Theologin: Kein Spielraum mehr für Priesterweihe von Frauen
Papstaussagen jedoch keine Geringschätzung des weiblichen Geschlechts

Theologin: Kein Spielraum mehr für Priesterweihe von Frauen

Für die Priesterweihe von Frauen sieht die Theologin Katharina Westerhorstmann "keinen Spielraum mehr". Sie verteidigt zudem die jüngsten Aussagen von Papst Franziskus zur Rolle der Frau – und sagt, warum es eigentlich auch keine Diakoninnen braucht.

Köln - 06.03.2020

Die Bonner Theologin Katharina Westerhorstmann hält die Priesterweihe von Frauen in der katholischen Kirche für ausgeschlossen. Seit der Entscheidung von Papst Johannes Paul II. aus dem Jahr 1994 gebe es dafür "keinen Spielraum mehr", sagte sie im Interview der Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln (Freitag). Daher seien für viele Frauen in Deutschland Enttäuschung und Frustration bereits programmiert, wenn darauf beharrt werde. "Wer dies verschweigt, macht sich mitschuldig an der weiteren inneren Abwanderung der Frauen, der dann mehr und mehr eine äußere folgen wird."

Laut Westerhorstmann, die für das Erzbistum Köln an der Reformdebatte Synodaler Weg teilnimmt, stellt sich eher die Frage, wie sich die Gleichberechtigung in der Kirche anders verbessern lasse. Eine vorstellbare Möglichkeit sei die Zulassung von Frauen im Amt eines vatikanischen Nuntius. Damit könnten sie zugleich auch Einfluss auf die Benennung von Bischöfen bekommen. "Hierzu wären kirchenrechtliche Änderungen notwendig, die mir aber möglich scheinen", so die Theologin.

Verteidigung von Äußerung des Papstes zur Rolle von Frauen

Westerhorstmann, die zur Zeit als Gastprofessorin an der katholischen University of Notre Dame im US-Bundestaat Indiana lehrt, verteidigte auch die Äußerung von Papst Franziskus zur Rolle der Frauen in der Kirche im nachsynodalen Schreiben "Querida Amazonia". Darin warnte er vor einer Fixierung auf die Frage des weiblichen Priesteramtes, da es sonst zu einer "Klerikalisierung der Frauen" komme. Aus dieser Aussage auf eine Geringschätzung des Beitrags von Laien zu schließen, sei ein "verheerender Irrtum", meinte die Theologin. Letztendlich gehe es in der Kirche um Nachfolge, die man "als Laie (ob Mann oder Frau) mindestens genauso radikal und vor allem auch überzeugend leben kann wie mit einem (Weihe-)Amt".

Das Frauendiakonat bezeichnete Westerhorstmann als eine in der Kirche noch ungeklärte Frage, die auch im nachsynodalen Schreiben des Papstes nur indirekt thematisiert werde. Allerdings sei es bereits heute so, dass in Gebieten mit wenig Priestern die Glaubensweitergabe und -unterweisung von Frauen gestaltet werde. "Dass dazu das Diakonenamt für Frauen unbedingt notwendig wäre, erschließt sich meines Erachtens nicht von der Sache her", sagte die Theologin.

Mit seinem Apostolischen Schreiben "Ordinatio Sacerdotalis" (OS) vom 22. Mai 1994 wollte Papst Johannes Paul II. die andauernde Diskussion um eine Priesterweihe für Frauen in der katholischen Kirche beenden. Er stellt darin fest: "Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken, dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben." (tmg/KNA)