Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK).
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"Das Gottesvolk ist längst weiter"

ZdK-Präsident Sternberg: Vatikan-Instruktion nicht allzu ernst nehmen

Sind Kirchenvorstände oder Pfarrgemeinderäte nur "reine Hilfsgremien"? Dieser Einschätzung des Vatikan in seiner Pfarreien-Instruktion widerspricht ZdK-Präsident Thomas Sternberg deutlich. Zugleich könne man bezüglich des Dokuments gelassen bleiben.

Freiburg - 27.08.2020

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, hat die Vatikan-Instruktion zu Pfarreireformen erneut kritisiert. In der "Herder Korrespondenz" (September) nennt Sternberg die vatikanische Einschätzung "realitätsfremd", wonach alle Räte in den Pfarreien "reine Hilfsgremien" seien. In Deutschland seien Kirchenvorstände seit 1881 staatskirchenrechtlich als Entscheidungsgremien etabliert. Auch Pfarrgemeinderäte seien in der Praxis längst zu wichtigen Entscheidungsgremien geworden.

"Das Gottesvolk ist längst weiter"

Sternberg wörtlich: "Das Gottesvolk ist längst weiter." Künftig würden sogar "noch viel mehr engagierte weibliche und männliche ehrenamtliche Laien gebraucht". Der ZdK-Chef fordert Gelassenheit im Umgang mit der Instruktion. Solche Texte solle man "nicht allzu ernst nehmen". Ärger lohne nicht und verstelle "wieder einmal das glaubwürdige missionarische Zeugnis über die Freude am Evangelium". Die Suche nach neuen Lösungen werde durch das Papier nicht gestoppt, sondern motiviert.

Die Instruktion aus dem Vatikan war am 20. Juli vorgelegt worden. Etliche Bischöfe hatten sich sehr kritisch zu dem Papier geäußert, andere hatten es gelobt. Zentrale Themen der Instruktion sind das Vorgehen bei der Zusammenlegung oder der Aufhebung von Pfarreien, die Stellung des Pfarrers, die Beteiligung von Nichtpriestern an Seelsorge und Gemeindeleitung sowie Fragen von Spenden und Gebühren für gottesdienstliche Feiern. Das Schreiben setzt dabei klare Grenzen für Reformen. Bestrebungen, die Leitung von Pfarreien beispielsweise Teams aus Priestern und kirchlich engagierten Laien anzuvertrauen, widerspricht die Instruktion. Laien können demnach zwar mitwirken an der Gemeindeleitung, doch tatsächlich leiten, verwalten, moderieren und koordinieren dürfen nur Priester.

Nach den überwiegend kritischen Rückmeldungen aus Deutschland hatte der Präfekt der verantwortlichen Kongregation für den Klerus, Kardinal Beniamino Stella, den deutschen Bischöfen ein klärendes Gespräch zur Instruktion im Vatikan angeboten. Nach Angaben von Montag will der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Limburgs Bischof Georg Bätzing, das römische Gesprächsangebot annehmen und zugleich der Kleruskongregation vorschlagen, das Gespräch mit dem Präsidium des Synodalen Wegs zu führen, "da Bischöfe, Priester, Diakone und Laien in der Instruktion gleichermaßen angesprochen werden". Die Entscheidung, auch Laien an den Gesprächen zu beteiligen, war vom ZdK begrüßt worden. (tmg/KNA)