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Standpunkt

Papst Franziskus' Aussagen zementieren Geschlechterrollen

Das Nachsynodale Schreiben des Papstes hat Regina Laudage-Kleeberg wütend gemacht. Seine freundlichen Worte können in ihren Augen nicht über das Bild hinwegtäuschen, das Franziskus von Frauen hat.

Von Regina Laudage-Kleeberg |  Bonn - 14.02.2020

Wütend habe ich das Nachsynodale Schreiben des Papstes gelesen – nicht, weil es keine klugen Wegweiser für die Amazonasregion enthalten würde, nein! Wütend, weil es die Essentialisierung der Geschlechter einmal mehr zementiert. Essentialisierung bedeutet, eine Gruppe von Menschen auf bestimmte Merkmale, Eigenschaften oder Rollen zu reduzieren und diese als Teil ihres Wesens darzustellen.

Schon im Kindergarten werden Mädchen und Jungen heute ermutigt, nicht nur mit "geschlechtsangemessenem" Spielzeug zu spielen, sondern sich frei zwischen Puppen und Autos zu entfalten. Die Gleichberechtigung und vor allem die Gleichwertigkeit der Geschlechter ist weltweit ein zentrales Entwicklungsthema. Frauen akzeptieren immer seltener die ihnen zugeschriebene Rolle des schwachen, zarten Geschlechts, das sich passiv und zurückhaltend verhalten soll.

Und dann schreibt "mein" Papst Franziskus, der mir zutiefst sympathisch ist, der viele gute Schritte macht, ernsthaft: "Die Frauen leisten ihren Beitrag zur Kirche auf ihre eigene Weise und indem sie die Kraft und die Zärtlichkeit der Mutter Maria weitergeben." Dies verdiene Wertschätzung, Frauen sollten aber nicht klerikalisiert werden.

Das ist sexistisch. Und es tut mir weh. Das Oberhaupt meiner Kirche bleibt bei Aussagen seiner Vorgänger stehen, die die Hälfte der Menschheit als dem Wesen nach nicht weihefähig darstellen. Seine freundlichen Worte übertünchen die Tatsache nicht, dass er sich Frauen als minderwertiges Geschlecht vorstellt. Der Eucharistie vorstehen, dazu sind sie dem Wesen nach nicht fähig.

Auf Instagram gibt es den Account machtsichvonallein, der sexistische Aussagen stets ironisch auf Männer anwendet und damit stockendes Lachen hervorruft. Jüngst posteten die Macherinnen: "Sind wir wirklich bereit für einen Mann als Bundeskanzlerin?" Die Autorinnen irritieren mit ihren essentialisierenden Fragen – und das bringt zum Nachdenken. Den Satz aus Franziskus' Nachsynodalem Schreiben haben sie auch aufgenommen und gefragt: "Sollten auch Männer zu katholischen Priesterinnen geweiht werden? Päpstin Franziska äußert sich hier deutlich: Die Männer leisten ihren Beitrag zur Kirche auf ihre eigene Weise und indem sie die Kraft und die Zärtlichkeit des Vaters Josef weitergeben."

Liebe Männer, lassen Sie den Satz wirken. Wie fühlt es sich an, auf Kraft und Zärtlichkeit reduziert zu werden und dabei – so nebenher – vom einzig zentralen Amt in Ihrer Kirche ausgeschlossen zu werden? Fühlen Sie sich wertgeschätzt? Ich mich nicht.

Von Regina Laudage-Kleeberg

Die Autorin

Regina Laudage-Kleeberg leitet die Abteilung Kinder, Jugend und Junge Erwachsene im Bistum Essen.

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