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Standpunkt

Braucht die Kirche überhaupt noch Priester?

Wozu sind Priester eigentlich da, und braucht die Kirche sie heute überhaupt noch? Diese Fragen stellt sich Pater Max Cappabianca nach einem Gespräch mit einer Studentin, die davon ausgeht, dass es in Deutschland bald keine Priester mehr geben wird.

Von Pater Max Cappabianca |  Bonn - 16.12.2019

Jüngst erklärte mir eine Studentin, das Aussterben des Priesteramts sei eigentlich nur noch eine Frage der Zeit. Es würden doch eh' immer weniger. Am Sonntag könnten Laien Wortgottesdienste feiern. Das würde eine echte Demokratisierung der Kirche bedeuten. Die Betonung der Eucharistie zementiere nur die klerikalen Machtstrukturen. Die Kirche komme nur weiter, wenn sie sich endlich davon befreie.

Ich war ziemlich verblüfft, auch weil sie ihre Sicht mit Verweis auf ihre eigene Mutter begründete, die Gemeindereferentin sei und die sich in dieser Hinsicht engagiere. Diese Feststellung hinderte uns allerdings nicht daran, am selben Tag gemeinsam die Eucharistie zu feiern – mit mir als vorstehendem Priester.

Eines der Foren des "synodalen Wegs" widmet sich dem Thema "Priesterliche Existenz heute". In der Öffentlichkeit wird das vor allem als "Zölibats"-Forum wahrgenommen, bei dem es nur darum gehen solle, den Pflichtzölibat abzuschaffen. Erfahrungen wie die mit der – von mir sehr geschätzten, weil aus ihrem Glauben heraus engagierten – Studentin zeigen mir aber, dass dieses Forum eine weitere Perspektive einnehmen sollte: nämlich die einer zeit- und evangeliumsgemäßen Amtstheologie. Zwar wird auch im Synodalforum "Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche" die Frage nach dem kirchlichen Amt gestellt werden, aber – zurecht – unter einer anderen Perspektive.

Wozu braucht es Priester und/oder Priesterinnen? Was ist ihre Aufgabe? In welchem Verhältnis steht ihre sakramentale "Vollmacht" zur Ausübung von Macht in der Kirche? Was sind eigentlich "hauptamtlich tätige Laien"? Wie verhindert man Klerikalismus unter Amtsträgern, gleich ob geweiht oder nicht geweiht? Kann oder muss die Theologie der Eucharistie weiterentwickelt werden, damit sie auch heute als "Quelle und Höhepunkt" wahrgenommen und gefeiert werden kann?

Ich wünsche mir vom "synodalen Weg" eine von Denkverboten freie Selbstvergewisserung des priesterlichen Amtes in der Kirche. Die Gläubigen und die Amtsträgerinnen und Amtsträger in der Kirche, ob geweiht oder nicht, werden es dem "synodalen Weg" danken!

Von Pater Max Cappabianca

Der Autor

Der Dominikaner Max Cappabianca ist Leiter der Katholischen Studierendengemeinde Hl. Edith Stein in Berlin.

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