Generalvikar Ansgar Thim leitet Erzbistum Hamburg
Papst hat Amtsverzicht von Erzbischof Heße noch nicht angenommen

Generalvikar Ansgar Thim leitet Erzbistum Hamburg

Nach dem angebotenen Amtsverzicht von Erzbischof Stefan Heße übernimmt Generalvikar Ansgar Thim die Leitung des Erzbistums Hamburg kommissarisch. Angenommen hat der Papst Heßes Rücktritt aber noch nicht.

Hamburg - 19.03.2021

Nach dem Angebot des Amtsverzichts von Erzbischof Stefan Heße an Papst Franziskus leitet jetzt Generalvikar Ansgar Thim kommissarisch das Erzbistum Hamburg. Wie die Erzdiözese am Freitag mitteilte, wird Thim in der Leitung durch Alexander Becker, Verwaltungsdirektor des Erzbistums, und Weihbischof Horst Eberlein unterstützt. Im Rahmen seiner neuen Aufgabe habe Thim bereits erste Termine wahrgenommen, hieß es. Thim ist seit 2013 Generalvikar im Erzbistum und leitete die Diözese bereits in der Sedisvakanz von 2014 bis 2015 als Diözesanadministrator.

Als Konsequenz aus dem am Donnerstag vorgestellten Kölner Missbrauchsgutachten hatte Heße am Donnerstagabend dem Papst seinen Rücktritt angeboten und ihn um eine sofortige Entpflichtung von seinem Amt gebeten. Damit wolle er "Schaden vom Amt des Erzbischofs und vom Erzbistum Hamburg" abwenden, sagte Heße in einer persönlichen Erklärung. Er betonte zudem, "immer nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt" zu haben. Heße ist seit 2015 Erzbischof von Hamburg und war zuvor ab 2006 Personalchef und von 2012 bis 2015 Generalvikar im Erzbistum Köln. Ihm werfen die Kölner Gutachter insgesamt elf Pflichtverletzungen vor.

Noch keine Annahme des Amtsverzichts

Unterdessen wurde bekannt, dass Papst Franziskus den angebotenen Rücktritt am Freitag noch nicht angenommen hat. Insgesamt vier Bischöfe wurden an dem Tag nach Mitteilung des Vatikan in den Ruhestand versetzt. Die angebotenen Rücktritte Heßes und des Kölner Weihbischofs Dominikus Schwaderlapp wurden dabei nicht berücksichtigt. Auch Schwaderlapp hatte im Zusammenhang mit der Missbrauchsaffäre des Erzbistums Köln seinen Posten dem Papst zur Verfügung gestellt.

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken erklärte am Freitag, dass eine Zusammenarbeit mit Heße nicht mehr möglich sei. "Die Vorgänge im Anschluss an die Veröffentlichung des Gutachtens für das Erzbistum Köln zeigen, dass die Grundlage für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit aus Sicht des ZdK nicht mehr gegeben ist", stellte das ZdK-Präsidium in einer gemeinsamen Erklärung fest. Heße war seit November 2016 Geistlicher Assistent des ZdK. Ab November 2020 hatte der Hamburger Erzbischof dieses Amt wegen der öffentlichen Debatte über die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Köln ruhen lassen. (tmg)

19.3., 13:45 Uhr: Ergänzt um ZdK.