Bayerns Ministerpräsident Markus Söder steht vor einem Kruzifix.
Bayerische Bischöfe hatten sich an Staatsregierung gewandt

Ausgangssperre an Heiligabend: Söder macht keine Ausnahmen für Kirchen

Ministerpräsident Markus Söder bleibt hart: Die Ausgangssperre in Bayern bleibt auch an Heiligabend in Kraft und sie gilt für alle – auch die Kirchen. Zuvor hatten die bayerischen Bischöfe Kritik geübt und für eine Ausnahmeregelung plädiert.

München - 15.12.2020

An Heiligabend wird bei der ab 21 Uhr geltenden Ausgangssperre in Bayern keine Ausnahme gemacht. Das kündigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Dienstag in seiner Regierungserklärung im Bayerischen Landtag an. "Es gilt die Ausgangssperre für Silvester und auch für Weihnachten. Und es gilt für alle." Es werde keine Sonderregelung geben, auch nicht für Familien und Kirchen. Damit könnten die Kirchen ihre abendlichen Christmetten, die meist um 22 Uhr oder später beginnen, nicht feiern.

Im Freistaat gilt Corona-bedingt von 21 bis 5 Uhr eine Ausgangssperre. Bisher hatte es geheißen, Besucher von Christmetten sollten davon ausgenommen sein. Am Montag aber forderte Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU), auch Gottesdienstbesucher sollten bis 21 Uhr wieder daheim sein. Die katholische und die evangelische Kirche reagierten in unterschiedlicher Weise. Die sieben katholischen Diözesanbischöfe baten "dringend" darum, "dass diese schmerzhafte Entscheidung der Ausgangssperre an Heiligabend eine einzige Ausnahme erfahren kann". Der evangelische Landeskirchenrat sprach von einem "schmerzlichen Eingriff" und sagte alle zu später Stunde geplanten Christmetten und Vespern ab. Man sehe dies als Teil einer großen Kraftanstrengung, um auf die Pandemie entsprechend zu reagieren.

Des Ernstes der Lage voll bewusst

Die katholischen Bischöfe seien sich des Ernstes der Lage voll bewusst, hieß es. Alle betonten ihr Anliegen, dass von den Weihnachtsgottesdiensten kein erhöhtes Infektionsrisiko ausgehen dürfe. Ihrer Ansicht nach würde aber die zeitliche Ausweitung der Gottesdienste über den ganzen Abend hinweg das Infektionsrisiko mindern - im Gegensatz zu einer Verdichtung in der Zeit vor 19:30 Uhr. Es wurde zudem darauf verwiesen, dass für alle Pfarreien strenge Hygienekonzepte entwickelt worden seien, auch persönliche Platzkarten würden vergeben. Zudem sei das Gottesdienstangebot über den Nachmittag und Abend erheblich erweitert und somit entzerrt worden.

Der Augsburger Bischof Bertram Meier kritisierte, von der neuen Entwicklung förmlich überrumpelt worden zu sein. "Eine stabile Brücke zwischen Staat und Kirche, die durch Krisen trägt, stelle ich mir anders vor." Weiter erklärte er: "Das Virus kennt keine Uhrzeit." Gleichwohl bat der Bischof die Seelsorger und Gläubigen seines Bistums, "trotz des Schmerzes" die Gottesdienste an Heiligabend so zu feiern, dass die Menschen vor 21 Uhr wieder daheim sein könnten. Auch die Christmetten in der Diözese Würzburg wurden nach Aussage von Generalvikar Jürgen Vorndran alle zeitlich vorverlegt.

Zuvor hatte der Münchner Kardinal Reinhard Marx bereits betont, die Ausgangssperre ab 21 Uhr am Heiligen Abend "wäre für uns sehr schmerzhaft". Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer führte in einer Predigt vor Mitarbeitern aus, die Bischöfe hätten angeboten, alle Vorkehrungen zu treffen, dass die Erlaubnis nicht unterlaufen würde. So könnten fälschungssichere Bescheinigungen (namentlich ausgestellt und mit Siegel des jeweiligen Pfarramts versehen) ausgehändigt werden. Bei ihm im Bistum gelte seit Monaten das Motto: "Wir lassen nichts ausfallen, wir lassen uns etwas einfallen." (tmg/KNA)

15.12., 19:30 Uhr: Ergänzt um Voderholzer. /rom