Kirche sei an einem Punkt, "wo man diese Fragen angehen muss"

Generalvikar Sturm: Druck ist nicht einfach zu ertragen

Aktualisiert am 09.02.2022  –  Lesedauer: 
Generalvikar Sturm: Druck ist nicht einfach zu ertragen
Bild: © Bistum Speyer

Speyer ‐ Der Synodale Weg ist aus Sicht des Speyerer Generalvikars "sinnvoll, wichtig und richtig". Auch er wolle sich für Veränderungen einsetzen – aber nicht um jeden Preis. "Ich bin noch nicht an dem Punkt zu sagen: Ich schmeiß das Handtuch."

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Der Speyerer Generalvikar Andreas Sturm blickt frustriert auf den Reformstau in der katholischen Kirche. "Ich bin noch nicht an dem Punkt zu sagen: Ich schmeiß das Handtuch. Aber dieser Druck ist nicht einfach zu ertragen", sagte Sturm in einem Interview mit dem SWR (Mittwoch). Er wolle seinen Beitrag leisten, aber nicht um jeden Preis. "Also, wenn ich den Eindruck habe, man beißt sich nur die Zähne aus, dann kann es für mich – zumindest an der Position, an der ich jetzt bin –, nicht weitergehen." Als Generalvikar sei er auch das Gesicht dieser Kirche. "Ignorieren geht nicht mehr. Ich weiß nicht, wie es für mich weitergeht."

Bis auf das Thema Homosexualität seien alle Themen schon einmal dagewesen. "Und es ist nichts passiert", so Sturm. Gerade bei der Abschaffung des Zölibats und der Öffnung der Ämter für Frauen wolle er jedoch nicht zu optimistisch sein. Hier brauche es ein Konzil, in dem sich die ganze Kirche weltweit zu Wort melde und in dem diese Fragen behandelt würden. "In der katholischen Kirche sind wir an einem Punkt, wo man diese Fragen angehen muss!", sagte Sturm.

"Sonst hat Kirche nichts mehr zu sagen"

Angesprochen auf die Aktion "#OutInChurch" sagte Sturm, er habe in den vier Jahren als Generalvikar noch keine Kündigung ausgesprochen, weil jemand gegen die Loyalitätsverpflichtung verstoßen habe. "Was in den Schlafzimmern meiner Mitarbeitenden passiert – solange es sich um Erwachsene handelt und die das aus freien Stücken tun –, geht mich als Dienstvorgesetzter nichts an." Es brauche aber rechtlich sichere Lösungen losgelöst vom jeweiligen Bistum. Darüber hinaus forderte er eine kirchliche Lehre, die mit der Lebenswirklichkeit der Menschen im Einklang sei. "Sonst hat Kirche nichts mehr zu sagen, dann spielt auch dieser Jesus Christus und seine Botschaft im Leben der Menschen überhaupt keine Rolle mehr."

Es gebe Frauen, die sich berufen fühlten und ganz klar Gottes Plan für ihr Leben als Priesterin oder Diakonin spürten. Das habe die Kirche bisher negiert. "Aber diese Frauen sind doch da, mit ihrer Geschichte, mit ihrer Berufung! Deswegen finde ich es gut und richtig, dass wir da hinhören und etwas verändern." Den Synodalen Weg findet Sturm "sinnvoll, wichtig und richtig". "Da hat der Heilige Geist was mit in Bewegung gebracht." Viele Frauen und Männer hätten schon lange gespürt, dass es so nicht weitergehen könne. (cbr)