Drewermann und Lücking-Michel äußern sich zu "heißen Eisen"

Ökumenischer Kirchentag diskutiert über Frauenweihe und Sexualmoral

Aktualisiert am 14.05.2021  –  Lesedauer: 

Frankfurt ‐ Beim ÖKT werden auch konfliktreiche Themen diskutiert: ZdK-Vizepräsidentin Claudia Lücking-Michel verglich die Debatte um die Frauenweihe mit der Lage der DDR vor dem Mauerfall. Eugen Drewermann kritisierte die "absolute" kirchliche Sexualmoral.

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Beim 3. Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) in Franktfurt am Main haben sich Experten über "heiße Eisen" wie die Frauenweihe und die kirchliche Sexualmoral geäußert. Claudia Lücking-Michel, Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), verglich die Debatte um die Weihe von Frauen in der katholischen Kirche mit der Lage der DDR vor dem Mauerfall. Die Mauer des Nein zur Zulassung von Frauen zu allen Ämtern stehe noch, sagte sie am Freitag bei einer Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung. Aber sie werde zunehmend brüchig. Die Kirche könne es sich mit Blick auf die Gleichheit aller Menschen vor Gott nicht mehr leisten, die Hälfte der Menschheit von den wichtigsten Diensten und Ämtern auszuschließen.

Lücking-Michel verwies auf hohe Austrittszahlen und das Unverständnis der jüngeren Generation über die Rolle der Frauen. "So kann es nicht weitergehen", sagte sie auch mit Blick auf Bewegungen wie "Maria 2.0", die mit unterschiedlichen Aktionen und Kirchenstreik auf den Ausschluss von Frauen reagierten. Auf die Frage, ob es wichtiger sei, von innen für Reformen zu kämpfen oder durch Austritt Druck auszuüben, sagte sie, es brauche beides für Veränderungen. Für die Kirche bedeute es aber einen großen Aderlass, wenn so viele Frauen gingen. Die ZdK-Vizepräsidentin betonte, es gebe aus ihrer Sicht keine schlagenden theologischen Argumente gegen den Ausschluss von Frauen vom Weiheamt. Es handele sich um eine reine Machtfrage.

Drewermann kritisiert "absolute" kirchliche Sexualmoral

Der Ex-Priester und Psychotherapeut Eugen Drewermann (80) kritisierte die kirchliche Sexualmoral. "Heute stehen für Katholiken, inzwischen aber auch für Protestanten, Jahrhunderte einer absoluten Moral vor allem im Sexuellen zur Debatte", sagte Drewermann in einem von der Zeitschrift "Publik Forum" veranstalteten digitalen Vortrag. Es sei eine "schwere Verformung" des Bildes Gottes, da "Sünde einzusäen", wo Menschen mit ihrer Sehnsucht nach Liebe am meisten danach verlangten, dass ihre Seele Flügel bekomme, sagte Drewermann vor rund 700 zugeschalteten Zuhörern.

"Man hat die Verformungen geschaffen, um Macht auszuüben", kritisierte Drewermann weiter. Wer Menschen bis in ihr Innerstes mit Schuldgefühlen und "Angst vor sich selber" infiziere, der habe sie völlig in der Hand. Dies könne Menschen "neurotisch machen". Drewermann rief Christen zum Ungehorsam auf. "Selbstständigkeit zeigt sich im Ungehorsam gegenüber Autoritätsforderungen", sagte er. – Drewermann zählte über Jahre zu den umstrittensten Theologen in der katholischen Kirche. Von 1979 bis 1991 lehrte er als Privatdozent für systematische Theologie an der Theologischen Fakultät Paderborn. 1991 entzog der Paderborner Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt ihm die Lehrerlaubnis. 1992 erhielt der Theologe ein Predigtverbot, wenig später wurde er vom Priesteramt suspendiert. Im Jahr 2005, zu seinem 65. Geburtstag, trat er aus der Kirche aus. In seinen Büchern legt Drewermann die Bibel vor allem tiefenpsychologisch aus.

Der am Donnerstag eröffnete ÖKT nahm am Freitag seine inhaltliche Arbeit auf. Begonnen wurde der Tag mit einem Gedenken an die Opfer der Schoah in der Gastgeberstadt Frankfurt und dem Aufruf, rechtzeitig gegen Menschenfeindlichkeit vorzugehen. Am Abend ist ein Festakt mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier geplant. Der ÖKT geht noch bis Sonntag. (tmg/KNA)