Bischof Franz-Josef Overbeck
Virus sei real und seine Ausbreitung verursache fatale Folgen

Bischof Overbeck: Corona-Leugner auf "gefährlichem Irrweg"

Essens Bischof Franz-Josef Overbeck stellt sich Corona-Leugnern entgegen: Wer von einer "Corona-Diktatur" spreche, sei auf einem "gefährlichen Irrweg". Gleichzeitig betont er die Lehren aus der Krise – auch für das Glaubensleben in der Kirche.

Essen - 08.01.2021

Für den Essener Bischof Franz-Josef Overbeck befinden sich Corona-Leugner auf einem "gefährlichen Irrweg" und handeln "verantwortungslos". "Mit dem christlichen Glauben sind solche Thesen nicht zu vereinbaren. Sie helfen niemandem, sondern verschärfen die Krise, weil sie Misstrauen säen gegenüber all' denjenigen, die derzeit alles versuchen, um die Pandemie einzudämmen", schreibt Overbeck in seinem Bischofswort zum ersten Januar, das das Bistum am Freitag veröffentlichte. Das Virus sei real und seine Ausbreitung verursache die fatalen Folgen, die die Bevölkerung zu spüren bekomme.

Zugleich bekundete Overbeck Verständnis für alle, die in der Pandemie Sorgen oder Ängste hätten. Zudem dürfe und müsse über die richtigen Maßnahmen zur Bewältigung des Virus gerungen werden, es gebe keine Patentrezepte "und auch Wissenschaftler und Politiker bleiben Suchende in Krisenzeiten", so der Essener Bischof. Es sei allerdings auffallend, dass "rechtspopulistische und rechtsextreme Bewegungen die Corona-Krise nutzen, um unsere Demokratie zu beschädigen".

Die Dramatik der Situation sei groß, so Overbeck. Angesichts von Stillstand der Gesellschaft, Einsamkeit und Streit in Familien gebe es keine einfachen Lösungen. Ihm sei das Bild einer verbeulten Kirche in den Kopf gekommen, wie es Papst Franziskus in "Evangelii gaudium" beschreibe. "In vielfacher Weise können wir heute von einer 'verbeulten Welt' sprechen, die verletzt und beschmutzt ist, hin und her gerissen von den Anforderungen und Veränderungsprozessen des Alltags." Die Kirche sei hier – wiederum in den Worten des Pontifex – ein "Feldlazarett nach einer Schlacht". Das führe zum Ursprung des Glaubens, zu Jesus Christus zurück. "Er erinnert uns daran, dass wir Menschen sein sollen, die ganz aus Gott heraus leben, sich für andere einsetzen und hier auch Trost und Kraft für diesen Einsatz finden."

In Krise neue Ressourcen entdeckt

Die Krise sei deshalb auch eine Chance, "unser persönliches, gesellschaftliches und kirchliches Leben kritisch zu hinterfragen und im guten Sinn zu reformieren". Zusätzlich seien neue Ressourcen entdeckt worden. "Es gibt eine große Solidarität unter den Menschen, verbunden mit einem hohen Maß an Improvisation und Kreativität." Das Engagement aus dem christlichen Glauben heraus sei auch gefragt: Die Nächstenliebe bestimme die Prioritäten, nichts dürfe davor Vorrang haben. "Als Christen können wir in dieser Zeit mithelfen, besonnen, zuversichtlich und solidarisch zu bleiben."

Auch das Glaubensleben könne in der Pandemie überdacht werden, findet der Essener Bischof. Ohne das gottesdienstliche Leben im Frühjahr sei ihm nur das stille, einsame, kontemplative Gebet geblieben. "Liegt darin auch eine Entdeckung für unser weiteres kirchliches Leben, das oft von einer hohen Betriebsamkeit geprägt ist?" Die Krise habe zu größerer Flexibilität geführt, auch und gerade im digitalen Bereich. "Und nicht zuletzt sind auch unsere Konfessionen und Religionen neu zusammen gerückt im Gebet und in der Verbundenheit des Glaubens an den einen Gott."

An der Erfahrung, dass es in der Kirche im Wesentlichen auf Gebet und Caritas ankomme, könnten sich "auch manche innerkirchliche Diskussion neu ausrichten", schreibt Overbeck. In ihm sei eine gewisse Demut entstanden in dieser Zeit. "Demut steht doch am Anfang eines Weges, der nicht mehr vom Druck des immer schneller, immer besser, immer höher bestimmt ist, sondern der uns zu mehr Bescheidenheit führt im privaten, öffentlichen und auch kirchlichen Leben." Auf diesem Weg biete Gott seine Freundschaft an. Alle Menschen seien eingeladen, "mit unserer Schwachheit, Schutzlosigkeit, Endlichkeit und Sterblichkeit daran erinnert zu werden, dass es den lebendigen Gott gibt, der uns trägt, hält, heil macht und schließlich am Ende das neue Leben in seiner Ewigkeit schenken wird." (cph)