Geistlicher soll 2011 zwei Mal ein elfjähriges Mädchen missbraucht haben

Priester des Erzbistums Köln erneut wegen Missbrauchs angeklagt

Aktualisiert am 16.11.2021  –  Lesedauer: 

Köln ‐ Dem Kölner Priester U. wird vorgeworfen, sich zwischen 1993 und 1999 in 31 Fällen an seinen drei minderjährigen Nichten vergangen zu haben. Dafür muss er sich vor Gericht verantworten. Nun kommen weitere Anschuldigungen hinzu.

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Gegen den katholischen Priester U. aus dem Erzbistum Köln hat die Staatsanwaltschaft Köln eine weitere Anklage erhoben. Er soll im Januar 2011 zwei Mal ein elfjähriges Mädchen missbraucht haben, in einem Fall schwer, wie das Landgericht Köln am Dienstag mitteilte. Dort muss sich der 70-Jährige am 23. November ebenfalls wegen sexuellen Missbrauchs verantworten. Ihm wird vorgeworfen, sich zwischen 1993 und 1999 in 31 Fällen an seinen drei minderjährigen Nichten vergangen zu haben. Davon sollen drei Taten schwere Fälle gewesen sein.

Das Landgericht muss eigenen Angaben zufolge nun prüfen, ob die neue Sache mit dem bereits anhängigen Verfahren verbunden und gemeinsamen verhandelt werden kann. Eine Entscheidung hierzu könne möglicherweise erst kurz vor dem Beginn der anberaumten Hauptverhandlung getroffen werden.

Das Landgericht hat in dem bereits anhängigen Verfahren zunächst 20 Verhandlungstermine bis Ende Januar angesetzt. Dazu sind bislang 38 Zeugen aus dem persönlichen und beruflichen Umfeld des Priesters geladen, darunter auch der Hamburger Erzbischof Stefan Heße, der ehemals Personalverantwortlicher im Erzbistum Köln war. Der Angeklagte soll auch durch einen Psychiater begutachtet werden. Die drei Nichten treten in dem Verfahren als Nebenklägerinnen auf.

Erste Anschuldigungen und Ermittlungen bereits vor elf Jahren

Die mutmaßlichen Taten des Priesters waren bereits Thema in dem im März veröffentlichten Missbrauchsgutachten für das Erzbistum Köln, das Heße Fehler im Umgang mit dem Fall vorwirft. Erste Anschuldigungen und Ermittlungen gegen U. gab es demnach bereits vor elf Jahren. Damals überreichte Heße als Personalchef dem damaligen Pfarrer seine Entpflichtungsurkunde.

Zugleich soll Heße eine Notiz unterzeichnet haben, nach der über das Gespräch mit U. kein Protokoll gefertigt werden solle. Der heutige Hamburger Erzbischof kann sich nach eigenen Angaben nicht erinnern, sein Einverständnis zu einem solchen Vorgehen gegeben zu haben.

Die Staatsanwaltschaft hatte laut dem Gutachten 2011 ihre Ermittlungen im Fall U. eingestellt, nachdem eine der Nichten - offenbar auf Druck der Familie - ihre Anzeige zurückgezogen hatte. Danach wurde U. im Erzbistum Köln wieder als Krankenhausseelsorger eingesetzt. Der heutige Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki rollte den Fall 2018 wieder auf. Der Kardinal meldete ihn an die Staatsanwaltschaft und untersagte U. die Ausübung priesterlicher Dienste. Im vergangenen Jahr klagte die Staatsanwaltschaft den früheren Pfarrer zum ersten Mal an. (KNA)