Théo Péporté
Luxemburger schildert seine Eindrücke vom deutschen Reformprozess

Beobachter Péporté: Synodaler Weg hat Modellcharakter für Gesamtkirche

Théo Péporté ist einer der internationalen Beobachter beim Synodalen Weg. Im katholisch.de-Interview zeigt er sich überzeugt, dass auch andere europäische Länder von der Arbeit beim Reformprozess der Kirche in Deutschland profitieren können. Außerdem spricht er über die Atmosphäre bei den Debatten.

Von Moritz Findeisen |  Frankfurt - 07.10.2021

Insgesamt 18 Beobachter hat der Synodale Weg, die meisten davon kommen aus den Nachbarländern Deutschlands. Einer von ihnen ist der Luxemburger Théo Péporté, einst Leiter des Presse- und Kommunikationsbüros der Katholischen Kirche in seinem Heimatland. Wie blickt er auf den Reformprozess? Und wie wird dieser in Luxemburg wahrgenommen? Ein Interview.

Frage: Herr Péporté, Sie sind internationaler Beobachter beim Synodalen Weg. Was ist Ihr Eindruck von der zweiten Synodalversammlung in Frankfurt?

Péporté: Dieser Prozess ist sehr spannend und absolut notwendig – nicht nur hier in Deutschland. Deshalb kann ich die deutsche Kirche nur beglückwünschen, dass Sie diesen Weg angestoßen hat und ihn mutig verfolgt. Die jetzige Versammlung war eine wichtige Zwischenstation und man merkt jetzt schon, wie schwierig es ist, die verschiedenen Stimmen zusammenzubringen. Aber das ist überhaupt nicht verwunderlich: Die Themen, die beim Synodalen Weg behandelt werden, sind sehr kompliziert, und ich halte es für ein gutes Zeichen, dass man bedächtig und sehr differenziert damit umgeht.

Frage: Am Anfang des Synodalen Wegs stand die Erschütterung über sexuellen Missbrauch und seine Vertuschung in der katholischen Kirche. Ist diese emotionale Stimmung nach wie vor spürbar?

Péporté: Man merkt, dass diese Emotionen immer noch stark präsent sind, und das ist auch gut so. Ich glaube aber, dass es bereits vor dem Bekanntwerden dieser Verbrechen einen zunehmenden Vertrauensverlust innerhalb der Kirchen in Europa gab, der sich durch den Missbrauchsskandal natürlich wesentlich beschleunigt hat. Das war die Zäsur, an der selbst die Bischöfe gesagt haben: So geht es nicht mehr weiter, unser ganzes System muss sich von innen heraus erneuern. Und es war wichtig, dass sie dazu die Laien eingeladen haben, weil eine Erneuerung nur so gelingen kann.

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Frage: Im Vorfeld der zweiten Synodalversammlung gab es Kritik, dass abweichende Meinungen unterdrückt würden. Hatten Sie den Eindruck, dass die Debatten inhaltlich ausgeglichen waren und sich unterschiedliche Stimmen Gehör verschaffen konnten?

Péporté: Zunächst finde ich es sehr gut, dass es offene Diskussion über kritische Kirchenthemen gibt – das kann auch zu Streit führen, aber das gehört dazu. Die Kirche ist längst von einer ebenso großen Pluralität geprägt wie unsere Gesellschaften. Da sind Auseinandersetzungen ganz normal. Gleichzeitig gibt es für den vom Präsidium eingeschlagenen Reformkurs offensichtlich eine deutliche Mehrheit. Ich habe aber nicht den Eindruck, dass abweichende Stimmen unterdrückt werden. Sie kommen zu Wort wie alle anderen und werden auch respektiert. Dort wo die Reformanliegen konkret werden, nimmt auch der Widerspruch zu, das konnten wir bereits sehen. Aber das gehört, wie gesagt dazu, und ich bin sehr zuversichtlich, dass der Prozess zu einem guten gemeinsamen Ziel führen kann.

Frage: Inwiefern sind die beim Synodalen Weg behandelten Themen auch in Luxemburg präsent?

Péporté: Die Reformfragen sind natürlich auch in der Kirche von Luxemburg präsent und werden dort schon seit längerer Zeit diskutiert. Deshalb beobachten wir den synodalen Prozess in Deutschland auch sehr aufmerksam. Was die Gesamtgesellschaft betrifft, muss ich allerdings sagen, dass es bei uns sehr schwierig ist: Die meisten Menschen haben mit der Kirche abgeschlossen und interessieren sich nicht mehr für mögliche Reformen. Auch in den öffentlichen Medien wird kaum noch über die Kirche berichtet. Ich kann die deutschen Katholiken deshalb nur ermutigen, die gesellschaftlichen Verbindungen, die sie noch haben, nicht abbrechen zu lassen. Auch deshalb braucht es die Reformen.

Frage: Was nehmen Sie von den deutschen Beratungen mit nach Luxemburg – besonders im Blick auf den weltweiten synodalen Prozess, den Papst Franziskus ausgerufen hat?

Péporté: Zum einen werde ich die guten Texte mit nachhause nehmen, die von den Gremien vorbereitet und auf dieser Synodalversammlung diskutiert wurden. Besonders die Präambel und den Orientierungstext habe ich mit großer Freude gelesen. Das sind ausgezeichnete theologische Analysen, deren Bedeutung weit über die Situation in Deutschland hinausgeht. Von dieser Arbeit können wir in Luxemburg und in anderen europäischen Ländern sehr profitieren. Des Weiteren bin ich der Meinung, dass der Synodale Weg durchaus Modellcharakter für die Gesamtkirche hat. Wir könne viel von der Beteiligung der Laien in Deutschland lernen und ich hoffe sehr, dass die Überlegungen, die hier gemacht wurden, auch in den weltweiten Prozess einfließen werden. Auf jeden Fall werde ich aber auch den guten und disziplinierten Umgang mitnehmen, mit dem hier diskutiert wurde.

Von Moritz Findeisen

Zur Person

Theo Péporté war bis 2013 Leiter des Presse- und Kommunikationsbüros der Katholischen Kirche in Luxemburg. Er ist Mitglied der Ökumenischen Jury bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes und Mitorganisator der "Journées sociales du Luxembourg".