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Die Arbeit in den Synodalforen braucht mehr Transparenz

Der Offene Brief von Bischof Voderholzer hat kurz vor den Regionaltreffen des Synodalen Wegs für Wirbel gesorgt. Doch die Kritik des Oberhirten könnte dazu führen, dass der Reformprozess transpatenter wird, hofft Roland Müller.

Von Roland Müller |  Bonn - 04.09.2020

Die ohnehin schon umfangreiche Themenliste der Regionenkonferenzen des Synodalen Wegs ist wohl kurzfristig um einen Punkt länger geworden: Die Pressesprecher des kirchlichen Reformprozesses haben gestern angekündigt, dass dort auch der Offene Brief von Bischof Rudolf Voderholzer Thema sein könnte. Der Regensburger Oberhirte hatte darin vor wenigen Tagen scharfe Kritik am Frauenforum des Synodalen Wegs geübt: Die Textvorlage zum Thema Frauen und Ämter, die auf den Regionaltreffen von den Synodalen besprochen werden soll, sei nicht wie zuvor abgesprochen in einer letzten Abstimmungsrunde verabschiedet worden. Voderholzer habe "keinerlei Möglichkeit" gehabt, sich "zu diesem Text zu verhalten".

In dieser brenzligen Situation, in der ein bedeutender Teil der Arbeit des Synodalen Wegs in der Kritik steht, hat Bischof Georg Bätzing nun genau richtig reagiert: Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Präsident des Reformprozesses hat angekündigt, dass genau geprüft werde, ob eine Verletzung der Satzung stattgefunden habe, so wie sein Amtsbruder Voderholzer es beklagt hatte. Gegebenenfalls müssten Fehler transparent gemacht und korrigiert werden. Gerade weil die Anschuldigungen Voderholzers so schwerwiegend sind, ist die Reaktion Bätzings so wichtig. Schließlich stehen das Ansehen und die Glaubwürdigkeit des Synodalen Wegs auf dem Spiel.

Allen Teilnehmern des Synodalen Wegs dürfte klar sein, dass der Reformprozess nur im Miteinander gelingen kann – so wie Kirche überhaupt. Es darf kein Gegeneinander zwischen Klerikern und Laien, Männern und Frauen und auch nicht zwischen vermeintlichen Bewahrern und Reformorientierten geben. Um einen gemeinsamen Weg in die Zukunft zu finden, braucht es einen ehrlichen und wertschätzenden Umgang miteinander. Dazu gehört auch, dass man sich an die zuvor gemeinsam beschlossenen Verfahren hält.

Wo genau es bei der Entstehung oder Verabschiedung der kritisierten Textvorlage im Argen lag, ist zwar noch nicht klar, denn die anderen Mitglieder des Frauenforums haben sich bislang nicht zu Voderholzers Vorwürfen geäußert. Doch der Vorfall führt etwas eindrücklich vor Augen: wie sehr die Glaubwürdigkeit des Synodalen Wegs auch an seiner Transparenz hängt. Denn anders als die Synodalversammlungen finden die Beratungen in den Foren hinter verschlossenen Türen statt. Es wäre also durchaus angebracht, wenn Voderholzers Kritik hier zu einem Umdenken führt. Mehr Transparenz würde dazu führen, dass sich alle Katholiken in Deutschland, die Interesse daran haben, auf dem Synodalen Weg mitgenommen fühlen.

Von Roland Müller

Der Autor

Roland Müller ist Redakteur bei katholisch.de

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