Reinhard Kardinal Marx ausgelobte "verbindliche ‚Synodale Weg‘" aussehen?

In der Offenbarung des Johannes warnt der Menschensohn in einem Brief die Gemeinde von Laodikia: "Daher, weil du lau bist, weder heiß noch kalt, will ich dich aus meinem Mund ausspeien." (Offb 3,16). In der Bergpredigt mahnt Jesus selbst: "Eure Rede sei: Ja ja, nein nein; was darüber hinausgeht, stammt vom Bösen." (Mt 5,37) Ein "Vielleicht" ist also nicht nur nicht vorgesehen, sondern sogar ein Übel. Warum nur fällt es einem Erzbischof so schwer, auf die Frage, ob Frauen Priester werden können, mit einem klaren Statement zu antworten? Er hätte nämlich als Vertreter des Lehramtes "Nein!" sagen und damit jetzt schon alle falschen Hoffnungen zerstören müssen, die manche noch in den "synodalen Weg" setzen. Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller hat Recht, wenn er feststellt, dass der synodale Weg ein kirchenrechtliches Nullum sei: "Man spielt Synode, aber es ist keine Synode."

Spielen? Das hört sich dann doch nach Beschäftigungstherapie an. In noch keiner Krise hat ein "Vielleicht liebe ich dich ja doch" geholfen. Jetzt gilt: Ja oder nein – tertium non datur! Oder mit den Worten Jesu: "Was darüber hinausgeht, stammt von Bösen." (Mt 5,37)

Von Werner Kleine

Der Autor

Dr. Werner Kleine ist Pastoralreferent im Erzbistum Köln und Initiator der Katholischen Citykirche Wuppertal.

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