Kardinal Paul Josef Cordes und Kardinal Lopez Trujillo im Gespräch
Dokument stehe "auf festem Glaubensfundament"

Kardinal Cordes verteidigt Vatikan-Instruktion und kritisiert Bischöfe

Für den deutschen Kurienkardinal Paul Josef Cordes steht die Vatikan-Instruktion auf einem festen Glaubensfundament. Er glaubt: Bischöfe, die auf das Weihesakrament für die Pfarrei-Leitung verzichten wollten, "propagieren einen Irrweg".

Vatikanstadt - 29.07.2020

Der deutsche Kardinal Paul Josef Cordes hat die Vatikan-Instruktion zu Pfarreien verteidigt und gleichzeitig die deutschen Bischöfe kritisiert. "Wie immer gibt auch diesmal solide Theologie dem Kirchenrecht seine Verbindlichkeit", schrieb Cordes am Dienstag in einem Gastbeitrag für den Pressedienst CNA deutsch. Solche theologische Stringenz sei auch beim Ausschluss von Laien für die Leitung der Pfarrgemeinde gegeben. "Theologisch unzutreffend ist darum das große Lamentieren im deutschen Episkopat gegen solche Klarstellung. Diese steht nämlich auf festem Glaubensfundament." 

Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-65) habe bereits festgelegt, dass Priester anstelle Christi handelten. Nicht ein Amtsträger, sondern Christus selbst sei Akteur des Heilsgeschehens. "Solche Zusicherung darf bei allen kirchlichen Struktur-Spekulationen nicht übersehen werden. Sonst verdunkelte sich in der Kirche die Wahrheit, dass erst Christus all ihrem Wirken Fruchtbarkeit gibt."

"Nicht Klerikalismus steht hier Pate"

Nicht nur eine "bedenkliche Profanierung des kirchlichen Amtes" widerspreche der Idee, Laien als Gemeindeleitung einzusetzen. "Dieser Vorschlag wird zudem hinfällig, wenn die geistliche Abhängigkeit der drei priesterlichen Tätigkeiten voneinander beachtet wird." Die Funktionen des Lehrens, Heiligens und Regierens hätten zwar eigene Ausdrucksformen, seien theologisch aber untrennbar voneinander abhängig.  

Zu beklagen sei zwar, dass "Priester in ihrer Schwäche immer wieder hinter diesem hohen theologischen Anspruch zurückbleiben", so Cordes. "Dann wollen selbst gute Christen das 'klerikale Monopol brechen'. Doch wer garantiert, dass nicht-geweihte Vollmachtsträger – einmal bestellt – ihre Kompetenz nicht missbrauchen würden?", fragte der emeritierte Kurienkardinal in seinem Beitrag.

Das Kirchenrecht bestehe darauf, dass dem möglichen Seelsorge-Engagement von Laien in einer Gemeinde ein Priester vorzustehen habe. "Nicht Klerikalismus steht hier Pate", schreibt Cordes. Organisatorische Probleme für Seelsorgestrukturen seien heute zwar nicht von der Hand zu weisen. Trotzdem werde Gemeindeleitung ermöglicht durch die Christusbeziehung, die aus dem Weihesakrament stamme. Dies sei im Neuen Testament und in der Kirchengeschichte belegt. "Die Kirche und ihre Instanzen können Leitungsvollmacht nicht aus eigener Kompetenz vergeben", so der Kardinal. "Wer aber diese gebotene theologische Liebe Fundierung der Leitung im Sakrament des ORDO missachtet, betreibt den Prozess kirchlicher Säkularisierung und fördert die notorische und beklagte moderne ‘Gott-Vergessenheit' (Papst Benedikt XVI.)", schrieb Cordes weiter. 

Wenn katholische Bischöfe für die Leitung der Pfarrgemeinde auf das Weihesakrament verzichten wollen, propagieren sie nicht nur einen theologischen Irrweg. Sie sägen vielmehr den Ast ab, auf dem sie selbst sitzen; ja, sie betreiben gleichsam eine Art von Selbstverstümmelung.

Zitat: Kardinal Paul Josef Cordes

"Wenn katholische Bischöfe für die Leitung der Pfarrgemeinde auf das Weihesakrament verzichten wollen, propagieren sie nicht nur einen theologischen Irrweg. Sie sägen vielmehr den Ast ab, auf dem sie selbst sitzen; ja, sie betreiben gleichsam eine Art von Selbstverstümmelung." Sobald die Leitungsvollmacht nicht mehr sakramental von Gott getragen sei, gelte das nicht nur für die niedere Stufe des priesterlichen Ordo, sondern auch für die höhere Stufe desselben Sakraments. "Demnach würden nicht nur Priester, sondern alle kirchlichen Amtsträger delegitimiert", so Cordes. "In wessen Namen sprächen dann Bischöfe – in dem ihres akademischen Titels; in dem des Domkapitels, das sie wählte?" 

Kardinal Paul Josef Cordes wurde im Sauerland geboren1961 zum Priester und 1976 zum Weihbischof in Paderborn geweiht. 1980 ernannte Papst Johannes Paul II. Cordes zum Vizepräsidenten des Päpstlichen Rates für die Laien, 1995 wurde er Präsident des Päpstlichen Rates "Cor Unum"Seit 2007 ist Cordes Mitglied des Kardinalskollegiums.

Große Mehrheit der deutschen Bischöfe übt Kritik

Am Montag der vergangenen Woche hatte die vatikanische Kleruskongregation die Instruktion "Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche" veröffentlicht. Sie besagt unter anderem, dass Laien von der Gemeindeleitung ausgeschlossen sind. Auch Teams aus Geweihten und Nicht-Geweihten sind demnach nicht zulässig. Stattdessen wird die Leitungsrolle des Pfarrers betont. Die große Mehrheit der deutschen Bischöfe übte Kritik an dem Papier und bezeichnete es unter anderem als realitätsfern und rückwärtsgewandt. Der Osnabrücker Bischof Franz Josef Bode etwa sieht in dem Papier eine "Umkehr zur Klerikalisierung".Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick bezeichnete das Dokument als theologisch defizitär. Einige Oberhirten kündigten an, trotz der Instruktion an ihren Plänen zu Pfarreireformen festzuhalten. 

Andere Bischöfe hingegen begrüßten das Dokument wegen seiner missionarischen Stoßrichtung, beispielsweise der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, der Augsburger Bischof Bertram Meier und der Eichstätter Oberhirte Gregor Maria Hanke. Auch der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper erklärte, dass er dem Dokument Positives abgewinnen könne. (cbr