Ukrainischer Bischof mahnt mehr Unterstützung durch Westeuropa an

Schick: Waffen für Ukraine müssen Friedensverhandlungen als Ziel haben

Aktualisiert am 18.04.2022  –  Lesedauer: 

Bamberg/Graz ‐ Die Ukraine benötigt Waffen, um sich gegen die russischen Angreifer zu verteidigen. Erzbischof Ludwig Schick mahnt jedoch an, dass man das Ziel solcher Lieferungen nicht aus den Augen verlieren dürfe: Friedensverhandlungen.

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Waffenlieferungen an die Ukraine müssen nach den Worten des Bamberger Erzbischofs Ludwig Schick der Aussöhnung dienen. "Ziel darf nicht sein zu vernichten, um zu herrschen, sondern muss sein, Friedensverhandlungen zu erzwingen", schrieb Schick am Montag auf Twitter. Es werde eine Zeit nach dem Krieg geben: "hoffentlich bald".

Nach Ansicht des Erzbischofs müssen Russland und die Ukraine zu einer dauerhaften friedlichen Nachbarschaft in ganz Europa und der Welt finden. "Selbst im Krieg müssen wir auf Frieden sinnen. Das ist Christenpflicht. Friede ist unsere Hoffnung und immer das Ziel." Weiter fügte Schick hinzu, Russland sei mehr als Präsident Wladimir Putin und seine Anhänger.

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Der griechisch-katholische Bischof von Lemberg, Wolodymyr Hruza, plädierte unterdessen für mehr Unterstützung der Ukraine durch Westeuropa. Katholiken sollten ihren Regierungen die Wahrheit des "brutalen Mordens" beibringen und zum Handeln auffordern. Es sei zu wenig, sich betroffen und besorgt zu zeigen, sagte der Bischof im Interview mit der österreichischen "Kleinen Zeitung" (Ostersonntag). "Das hilft niemandem, der am Sterben ist. Die Menschen wollen gerettet werden. Es geht hier um Leben und Tod."

Jene im Westen, die der Ukraine etwa mit Verweis auf eine Unvereinbarkeit mit christlichem Glauben das Recht auf bewaffnete Gegenwehr absprechen, lade er ein, während der Bombenangriffe mit in die ukrainischen Bunker zu kommen oder zu den Gräbern, an denen Kinder um ihre Mütter weinen, sagte Hruza. "Wer sich nicht einmischt, der unterstützt die Mörder. Er billigt durch sein Schweigen ihre Untaten, wäscht sich die Hände in Unschuld wie Pilatus." Nötig sei Hilfe wie im biblischen Gleichnis vom Barmherzigen Samariter, der nicht am Verletzten vorbeiging - wozu auch Waffenlieferungen gehörten. Schließlich sei der Ukraine der Krieg aufgezwungen worden.

Als Priester versuche er, frei von Hass zu sein, verspüre jedoch "als Bürger eines Landes, das sich verteidigt, eine gesunde Aggression", bekannte Hruza. Wichtig sei dabei jedoch, "dass man auch im Krieg ein Mensch bleibt und nicht zum Mörder und Gewalttäter wird" - was viele ukrainische Soldaten bisher bezeugt hätten, indem sie russische Kriegsgefangene human behandelten. Immer müsse auch Vergebung Platz haben, wobei jedoch gelte: "Um jemandem vergeben zu können, sollte dieser seine Taten bereuen. Tut er das nicht, dann kann die Vergebung nicht wirken. Man kann nicht einseitig jemandem vergeben, der nichts davon hören will." (rom/KNA)