Schachfigur
Standpunkt

Schwester Mary John Mananzan darf nicht sterben

Thomas Seiterich fordert Solidarität mit der vom philippinischen Machthaber Duterte als "Terroristin" bezeichneten Ordensfrau Mary John Mananzan. Und er fragt sich: Wann endlich macht ein Papst Frauen wie die feministische Dritte-Welt-Theologin zu Kardinälinnen?

Von Thomas Seiterich |  Bonn - 16.07.2020

Ich lernte Mary John Mananzan vor vielen Jahren, 1986 im Zusammenhang mit der Rosenkranzrevolution auf den Philippinen kennen. Sie fegte 1986 Diktator Marcos aus dem Amt. Sister Mary John und viele Nonnen standen in der vordersten Reihe beim gewaltfreien Kampf, der erfolgreich endete und die Demokratin und engagierte Katholikin Coranzon Aquino an die Regierung brachte.

Sister Mary John - studiert in Münster und an der Gregoriana in Rom - wurde nicht Ministerin. Sie erfand die feministische Dritte-Welt-Befreiungstheologie und war rund um den Globus dafür tätig. Als Lehrerin und Organisatorin.

Jetzt wird sie auf Facebook in den Philippinen zur "Terroristin" erklärt. Urheber ist eine Regierungsmitarbeiterin von Staatspräsident Rodrigo Duterte, der Papst Franziskus als "Drecksack" bezeichnete und Tausende Ermordungen von kleinen Drogennutzern und -Dealern zu verantworten hat.

Das internationale Hilfswerk Missio hat sofort reagiert: das "Red Targeting" gegen Schwester Mananzan bedeute eine akute Lebensbedrohung, denn so würden Opfer öffentlich markiert und zugleich signalisiere die Regierung, dass etwaige Mörder keine Strafverfolgung zu befürchten hätten. Der Aachener Missio-Präsident Dirk Bingener sagt: "Vorwürfe dieser Art sind oft ein versteckter Aufruf an Paramilitärs, die angeschuldigte Person zu ermorden."

Mary John Mananzan - eine große Theologin, Frauenkämpferin und Netzwerkerin mit Menschenfreundlichkeit und unerschütterlichem Humor. Wann endlich macht ein Papst erfahrene und extrem bewährte Kirchenfrauen wie die 82-jährige Philippinin zu Kardinälinnen der katholischen Weltkirche? Gewiss, der Kirchenrechtsparagraph 351 von 1983 schreibt die Priester- und Bischofsweihe vor. Papst Johannes Paul II., der dafür Verantwortliche, wollte 1983 ein für allemal das Kardinalsamt für Frauen und für Laien verrammeln. Dies ist eine derjenigen Entscheidungen des insgesamt einzigartigen Pontifex aus Polen, die es zu korrigieren gilt.

Paragraphen sind änderbar. Auch im Kirchenrecht von 1983. Doch viel wichtiger ist aktuell Solidarität via missio-hilft.de und Druck auf die Bundesregierung, damit die großartige Schwester und Kirchenführern Mary John Mananzan überlebt.

Von Thomas Seiterich

Der Autor

Thomas Seiterich ist Ständiger Mitarbeiter der Zeitschrift "Publik-Forum".

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