Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße nachdenklich
Bischöfe äußern sich zum Start des Reformprozesses

Heße: "Synodaler Weg" soll System-Versagen der Kirche aufarbeiten

Der Umgang mit Macht, die Folgen der Sexualmoral und die Frage nach Frauen in kirchlichen Ämtern – bei diesen Fragen müsse der "synodale Weg" erste Schritte gehen, fordert der Hamburger Erzbischof Stefan Heße. Ähnlich äußerten sich andere deutsche Bischöfe. Ein früherer Kurienkardinal sieht den Prozess dagegen kritisch.

Hamburg/Bonn - 29.11.2019

Hamburgs Erzbischof Stefan Heße hat sich zum Beginn des Reformdialogs in der deutschen katholischen Kirche in einem Brief an die Gläubigen im Erzbistum gewandt. Der "synodale Weg" müsse vor allem das in der Missbrauchsstudie der Bischofskonferenz aufgedeckte "systemische Versagen" der Kirche aufarbeiten, heißt es in dem am Freitag in Hamburg veröffentlichten Schreiben. Der "synodale Weg" beginnt am Sonntag mit Gottesdiensten in zahlreichen Bischofskirchen, die Debatten starten Ende Januar in Frankfurt.

Heße: Umgang mit Macht zentrale Herausforderung

"Zentrale Herausforderungen liegen im Umgang mit Macht und Gewalt in unserer Kirche, aber auch Folgen der Sexualmoral sowie der Form des priesterlichen Lebens in der heutigen Zeit und nicht zuletzt auch in der Frage nach Frauen in Diensten und Ämtern unserer Kirche", so Heße. Die anberaumten Synodalversammlungen und -foren führten zu Überlegungen und Entscheidungen, an deren Ende unterschiedliche Verbindlichkeiten stehen. Manche davon könnten in der Kirche in Deutschland umgesetzt werden, andere nur als Votum für die Weltkirche an den Heiligen Vater übergeben werden.

Linktipp: "Synodaler Weg": Erste Plenarversammlung nicht im Bartholomäus-Dom

Eigentlich sollte die erste Plenarversammlung des "synodalen Wegs" im Frankfurter Bartholomäus-Dom stattfinden. Doch wegen Bauarbeiten wird daraus nun nichts. Laut dem ZdK gibt es aber bereits einen Ausweichort.

Bei allem gehe es um das Prinzip der Synodalität, führt der Erzbischof aus. "Es sind sozusagen die ersten zaghaften Schritte, die wir jetzt gehen", ergänzte Heße.

Auch die Bischöfe Gebhard Fürst und Franz-Josef Overbeck hoffen auf "Schritte nach vorn". Er erwarte einen "fairen Austausch", twitterte Fürst. Ähnlich wie Heße bezog sich der Bischof von Rottenburg-Stuttgart dabei besonders auf die "Frage der Wahrnehmung von Macht" sowie auf das Thema "Frauen in Führungspositionen".

Der Essener Bischof Overbeck setzte auf domradio.de die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in Bezug zum Synodalen Weg. "Deutlich wird: Sexualität, Nähe zum Menschen, wird oft missbraucht, um Machtfragen zu klären und Gewalt auszuüben." Kirche müsse dem künftig entgegenwirken. Eine demokratische Welt lehre vor allen Dingen, Macht zu kontrollieren, fügte Overbeck hinzu. "Das ist ein neues, großes Thema für uns."

Eher skeptisch zeigte sich am Freitag dagegen der frühere Kurienkardinal Walter Kasper. Die Teilnehmer sollten über Dinge reden, "die man in Deutschland ändern kann", anstatt "Maximalpositionen" auszutauschen, mahnte der frühere "Ökumene-Minister" des Papstes ebenfalls auf domradio.de. Gelinge dies nicht, ende der Dialog in Frustration.

Kardinal Walter Kasper

Sieht dem "synodalen Weg" eher skeptisch entgegen: Kardinal Walter Kasper

Der zunächst auf zwei Jahre angelegte Synodale Weg startet offiziell am Sonntag. Dann wird in vielen großen Gotteshäusern eine Synodalkerze entzündet. Nach diesem symbolischen Auftak steht vom 30. Januar bis zum 1. Februar die erste Synodalversammlung in Frankfurt an. Sie ist das höchste Gremium des Synodalen Weges und besteht aus mehr als 200 Menschen. Bis Mitte Dezember soll die Teilnehmerliste komplett sein.

150 Bewerbungen für 15 Plätze

Dem katholischen Jugenddachverband BDKJ liegen auf die 15 von ihm zu besetzenden Plätze 150 Bewerbungen vor, wie die "Süddeutsche Zeitung" (Freitag) berichtet. "Für viele Jugendliche ist es sehr wichtig, hier mitreden zu können", zitiert die Zeitung den BDKJ-Vorsitzenden Thomas Andonie. Wenn aber "nur Wischiwaschi rauskommt, ist die Enttäuschung groß".

Die deutschen Bischöfe und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) wollen mit dem "synodalen Weg" nach dem Missbrauchsskandal verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen. Schwerpunktthemen des zunächst auf zwei Jahre angelegten Projekts sind die Sexualmoral, die priesterliche Lebensform, Macht und Gewaltenteilung sowie die Rolle von Frauen in der Kirche. (gho/KNA)