Nach "Faktencheck" seines Biografen zu Ukraine- und Corona-Haltung

"Publik-Forum" verteidigt Berichterstattung zu Eugen Drewermann

Aktualisiert am 18.05.2022  –  Lesedauer: 

Oberursel ‐ Eugen Drewermann mache sich mit Verschwörungstheoretikern gemein: Dieser Darstellung hatte sein Biograf zuletzt widersprochen. Nun wehrt sich der Journalist, der die Berichterstattung ins Rollen brachte: Seine Vorwürfe seien berechtigt.

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Das Magazin "Publik-Forum" verteidigt seine Berichterstattung über Eugen Drewermanns Haltung zum Ukraine-Krieg und zu Corona. In einer Stellungnahme, die katholisch.de vorliegt, weist "Publik-Forum"-Reporter Matthias Drobinski die Behauptung von Drewermann-Biograf Matthias Beier, Drobinskis Darstellungen hielten einem Faktencheck nicht stand, zurück. Seine Vorwürfe gegen Drewermann seien berechtigt und belegbar, so Drobinski. Drewermann habe viele Verdienste; viele Menschen verehrten ihn und vertrauten ihm. "Umso wichtiger ist es, ihn an seine Verantwortung zu erinnern und Kritik zu üben, wenn er sich dieser Verantwortung nicht stellt."

"Publik-Forum" hatte Ende Februar berichtet, dass Drewermann Verschwörungserzählungen verbreite. Demnach unterstützt er die Vorwürfe radikaler Impfgegner: So behaupte er etwa, die Genesenen seien besser geschützt als diejenigen, die mit einem mRNA-Impfstoff geimpft worden seien. Drewermann gehöre zudem zu den Erstunterzeichnern des "Neuen Krefelder Appells", der vor einer angeblichen kapitalistischen Weltverschwörung warnt. Anfang April kam Drewermann selbst mit einem Gastbeitrag in "Publik-Forum" zu Wort. Darin bezeichnete er die Nato als "schlimmste Angriffsarmee der Weltgeschichte". Auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ging er nicht ein.

Vergangene Woche veröffentlichte Matthias Beier, der als Professor für Psychotherapie und Pastoraltheologie am Christian Theological Seminary in Indianapolis (USA) lehrt und Autor einer 2017 erschienenen Biografie über Eugen Drewermann ist, eine als "Faktencheck" betitelte Stellungnahme zu den Vorwürfen gegen Drewermann. Diese, so Beier seien "zumeist falsch" oder beruhten auf Insinuationen, "die bei näherer Betrachtung gegenstandslos sind".

Linktipp: Zeitschrift: Eugen Drewermann verbreitet Verschwörungserzählungen

Eugen Drewermann, der Verschwörungstheoretiker? Der Psychotherapeut soll Vorwürfe radikaler Impfgegner unterstützen und gehört zu den Erstunterzeichnern des "Neuen Krefelder Appells", der vor einer kapitalistischen Weltverschwörung warnt

In Bezug auf die Ukraine hatte Beier zur Verteidigung Drewermanns ein Interview angeführt, in dem dieser den Krieg als "Verbrechen" bezeichnet habe. Drobinski scheibt dazu in seiner Stellungnahme, dass Drewermann mit seiner Aussage in dem Interview, der Krieg in der Ukraine hätte verhindert hätte werden, wenn man auf Russland gehört hätte, "eine unsägliche Täter-Opfer-Umkehr, verbunden mit einer hoch problematischen politischen Analyse" betreibe. Auch in einem weiteren Interview folge Drewermann diesem Muster: "Ein allgemeines 'Kein Krieg ist gerechtfertigt', dann Kritik an der Nato, die letztlich schuld daran sei, dass ein in die Enge getriebener Putin einen schrecklichen Fehler mache." Das Argument, Drewermann nenne die Nato "schlimmste Angriffsarmee der Weltgeschichte", weil sie das "zahlenmäßig größte aktive Militärbündnis mit den meisten Waffen in der Weltgeschichte ist", sei "hanebüchen", so Drobinski.

Weiterhin hatte Beier in seinem "Faktencheck" erklärt, Drewermann lasse sich nicht in die Ecke der Corona-Impfgegner stecken. Bei seiner Behauptung, die Genesenen seien besser geschützt als die Geimpften, beziehe sich Drewermann auf seriöse Studien. Auch hier widerspricht Drobinski: Er habe Drewermanns Aussagen von Thomas Boehm, dem Direktor des Max-Planck-Instituts für Immunbiologie und Epigenetik, überprüfen lassen. "Seine Expertise ist verheerend: Er sei entsetzt über Drewermanns Behauptung, Genesene seien besser geschützt als Geimpfte. Sie stimme so nicht. Vor allem aber könne 'gerade für ältere Menschen eine Infektion lebensgefährlich werden'", schreibt Drobinski. Wenn Beier betone, dass es Drewermann darum gehe, Spaltungen in der Gesellschaft zu überwinden, sei dies ein wichtiges und gutes Anliegen. "Der Ton, die Formulierungen, die Argumente bewirken allerdings leider das Gegenteil."

"Hätte wissen müssen, was er da unterschreibt"

Der Journalist erneuerte seinen Vorwurf, Drewermann mache sich durch seine Unterzeichnung des "Neuen Krefelder Appells" mit Querdenkern und Verschwörungstheoretikern gemein. "Eugen Drewermann hätte wissen müssen, was er da unterschreibt: durch schlichtes Lesen des Textes, durch die Frage an die Initiatoren, wer da noch unterschreibt.". Generell sei Drewermann jedoch seit 2014 zunehmend häufig in einer "Querfront-Szene" präsent, "die davon ausgeht, dass geheime Mächte die Bundesrepublik Deutschland und überhaupt die westliche Welt steuern, dass Demokratie und Rechtsstaat nicht mehr als Fassade sind". Matthias Beier hatte angeführt, Drewermann habe nichts davon gewusst, dass auch der Gründer der Querdenker-Bewegung, Michael Ballweg, unter den Unterzeichnenden des "Neuen Krefelder Appells" ist und er ihn gar nicht kenne. Als er oben auf dem Appell "Nato raus. Raus aus der Nato" gelesen habe, habe Drewermann ihn nur überflogen und unterschrieben, ohne ihn genau zu lesen. "Es wäre Drewermann zu raten, in Zukunft genauer zu prüfen, bevor er Appelle unterzeichnet", räumte Beier ein.

Eugen Drewermann (81) zählt zu den umstrittensten Theologen. Von 1979 bis 1991 lehrte er als Privatdozent an der Theologischen Fakultät Paderborn. 1991 entzog der Paderborner Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt ihm die Lehrerlaubnis. 1992 erhielt der Theologe ein Predigtverbot, wenig später wurde er vom Priesteramt suspendiert. 2005, zu seinem 65. Geburtstag, trat er aus der Kirche aus. In seinen Büchern legt Drewermann die Bibel vor allem tiefenpsychologisch aus. (mal)