Protokollierte Absprache werde beim Synodalen Weg nicht eingehalten

Gender-Debatte verschoben: Voderholzer kritisiert Synodalpräsidium

Aktualisiert am 11.01.2022  –  Lesedauer: 

Regensburg ‐ Erneut übt Bischof Voderholzer Kritik an der Leitung des Synodalen Wegs: Trotz Ankündigung soll bei der kommenden Synodalversammlung doch nicht über die Genderschreibweise in den Texten diskutiert werden. Die Argumentation für diese Entscheidung sei nicht stichhaltig.

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Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer wirft dem Präsidium des Synodalen Wegs vor, sich bei der Debatte um die Genderschreibweise in den Texten über protokollierte Absprachen mit den Delegierten hinwegzusetzen. Trotz anderslautender Ankündigung fehle der Tagesordnungspunkt bei der offiziellen Einladung zur anstehenden dritten Vollversammlung vom 3. bis 5. Februar, schreibt Voderholzer in einem Offenen Brief an das Präsidium, der am Dienstag auf der Homepage des Bistums veröffentlicht wurde. "Ich protestiere gegen diese Vorgehensweise", so Voderholzer wörtlich. Laut dem Bischof hatte das Präsidium am Ende der zweiten Vollversammlung im Herbst 2021 eine Debatte über die Verwendung der Gendersprache in dem Texten des Synodalen Wegs für den Beginn der dritten angekündigt. Dazu zitiert er auch aus dem Protokoll. Vonseiten des Synodalpräsidiums hieß es auf Anfrage, dass man den Offenen Brief nicht kommentiere.

In der Einladung werde darauf hingewiesen, dass das Erweiterte Präsidium beschlossen habe, die Debatte über die Gender-Schreibweise erst in der vierten Synodalversammlung zu führen, schreibt Voderholzer weiter. Begründet werde dies damit, dass dann die Beratungen über einen Handlungstext des Synodalforums IV über trans- und intersexuelle Personen stattfände und die Synodalversammlung erst anschließend sinnvoll über die Gender-Schreibweise diskutieren könne. Aus Voderholzers Sicht ist diese Begründung nicht stichhaltig, da die Debatte über die Gender-Schreibweise schon seit Jahren in der Öffentlichkeit geführt werde: "Um diese Debatte sinnvoll führen zu können, ist die Synodalversammlung nicht auf einen Beschluss des Synodalforums IV angewiesen."

Debatte müsse vor Beschlüssen geführt werden

Die Behandlung der Frage dränge, heißt es in der den Offenen Brief begleitenden Pressemitteilung. Schließlich hingen von den getroffenen Entscheidungen nicht nur Stil und Lesbarkeit der abzustimmenden Texte ab. "'Sternchentexte' wären auch ein unmissverständliches Bekenntnis zur Genderideologie und damit ein Widerspruch zur biblisch begründeten Anthropologie", heißt es.

Voderholzer beantragt daher, dass die dritte Synodalversammlung "wie angekündigt und im Protokoll der zweiten Synodalversammlung festgehalten" das Thema Genderschreibweise in den Texten in einem eigenen Tagesordnungspunkt behandelt. Diese Debatte müsse "logischerweise" vor endgültigen Textbeschlüssen geführt werden, betont der Regensburger Bischof.

Voderholzer gilt als einer der schärfsten Kritiker des Synodalen Wegs und warf dem Präsidium bereits in einen anderen Fall eigenmächtiges Handeln vor. So kritisierte Voderholzer, dass im Februar 2021 eine Online-Konferenz ohne Beschlussfassung stattfand. Das habe nicht dem Wunsch einer Mehrheit der Synodaldelegierten entsprochen, so der Bischof damals. Im Vorfeld der Synodalversammlung im Herbst 2021 ließ Voderholzer eine eigene Website freischalten, auf der Gegenpositionen zu dem offiziellen Synodaltexten gesammelt werden. (mal)