Kloster-Arzt übt nach Corona-Ausbruch scharfe Kritik an Behörden
Bild: © Julia Martin
Münsterschwarzacher Mönche waren ganz auf sich alleine gestellt

Kloster-Arzt übt nach Corona-Ausbruch scharfe Kritik an Behörden

Im Kloster Münsterschwarzach gibt es aktuell mehrere Corona-Fälle. Die Abtei hat umfassende Maßnahmen getroffen, um weitere Infektionen zu verhindern. Doch von den zuständigen Behörden erhielten die Mönche nur unzureichende Unterstützung.

Münsterschwarzach - 17.04.2021

Nach einem Corona-Ausbruch in der unterfränkischen Benediktinerabtei Münsterschwarzach wird aus dem Kloster scharfe Kritik an den Behörden laut. Die Mönchsgemeinschaft sei ganz auf sich alleine gestellt gewesen, heißt es in einem am Samstag auf der Internetseite des Klosters veröffentlichten Textes von Konvent-Arzt Bruder Ansgar Stüfe. "Alle Empfehlungen, die es offiziell dazu gibt, sind völlig unzureichend." Das zuständige Landratsamt Kitzingen wies die Vorwürfe zurück.

Landrätin Tamara Bischof (Freie Wähler) erklärte, das Gesundheitsamt habe nicht nur rechtlich korrekt gehandelt, sondern das Kloster bestmöglich unterstützt. Die Verantwortlichen seien mehrmals täglich "im regen Austausch" mit dem Kloster-Arzt gestanden, dieser habe dabei keine Kritik geäußert. Deshalb sei man "sehr verwundert" über die Veröffentlichung.

Stüfe prangerte auch die Verweigerung der Impfung für den gesamten Konvent, in dem viele alte Mönche leben, an. Klöster in anderen bayerischen Landkreisen seien dagegen bereits komplett durchgeimpft. Vonseiten der Behörden hieß es, dies sei aufgrund der Knappheit des Impfstoffs im Februar nicht möglich gewesen. Allerdings seien ab 4. März 41 Personen der höchsten Priorität in der Abtei zweifach geimpft gewesen.

Abtei begann früh mit eigenen Testungen

Im konkreten Fall des Ausbruchs habe er via Antigen-Schnelltests den ersten Fall sofort identifiziert. Es folgte eine Reihentestung des gesamten Konvents. Dabei sei ein weiterer Infizierter entdeckt worden, berichtet Stüfe. Daraufhin habe die Mönchsgemeinschaft alle Gottesdienste abgesagt, sich in Selbstisolation begeben und die positiv getesteten Mitbrüder im derzeit geschlossenen Gästehaus isoliert.

Weitere, zunächst tägliche Schnelltests, hätten vier weitere Fälle erkennen lassen. Alle seien durch PCR-Tests bestätigt worden. Zwei Mitbrüder seien ohne Symptome gewesen. "Diese hätten wir ohne Testung gar nicht entdeckt", so der Arzt. Das zuständige Gesundheitsamt Kitzingen dagegen habe dem Konvent den PCR-Test erst für den Zeitpunkt nach zehn Tagen angeboten, um die Gesamtzahl festzustellen. "Hätten wir nichts anderes gemacht, wären sehr viel mehr Mitbrüder erkrankt."

Vom Gesundheitsamt würden "zahllose Papiere versandt, die in ihrer Aufmachung und Inhalt geradezu grotesk sind", schreibt Stüfe. "Die Vorgänge beim Auftreten positiver Fälle scheinen nicht mit der Grundregel medizinischer Information abgeglichen zu sein." Medizinische Laien könnten nur wenig davon aufgreifen. "Alle langen komplizierten Texte sind das Papier nicht wert."

Schon früh habe die Abtei begonnen, Mitbrüder und Mitarbeitende bei Erkältungssymptomen zu testen. Stüfe kritisierte, dass in den Empfehlungen der Regierung bei einem Gruppenausbruch die Antigen-Tests gar keine Rolle spielten. "Aber nur so konnten die Fälle rechtzeitig erkannt werden, bevor andere angesteckt wurden." Dies sei auch mit Blick auf die vielen weltlichen Mitarbeiter des Klosters und die Kunden der Werkstätten nicht unerheblich.

