Zeichen angesichts eines aufflackernden Antisemitismus in der Gesellschaft

Theologe Tück für Wiedereinführung des Fests "Beschneidung des Herrn"

Aktualisiert am 01.01.2021  –  Lesedauer: 

Köln ‐ Bis 1960 wurde in der katholischen Kirche am 1. Januar die "Beschneidung des Herrn" gefeiert. Der Theologe Jan-Heiner Tück plädiert dafür, das Fest wieder einzuführen. Dass das unter Papst Franziskus geschieht, sei nicht "völlig unwahrscheinlich".

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Der Wiener Theologe Jan-Heiner Tück spricht sich für die Wiedereinführung des Festtags der Beschneidung Jesu in der katholischen Kirche aus. Angesichts eines gesellschaftlich wieder aufflackernden Antisemitismus seien die Kirchen aufgerufen, "an der Seite der Juden zu stehen", sagte Tück am Freitag in einem Interview des Deutschlandfunks. "Und in diesem Zusammenhang hat eben auch das Ritual der Beschneidung eine besondere Bedeutung."

Das Christentum sei aus dem Judentum hervorgegangen, die Beschneidung stelle bis heute einen "Identitätsmarker für Juden". Man könne darüber hinaus daran erinnern, "dass fast ein Drittel der männlichen Weltbevölkerung beschnitten ist", so Tück. "Das Zeichen der Beschneidung berührt kulturelle, religiöse, medizinische und auch noch andere Aspekte."

Das Fest "Beschneidung des Herrn" wurde in der katholischen Kirche am 1. Januar, dem Oktavtag von Weihnachten, gefeiert – bis zu Änderungen im kirchlichen Kalender durch die Rubriken-Neuordnung von 1960, die das Fest nicht mehr berücksichtigte, sondern nur noch den Oktavtag. Seit 1969 wird am 1. Januar vorrangig das Hochfest der Gottesmutter Maria begangen. Tück ist Herausgeber eines unlängst im Verlag Herder erschienenen Bandes mit Aufsätzen zu dem Thema. Ein Vorwort steuert Kurienkardinal Walter Kasper bei.

Auch Kardinal Marx für Wiedereinführung

Bereits im vergangenen Jahr hatte der Münchner Kardinal Reinhard Marx eine mögliche Wiedereinführung des Festes begrüßt. Es gehe darum, "das, was uns verbindet, deutlich zu machen", ergänzte der damalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz mit Blick auf die Beziehungen von Christen und Juden. Zuvor hatte sich auch auch der Provinzial der Schweizer Jesuiten, Christian Rutishauser, für eine Wiedereinführung des Festes ausgesprochen: Er habe dazu den Päpsten Benedikt XVI. und Franziskus Papiere mit der entsprechenden Bitte vorgelegt.

Auf die Frage, wie Papst Franziskus das Thema sehe, antwortete Tück im Interview des Deutschlandfunks: "Man weiß von ihm, dass er sehr sensibel im Blick auf das Judentum ist. Insofern ist es nicht völlig unwahrscheinlich, dass er sich diesen Vorstoß auch zu eigen macht." Allerdings habe es aus der dafür zuständigen Gottesdienstkongregation bislang keine Signale gegeben. In der katholischen Kirche bräuchten Reformen erfahrungsgemäß viel Zeit. "Ich habe da jetzt keine große Ungeduld." (mal/KNA)

02.01.2020, 11.45 Uhr: Angaben zum Jahrestag der Abschaffung des Fests der Beschneidung des Herrn korrtigiert.