Gegen Ex-Oberhirten von Trier liegen Vertuschungsvorwürfe vor

Familie von früherem Bischof Stein unterstützt Missbrauchsopfer

Aktualisiert am 02.12.2021  –  Lesedauer: 
Der ehemalige Bischof von Trier Bernhard Stein
Bild: © KNA-Bild

Trier ‐ Gegen den ehemaligen Trierer Bischof Bernhard Stein stehen Vertuschungsvorwürfe im Raum. Jetzt solidarisieren sich Familienangehörige des Oberhirten mit Missbrauchsbetroffenen – und fordern eine unabhängige Aufklärung in dem Fall.

  • Teilen:

Familienangehörige des früheren Trierer Bischofs Bernhard Stein (1904-1993) haben sich mit Missbrauchsbetroffenen solidarisiert und eine unabhängige Aufarbeitung der Vorwürfe gegen Stein gefordert. Stein steht posthum seit 2020 öffentlich in der Kritik. Ihm wird vorgeworfen, in seiner Amtszeit von 1967 bis 1980 von sexuellem Missbrauch durch Kleriker an Kindern gewusst und Täter gedeckt zu haben.

In einem von mehreren Familien unterzeichneten Brief, der auf Juni datiert ist und an den Betroffenenverein Missbit und den Trierer Bischof Stephan Ackermann gesendet wurde, schreiben Verwandte des früheren Bischofs: "Wir solidarisieren uns voller Mitgefühl mit den Opfern sexuellen Missbrauchs durch Priester der Diözese Trier in der Zeit unter Bischof Bernhard Stein." Die Vorfälle müssten "zügig durch eine neutrale, kirchenunabhängige Stelle aufgearbeitet werden".

Auch müsse alles vermieden werden, was Erinnerungen der Opfer an Verletzungen und Demütigungen heraufbeschwören oder auslösen könne. Darunter falle beispielsweise das Schild am gleichnamigen "Bischof-Stein-Platz" in der Trierer Innenstadt. Das Schreiben liegt der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vor. Zuerst hatte der "Trierische Volksfreund" berichtet.

Bistum Trier bestätigt Hinweise

Das Bistum Trier hatte nach Bekanntwerden der Vorwürfe bestätigt, dass Hinweise vorliegen, wonach der ehemalige Bischof von sexuellen Übergriffen eines Priesters wusste, und angekündigt, den Fall aufarbeiten zu lassen. Die im Sommer vom Bistum eingesetzte unabhängige Kommission zur Aufarbeitung von Missbrauch in der Diözese soll auch den Fall Stein untersuchen.

Im Zuge der Debatte um Stein äußerten Missbrauchsbetroffene und andere auch Forderungen, den nach Stein benannten Platz hinter dem Dom in Trier anders zu benennen. Einen ersten Antrag der Grünen-Fraktion dazu lehnte der Trierer Stadtrat im Januar allerdings ab. Für Februar plant die Grünen-Fraktion eine neue Debatte zu Bischof Stein im Stadtrat und will auch die Umbenennung des Platzes erneut beantragen.

Auch in anderen Städten wird nach Bekanntwerden von Vorwürfen gegen kirchliche Würdenträger im Zusammenhang mit Missbrauch über die Umbenennung von Straßen und Plätzen diskutiert. So soll zeitnah die Hildesheimer Bischof-Janssen-Straße umbenannt werden. Zudem gibt es Debatten über die Bischof-Janssen-Straßen in Duderstadt und Kevealer. Der Stadtrat im nordrhein-westfälischen Korschenbroich hatte im Juli die Umbenennung der Pfarrer-Johannes-Wolf-Straße beschlossen. Der Kardinal-Meisner-Platz im thüringischen Hundeshagen wurde dagegen vorerst nicht umbenannt. (tmg/KNA)