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Scharfe Kritik äußerte Stüfe ferner daran, dass nicht der gesamte Konvent bei der Impfung als Gemeinschaftsunterkunft eingestuft worden sei. Ein ursprünglich geplanter Impftermin am 11. Februar sei kurzfristig abgesagt worden. Nur in Priorisierungsgruppen eingestufte einzelne Mönche seien geimpft worden. Landrätin Bischof habe sich formal darauf zurückgezogen, dass ein Kloster nicht in der entsprechenden Verordnung als Gemeinschaftsunterkunft aufgeführt sei.

Eine Einstufung als Gemeinschaftseinrichtung sei nach Prüfung "durch die zuständige Staatsjuristin" und Abstimmung mit der Regierung von Unterfranken nicht möglich gewesen, so das Landratsamt. Gesetzlich seien damit Einrichtungen mit prekären Lebensverhältnissen gemeint, etwa Obdachlosenunterkünfte. Es habe für die Behörde "keinerlei Spielraum" bei Auslegung dieser Vorschrift gegeben.

Die Kommunalpolitik setze nur wörtlich definierte Impfverordnungen von oben um und passe die Allgemeinverordnung nicht auf die lokalen Verhältnisse an, so Stüfe weiter. "Mit dieser Art der Verweigerung jeder Verantwortung entsteht der Eindruck, dass sich die Zuständigen nur selbst schützen möchten."

Impfung bleibt Streitthema zwischen Kloster und Bischof

Stüfes Vorwurf, das Gesundheitsamt habe erst spät PCR-Reihentests angeboten, bezeichnete das Landratsamt als falsch. Vielmehr habe der Klosterarzt einen am vierten Tag angebotenen Reihentest selbst abgelehnt. Außerdem habe das Kloster durch eine um zwei Tage verzögerte Meldung der zweiten Infektion nicht nur gegen Vorschriften verstoßen, sondern auch einen Zeitvorteil vergeben. Inzwischen sind bei einem zweiten PCR-Reihentest am vergangenen Freitag keine weiteren Infektionen festgestellt worden.

Am Montag wies Stüfe in einer Stellungnahme den Vorwurf der Behörde zurück, bei einem Corona-Fall in der Mönchsgemeinschaft gegen Meldeauflagen verstoßen zu haben. "Ich sehe nicht, dass wir irgendetwas versäumt haben." Man habe dem Gesundheitsamt mitgeteilt, dass der Bestätigungstest wegen anderer Krankheiten des Betroffenen erst nach Ostern möglich sei, so der Arzt des Klosters. "Dennoch haben wir am Ostermontag bereits die Kontaktpersonen gemeldet." Die Zusammenarbeit mit der Behörde sei "sehr gut" gewesen. "Es war aber eben keine Möglichkeit und Erfahrung vorhanden, wie in einem Fall vorzugehen ist, wenn eine Lebensgemeinschaft von Corona betroffen ist. Diese Vorgehensweise mussten wir selber entwickeln." Das sei weniger als Vorwurf, sondern als Tatsache zu verstehen.

Ein Streitpunkt zwischen dem Kloster und der Landrätin bleibt das Thema Impfen. Im Februar habe über eine Woche lang eine feste Zusage für den ganzen Konvent vorgelegen, in dem auch viele alte Mönche leben. Sie sei kurzfristig aufgehoben worden, so der Arzt. "Wir haben uns dem gefügt. Als aber die nächste Altersgruppe geimpft werden sollte, kam von der Landrätin die endgültige Ablehnung. Das war zwei Monate später." Zwischendurch sei die Gemeinschaft vom Impfzentrum in der Hoffnung gehalten worden, dass das mobile Impfteam jederzeit nach Münsterschwarzach kommen würde. "Da eben auch andere Klöster bereits komplett geimpft wurden, fragen wir uns, warum es uns verweigert wird." (rom/KNA)

18.04.2021, 11.15 Uhr: ergänzt um Äußerungen des Landratsamtes. /rom
19.04.2021, 12.30 Uhr: ergänzt um weitere Kritik aus dem Kloster. /rom