Stephan Ackermann, Bischof von Trier, am 26. September 2017 in Fulda.
"Für mich ist das auch ein Ausdruck der Nächstenliebe"

Bischof Ackermann ist jetzt offiziell Organspender

Fast 10.000 Menschen stehen in Deutschland auf der Warteliste für ein Spenderorgan – nur ein Zehntel bekommt eines. Für Triers Bischof Stephan Ackermann ist das nicht hinnehmbar. Er hat gehandelt.

Trier - 05.06.2020

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat einen Organspende-Ausweis unterschrieben. "Ich habe mich entschlossen, Organspender zu sein und den Ausweis ausgefüllt. Für mich ist das auch ein Ausdruck der Nächstenliebe", sagte Ackermann laut einer Mitteilung der Diözese am Freitag. Durch die Diskussion über den Gesetzentwurf zur Organspende habe er sich erneut eingehend mit dem Thema befasst, so der Bischof. Unter anderem bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gebe es umfassende Möglichkeiten, sich zu informieren.

"Wir wissen um die schwierige Situation, dass es zu wenige Spenderorgane gibt und Menschen verzweifelt darauf warten", sagte Ackermann weiter. Dabei verwies er auf aktuelle Zahlen: Mehr als 9.500 Menschen stehen in Deutschland auf der Warteliste für ein Spenderorgan. 2018 gab es bundesweit allerdings nur knapp 1.000 Frauen und Männer, die ihre Organe nach ihrem Tod gespendet haben. Obwohl laut Ärzteblatt rund 80 Prozent der Bevölkerung einer Spende positiv gegenüberstehen, haben nur etwa 30 Prozent einen Organspende-Ausweis.

Im Januar hatte der Deutsche Bundestag mit deutlicher Mehrheit die sogenannte erweiterte Zustimmungslösung beschlossen und damit die unter anderen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eingebrachte Widerspruchslösung abgelehnt. In der Zustimmungslösung ist geregelt, dass eine Organentnahme nur möglich ist, wenn der Spender zu Lebzeiten ausdrücklich zugestimmt hat. Die Spende ist also freiwillig, die Bürger sollen aber künftig mindestens alle zehn Jahre auf ihre Bereitschaft zur Organspende angesprochen werden, beispielsweise wenn sie einen Personalausweis beantragen oder einen Arzt aufsuchen. Durch die aktive Auseinandersetzung mit dem Thema soll eine eigenverantwortliche Entscheidung für oder gegen die Organspende getroffen werden. Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) begrüßte diese Regelung. (tmg)